Pharmazeutische Zeitung online
DAV-Chef Dittrich

»Ihre Apothekendaten helfen uns, für ein faires Honorar zu kämpfen«

Die meisten Apotheken denken, Kammern und Verbände hätten automatisch alle relevanten Struktur- und Abrechnungsdaten. Dem ist jedoch nicht so. Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands (DAV), Thomas Dittrich, bittet daher alle Inhaber um mehr Mithilfe: Eine breitere Datenbasis würde die Verhandlungsposition der Apotheken gegenüber Politik und Krankenkassen deutlich stärken. Konkretes Beispiel: Der Z-Datensatz bei Rezepturen.
Daniela Hüttemann
11.04.2022  17:20 Uhr

»Die Apotheken selbst sind Quelle vieler Daten mit hoher Qualität, doch nicht alle stehen automatisch der Standesvertretung zu Verfügung«, erläuterte Dittrich bei einem Vortrag zu »Apotheken im Datenkosmos« vergangene Woche beim PZ-Management-Kongress auf Mallorca. Für Verhandlungen mit den Krankenkassen oder auch bei der Argumentation mit der Politik sowie zur Marktbeobachtung und für wissenschaftliche Studien brauche es aber eine breite Datenbasis, zum Beispiel Umsätze und Absätze von OTC-Medikamenten, die Strukturdaten der Apotheken, angebotenen Dienstleistungen et cetera.

Hier an die nötigen Daten zu gelangen, sei zeit- und kostenintensiver, als wenn die Apotheken sie direkt der Standesvertretung zur Verfügung stellen würden. »Wenn wir uns die Daten über Dritte besorgen müssen, ist dabei die Datenqualität zudem oftmals geringer, da die Daten zum Beispiel ›bearbeitet‹ worden sind«, erklärte Dittrich. »Wir brauchen aber strukturierte, verknüpfte Daten, am besten Primärdaten hoher Qualität.« Dabei betonte der DAV-Vorsitzende, der Verband wolle die Daten keinesfalls kommerziell nutzen, »sondern wir brauchen sie für die Gespräche mit der Politik und um für Sie zu verhandeln und so noch bessere Ergebnisse zu erzielen«.

Dittrich bittet daher alle Apotheken um eine regelmäßige, anonyme Übermittlung benötigter Daten. Da erfahrungsgemäß die Rücklaufquote bei Umfragen der Apothekerverbände zu speziellen Themen oder auch beim ABDA-Datenpanel eher gering sei, wünscht er sich hier auch die Hilfe der Software-Häuser.

Die Zuhörer kamen während des Vortrags aus dem Staunen nicht heraus, da allgemein angenommen wird, die Standesvertretung habe automatisch viele Daten.

Viele Kongressbesucher wollen sich nun mehr an Umfragen beteiligen und erklärten sich spontan bereit, in Zukunft breiter Auskunft zu geben. So müssten letztlich die eigenen Daten nicht mehr von Mitgliedsbeiträgen zurückgekauft werden, etwa von Firmen wie IQVIA und Insight Health. Dies sei mitunter für Verhandlungen nötig, denn die Krankenkassen hätten zum Teil mehr und bessere Daten zur Verfügung als die Apothekenseite selbst. So hat zum Beispiel der Apothekerverband bei parenteralen Zubereitungen und bei medizinischem Cannabis kein Auskunftsrecht gegenüber den Herstellern zu den tatsächlichen Einkaufspreisen der Apotheken, wie es dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) per Gesetz eingeräumt wurde. Der Apothekerverband kann also nur schwer verifizieren, auf welchen Daten die Berechnungen und Verhandlungsgrundlagen der Kassenseite bei diesen Preisverhandlungen basieren.

Z-Datensatz hilft Apothekerverband bei Verhandlungen

Ein gutes Beispiel ist der bei den Apotheken unbeliebte Z-Datensatz. »Darin wird im Prinzip fast alles übermittelt, zum Beispiel welcher Ausgangsstoff in welcher Menge eingesetzt und von welchem Hersteller mit welcher Packungsgröße eingekauft wurde«, erläuterte Dittrich. Die Abrechnung sei dadurch zwar für die Apotheken aufwändiger geworden, dafür könne der Verband nun besser und schneller in den Verhandlungen für marktgerechte Preise agieren.

Gleiches gelte für Cannabis-Rezepturen. Auch hier helfe der Z-Datensatz, der hier seit Juli 2021 verpflichtend ist, bei den Verhandlungen. Der Arbeitsaufwand der Apotheken muss allerdings über zusätzliche Abfragen ermittelt werden. »Nur wenn wir den hohen Arbeitsaufwand auch klar belegen können, haben wir eine Chance auf eine dem tatsächlichen Aufwand entsprechende Vergütung«, so Dittrich angesichts des noch laufenden Schiedsverfahrens.

An entsprechenden Umfragen der Apothekerorganisationen würden sich einfach zu wenig beteiligen. Ein deutliches Beispiel dafür sei das ABDA-Datenpanel. »Wir könnten noch mehr in den Verhandlungen erreichen, wenn uns viele Kolleginnen und Kollegen die Daten ihrer Apotheken anonymisiert zur Verfügung stellen«, appellierte Dittrich. Dabei gelte: je breiter die Datenbasis, umso besser. Der Verband wiederum arbeite daran, die nötigen technischen Voraussetzungen zu schaffen, um die Datenabfrage möglichst unkompliziert zu gestalten.

Mehr von Avoxa