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Gehaltstarifvertrag

Höhere Tariflöhne für Apothekenmitarbeiter in Nordrhein

In der Verbandsregion Nordrhein können sich Apothekenangestellte ab sofort über eine Tariferhöhung freuen. Die Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter (TGL) Nordrhein und die Apothekengewerkschaft Adexa haben sich auf einen neuen Gehaltstarifvertrag geeinigt. Alle Berufsgruppen bekommen mehr Geld, am meisten profitieren PKA.
Benjamin Rohrer
04.03.2022  11:20 Uhr

Anfang des Jahres hatten die Apothekengewerkschaft Adexa und der Arbeitgeber-Verband ADA mit einer drastischen Steigerung der Tariflöhne überrascht. Mit Blick auf die politisch angekündigte Steigerung des Mindestlohns auf 12 Euro hatten beide Parteien pauschale Erhöhungen der Gehälter in allen Berufs- und Altersgruppen vereinbart. Allerdings gilt der Tarifabschluss zwischen Adexa und ADA nicht bundesweit. In der Verbandsregion Nordrhein beispielsweise handeln die Adexa und die TGL traditionell eigene Tarife aus. Doch auch dort sind die Verhandlungspartner nun nachgezogen und haben den Gehaltstarifvertrag rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres aktualisiert. Vereinbart wurden ebenfalls pauschale Erhöhungen in allen Berufsgruppen und Berufsjahresgruppen. Allerdings kommen die Gehaltserhöhungen in Nordrhein in mehreren Schritten.

Bis zu 240 Euro brutto im Jahr mehr

So ist der Plan: Rückwirkend zum Jahresbeginn gibt es für alle Angestellten pro Monat 50 Euro mehr. Zum 1. April, 1. Juli und 1. Oktober dieses Jahres folgen dann allerdings weitere Erhöhungen um jeweils 50 Euro. Insgesamt erhalten die Angestellten in Nordrhein in diesem Jahr also 200 Euro brutto mehr. Die Berufsgruppe der PKA macht zum 1. Oktober 2022 sogar noch einen größeren Schritt und erhält zwischen 90 und 118 Euro mehr und damit insgesamt ein Plus von mindestens 240 Euro im Jahr 2022. Zum 1. Januar 2023 steigen die Gehälter dann noch einmal um weitere 2 Prozent. Auch die Notdienstvergütungen sowie der Zuschlag für die Filialleitungstätigkeit werden angehoben.

Die Ausbildungsvergütungen steigen zum 1. Juli 2022 um 100 Euro. Die tarifliche Vergütung für Pharmazeuten im Praktikum beträgt dann 1029 Euro im Monat. Der PTA-Nachwuchs erhält ab 1. Juli 2022 im sechsmonatigen Praktikum 808 Euro pro Monat. Für PKA-Azubis gibt es dann im ersten Ausbildungsjahr 808 Euro, im zweiten Ausbildungsjahr 860 Euro und im dritten Ausbildungsjahr 913 Euro. Der neue Gehaltstarifvertrag hat eine Laufzeit bis Ende 2023. Hier finden Sie die neue Tarif-Tabelle.

Für wen gelten die neuen Tarife?

Der Vertrag gilt allerdings nicht für alle Mitarbeiter automatisch. Einen Rechtsanspruch auf diese und alle weiteren Leistungen des Tarifvertrags hat man nur dann, wenn beide Seiten – Arbeitnehmer wie Arbeitgeber – Mitglied in der jeweiligen Tariforganisation sind. PTA (beziehungsweise jeder Angestellte einer öffentlichen Apotheke) müssen also Mitglied bei Adexa, der Arbeitgeber Mitglied im ADA beziehungsweise der TGL Nordrhein sein. Nur dann werden die Bedingungen des Arbeitsverhältnisses automatisch an die verbesserten Tarife angeglichen. Einen Anspruch kann es jedoch auch geben, wenn beide Seiten dies im Arbeitsvertrag festgehalten haben. Voraussetzung ist weiterhin, dass der Arbeitnehmer in einer öffentlichen Apotheke angestellt ist. Dazu zählen alle in Deutschland tätigen Apotheken mit Ausnahme von Krankenhausapotheken. Hier finden Sie mehr Informationen über die Einordnung in die Berufsjahresgruppen und zur Tarifbindung.

Tanja Kratt, ADEXA-Vorstand und Leiterin der ADEXA-Tarifkommission, kommentiert: »Nach komplizierten Tarifverhandlungen ist auch das Ergebnis komplizierter, als wir uns das gewünscht haben. Aber nach dem Wechsel an der TGL-Spitze und zusätzlichem medialem Störfeuer aus Richtung des Apothekerverbands Nordrhein freue ich mich, dass wir diesen rückwirkenden Abschluss für unsere Mitglieder erreichen konnten und sie sich nicht länger von der Entwicklung im restlichen Bundesgebiet abgekoppelt fühlen müssen. Mit den verhandelten Gehältern sollen die Mitarbeitenden eine angemessene Wertschätzung ihrer Leistungen erfahren, bestehende Arbeitsverhältnisse in der Folge erhalten und künftige Arbeitsverhältnisse durch Steigerung der Attraktivität gefördert werden.«

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