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Kältewelle

Herzmedikamente jetzt noch wichtiger als sonst

Frostige Temperaturen können insbesondere Patienten mit Herzproblemen empfindlich schaden. Es kann zu einer gefährlichen Verengung der Gefäße und Überlastung des Herzmuskels kommen. Daher ist gerade jetzt die korrekte Einnahme von Herzmedikamenten wichtig – und gegebenenfalls eine Dosisanpassung durch den Arzt nötig.
Christiane Berg
12.02.2021  18:00 Uhr

Nicht nur der Blutdruck, auch die Herzinfarkt-Gefahr steigt bei Minusgraden. Insbesondere entsprechend vorbelastete Menschen sollten sich jetzt besonders warm kleiden und übergroße körperliche Anstrengungen wie Schneeschippen meiden. Noch engmaschiger als sonst sollten sie zudem ihren Blutdruck messen und auf die regelmäßige und korrekte Einnahme ihrer Medikamente achten.

Studiengemäß führt eisige Kälte zu einer schlechteren Prognose bei Herzerkrankungen. Können Medikamente wie Acetylsalicylsäure, Betablocker oder Nitrate vor akuten Koronarereignissen wie zum Beispiel einem Herzinfarkt oder Angina pectoris schützen, so kann es sinnvoll sein, die Arzneimitteldosis im Winter entsprechend anzupassen. »Dieses allerdings nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt«, konstatiert Professor Dr. Thomas Voigtländer, Frankfurt am Main.

Wichtig sei auch der Zeitpunkt der Medikamenteneinnahme: Da der Blutdruck bei den meisten Patienten nach dem Aufstehen ansteigt, sollten diese ihre Tabletten in der Regel morgens nehmen – und zwar bevor sie hinaus in die Kälte gehen, so der Kardiologe in einer aktuellen Meldung der Deutschen Herzstiftung.

Herzpatienten sollten bei Minusgraden besonders vorsichtig sein und große Anstrengungen vermeiden. Brustschmerzen oder Atemnot sollten gerade jetzt nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn: Kälte zählt gemäß einer Untersuchung, die bereits 2017 im »European Heart Journal« erschienen ist, zu den modifizierbaren Risikofaktoren bei der Entstehung und Forcierung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Beobachtet werden konnte, dass die Zahl akuter Myokardinfarkte an sehr kalten Tagen steigt.

Zunächst paradox erscheinend sei dabei auch festgestellt worden, dass Bevölkerungen der weltweit allerkältesten Regionen in Nordschweden oder Finnland hinsichtlich der Inzidenz koronarer Ereignisse weniger zu temperaturbedingten Schwankungen neigen. Dieses sei darauf zurückzuführen, dass die in diesen Klimazonen lebenden Menschen mehr Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um sich vor der Eiseskälte zu schützen.

Warm einpacken und es langsam angehen lassen

Das sollten sich Herzpatienten auch bei uns zum Vorbild nehmen und auf kälteresistente Kleidung achten. »Bei Minusgraden legen sie sich zum Schutz am besten einen Schal über Mund und Nase, so gelangt die Luft bereits vorgewärmt in die Atemwege«, macht auch Voigtländer deutlich. Sei regelmäßige Bewegung auch im Winter notwendig, so rate er zu weniger anstrengenden körperlichen Aktivitäten wie Spaziergängen im Park.

So oder so: »Plötzliche Schmerzen, Druck oder Brennen beziehungsweise ein massives Engegefühl im Brustkorb, Angstschweiß mit fahler, kalter Haut beziehungsweise Übelkeit und Erbrechen, Atemnot und Beschwerden im Oberbauch insbesondere bei Frauen müssen als Warnzeichen und Vorboten schwerer koronarer Ereignisse bewertet und zum Anlass zur sofortigen ärztlichen Konsultation genommen werden«, warnt der Kardiologe, der stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung ist.

Er betont, dass Betroffene den Arztbesuch trotz Corona und Angst vor Covid-19-Infektionen nicht scheuen dürfen. Es sei unmittelbar Gefahr im Verzug. Dabei sei dringender Handlungsbedarf nicht nur bei Patienten mit bereits bekannter koronarer Herzkrankheit (KHK), Angina pectoris oder Zustand nach Herzinfarkt, sondern auch bei bestehendem Vorhofflimmern oder tiefen Beinvenen-Thrombosen gegeben. Im Übrigen sei, so erste Hinweise, in kälteren Jahreszeiten auch die Zahl der Schlaganfälle und Lungenembolien erhöht.

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