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Daten zu Comirnaty

Impfschutz lässt bei Kindern rasch nach

Die Effektivität des Impfstoffs Comirnaty® von Biontech/Pfizer gegen Covid-19 und daraus resultierende Krankenhauseinweisungen sinkt bei Kindern zwischen fünf und 17 Jahren bereits nach wenigen Wochen – auch wegen der Omikron-Variante. Experten plädieren zur Wahrnehmung der empfohlenen Booster-Impfungen.
Laura Rudolph
02.03.2022  18:00 Uhr

Im Rahmen einer Kohortenstudie ermittelten Forscher des New York State Department of Health (NYSDH) die Wirksamkeit des mRNA-Impfstoffs Comirnaty von Biontech/Pfizer gegen Covid-19 sowie gegen Covid-19 bedingte Hospitalisierungen bei Kindern der beiden Altersklassen fünf bis elf Jahre und zwölf bis 17 Jahre im Bundesstaat New York. Dazu analysierten sie zwei Impfdatenbanken, sowie jeweils eine Datenbank zu meldepflichtigen Covid-19-Testergebnissen und Krankenhauseinweisungen. Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich vom 13. Dezember 2021 bis zum 30. Januar 2022, als bereits die Omikron-Variante zirkulierte. Die Ergebnisse veröffentlichte das Forscherteam am Montag in einem Preprint bei »MedRxiv« (DOI: 10.1101/2022.02.25.22271454).

Die Forscher verglichen die Inzidenzrate für das Ereignis Covid-19 bei vollständig geimpften Kindern (≥ 14 Tage nach der zweiten Impfung) mit den Inzidenzraten der Ungeimpften in der jeweiligen Alterskategorie. Selbiges taten sie für das Ereignis Covid-19-bedingte Hospitalisierung. Aus dem Verhältnis der Inzidenzrate der Geimpften zur Inzidenzrate der Ungeimpften für das jeweilige Ereignis in der jeweiligen Altersgruppe ergibt sich das Inzidenzratenverhältnis (IRR), aus dem die Forscher die geschätzte Effektivität des Impfstoffes (VE) errechneten.

Effektivität sinkt vor allem bei jüngeren Kindern

In der vollständig geimpften Kohorte der Fünf- bis Elfjährigen (365.502 Kinder) sank die Effektivität des Impfstoffs gegen Covid-19 rasch ab: In der Woche vom 13. Dezember 2021 betrug die VE 68 Prozent, sechs Wochen später nur noch 12 Prozent. In der Gruppe der vollständig geimpften Zwölf- bis 17-Jährigen (852.384 Kinder) sank die VE im selben Zeitraum von 66 Prozent auf 51 Prozent. Die sinkende Effektivität könnte auch mit der raschen Omikron-Ausbreitung korrelieren: In der Woche vom 13. Dezember 2021 wiesen 19 Prozent der Sequenzierungen diese Variante nach, in der Woche vom 24. Januar bereits 99 Prozent.

In Bezug auf Corona-bedingte Hospitalisierungen nahm die Effektivität des Impfstoffs weniger stark ab. Bei Kindern zwischen fünf und elf Jahre sank die VE von 100 Prozent in der Woche vom 13. Dezember 2021 auf 48 Prozent in der Woche vom 24 Januar (Tag 28 bis 34 nach der vollständigen Impfung). Bei den Zwölf- bis 17-Jährigen sanken die Werte von 85 auf 73 Prozent. »Es ist enttäuschend, aber nicht völlig überraschend, wenn man bedenkt, dass es sich um einen Impfstoff handelt, der als Reaktion auf eine frühere Variante entwickelt wurde«, sagte Studienleiter Dr. Eli Rosenberg gegenüber der Zeitung »The New York Times«.

Um zusätzlich den Einfluss der Impfstoffdosis zu ermitteln, verglichen die Forscher die VE-Werte der Elfjährigen mit denen der Zwölfjährigen. Die Kinder erhielten ihre zweite Impfung im Zeitraum vom 13. Dezember 2021 bis zum 02. Januar 2022, wobei den Elfjährigen zweimal je eine Dosis mit 10 µg des mRNA-Impfstoffs verabreicht wurde, während die Zwölfjährigen bereits die höhere Dosis mit je zweimal 30 µg, die ab zwölf Jahren zugelassen ist, erhielten. Die Elfjährigen erreichten in der Woche vom 24. Januar einen VE-Wert von 11 Prozent, die Zwölfjährigen 67 Prozent. Die deutlich niedrigere Effektivität bei den Jüngeren führen die Forscher auf die geringere Impfstoffdosis bei ähnlicher Physiologie der Kinder zurück.

Wirkverlust niedriger als erwartet?

Zu weniger stark sinkenden VE-Werten kam eine Studie der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC), deren Ergebnisse am gestrigen Dienstag im »Morbidity and Mortality Weekly Report« veröffentlicht wurden. Von April 2021 bis Januar 2022 untersuchte ein Forscherteam des »VISION Network«, einem Zusammenschluss von verschiedenen Gesundheitssystemen, in Partnerschaft mit den CDC in zehn US-Bundesstaaten die Covid-19-bedingte Notfallversorgung von 39.217 Kindern sowie 1699 Hospitalisierungen von Kindern zwischen fünf und 17 Jahren.

Die Forscher ermittelten eine VE von Comirnaty gegen Covid-19-bedingte Notfallaufnahmen von 46 Prozent für die Fünf- bis Elfjährigen 14 bis 67 Tage nach der zweiten Dosis, eine VE von 83 Prozent für die Zwölf- bis 15-Jährigen und eine VE von 76 Prozent für die 16- und 17-Jährigen 14 bis 149 Tage nach der zweiten Impfung. Die Werte für die Kinder zwischen zwölf und 15 Jahre fielen im weiteren Verlauf auf 38 Prozent ab. Die VE der 16- und 17-Jährigen sank auf 46 Prozent, konnte durch eine Booster-Impfung jedoch wieder auf über 80 Prozent gesteigert werden (≥7 Tage nach der Booster-Injektion). Für die Abschätzung der VE nach einer Booster-Impfung bei den Zwölf- bis 15-Jährigen lagen nicht genug Daten vor.

Die VE gegen Hospitalisierungen betrug nach vollständiger Impfung bei den Kindern zwischen fünf und elf Jahren 74 Prozent (14 bis 67 Tage nach der zweiten Injektion). Bei den Zwölf- bis 15-Jährigen betrug die VE 92 Prozent und bei den 16- und 17-Jährigen 94 Prozent (jeweils 14 bis 149 Tage nach der zweiten Impfung), sank nach über 150 Tagen jedoch auf 73 Prozent beziehungsweise 88 Prozent ab.

Besserer Schutz gegen Omikron nach Booster-Impfung

Da die Impfungen der Fünf- bis Elfjährigen später als bei den älteren Kindern starteten, lagen in der CDC-Studie noch keine Langzeitdaten bezüglich der VE-Abnahme in dieser Altersklasse vor. Bei den Kindern von zwölf bis 17 Jahre nahm die VE gegen Covid-19-bedingte Hospitalisierungen sowohl in der CDC- als auch in der NYSDH-Studie ab, jedoch unterschiedlich stark.  Die Studienautoren beider Publikationen sehen die mittlerweile dominierende Omikron-Variante als einen Hauptverursacher dieser Entwicklung. Eine Booster-Impfung, wie sie in Deutschland derzeit von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Kinder ab zwölf Jahren und Erwachsene empfohlen wird, kann dem Impfschutz wieder steigern. Die Studienautoren plädieren deshalb dafür, entsprechende Impfangebote wahrzunehmen. 

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