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Affenpocken

Impfung nach Kontakt schützt nicht immer vor Erkrankung

Eine Impfung mit dem Pockenimpfstoff Imvanex® als Postexpositionsprophylaxe verhindert nicht in allen Fällen eine Affenpockenerkrankung. Das zeigt eine Untersuchung aus Paris. Der Impfstoff ist aber gut verträglich.
Christina Hohmann-Jeddi
12.08.2022  14:18 Uhr

Um das sich seit Mai weltweit ausbreitende Affenpockenvirus einzudämmen, können auch Pockenimpfstoffe eingesetzt werden. Das Präparat Imvanex der Firma Bavarian Nordic hat seit Mitte Juli für die Indikation Affenpocken eine Zulassung in der EU. Der Lebendimpfstoff soll in Deutschland laut Empfehlungen der Ständigen Impfkommission vor allem als Postexpositionsprophylaxe (PEP) nach Virusexposition, also engem Kontakt mit nachweislich Infizierten, eingesetzt werden. Zudem sollen Risikopersonen wie Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), und Laborpersonal, das mit kontaminiertem Material arbeitet, eine Impfung angeboten bekommen.

Wie gut eine PEP-Impfung mit einem gegen Pocken konzipierten Impfstoff vor Affenpocken-Erkrankungen schützt, war bislang unklar. Untersucht hat dies nun ein Team von Forschenden um Dr. Michael Thy von der Universität Paris Cité in Frankreich. Seine Ergebnisse stellt es auf dem Preprint-Server »MedRxiv« vor. Die Forschenden konnten in ihre Analyse 276 Personen einbeziehen, die zwischen dem 27. Mai und dem 13. Juli 2022 im Bichat Claude Bernard Universitätskrankenhaus in Paris eine Dosis Imvanex nach Kontakt mit PCR-bestätigten Affenpockeninfizierten erhalten hatten. Die Art der Exposition war bei 91 Prozent Aerosol, bei 71 Prozent indirekter Kontakt und bei 54 Prozent ungeschützter sexueller Kontakt. Bei 91 Prozent der Kontaktpersonen handelte es sich um Männer, die Mehrheit von ihnen sind MSM.

Die Kontaktpersonen erhielten ihre PEP-Impfung im Durchschnitt elf Tage nach der vermuteten Exposition gegenüber dem Affenpockenvirus. Die Impfung wurde in der Regel gut vertragen, lokale Reaktionen an der Injektionsstelle berichteten 45 Prozent der Personen, die einen entsprechenden Fragebogen ausfüllten. 13 Prozent berichteten von Fatigue.

Von den 276 Geimpften entwickelten zwölf Personen (4 Prozent) eine symptomatische Durchbruchinfektion, die aber keinen schweren Verlauf nahm. Bei zehn von ihnen trat die Infektion innerhalb von fünf Tagen nach der Impfung auf, bei zwei Personen erst im Abstand von 22 beziehungsweise 25 Tagen. Die Autoren schätzen die PEP-Impfung als verträglich und wirksam ein – alle Affenpockenerkrankungen bei Kontaktpersonen könne sie allerdings nicht verhindern.

Ein Teil der Durchbruchinfektionen könne vermutlich durch den späten Zeitpunkt der Impfung erklärt werden – als ideal wird eine PEP-Impfung in den ersten vier Tagen nach einer Exposition angesehen. Eine genaue Angabe zur Wirksamkeit können die Forschenden nicht machen, da sie keine Vergleichsgruppe mit Kontaktpersonen hatten, die keine PEP erhalten hatten. 

Schon vier Todesfälle durch Affenpocken in Nichtendemieländern

Derzeit verbreitet sich das Affenpockenvirus weltweit weiter. Laut eines Berichts der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 10. August haben sich in dem aktuellen Ausbruch inzwischen mehr als 27.800 Menschen infiziert. Das Infektionsrisiko sei weltweit moderat, in Europa aber hoch. In der Regel verlaufen Affenpocken mild, es können aber auch Komplikationen und Todesfälle auftreten. Zum ersten Mal seien außerhalb der Endemiegebiete in Afrika Menschen an Affenpocken gestorben, heißt es von der WHO. Demnach wurden aus Spanien zwei Todesfälle und aus Brasilien und Indien jeweils ein Todesfall gemeldet.

Am stärksten betroffen von der Virusverbreitung ist Europa. Hier wurden laut der Europäischen Seuchenbehörde ECDC bis zum 9. August 17.897 Affenpockeninfektionen in 41 Ländern nachgewiesen. Bei 99 Prozent der Betroffenen handelt es sich um Männer. 455 Patienten wurden hospitalisiert, zwei aufgrund von Affenpocken auch auf eine Intensivstation verlegt. Beide Patienten verstarben.

In Deutschland sind bis zum 12. August 3102 Personen an Affenpocken erkrankt, meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) am Freitag. Auch hier sind vor allem Männer betroffen, bislang seien nur elf weibliche Fälle übermittelt worden. Zudem seien bisher drei Fälle bei Jugendlichen bekannt geworden, heißt es vom RKI. In einem Haushalt mit zwei erwachsenen Fällen wurde bei einem Kind eine Infektion festgestellt.

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