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Covid-19

Hautflecken als mögliches Frühsymptom

In mehreren Fallberichten werden Hautmanifestationen als ein Symptom von Covid-19 genannt. Bei einigen Patienten traten sie deutlich vor den typischen respiratorischen Symptomen auf. Noch gibt es nicht genügend Daten dazu. Interessant ist es dennoch, die kutane Beteiligung weiter zu beobachten.
Sven Siebenand
20.04.2020
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Im »Journal of the American Academy of Dermatology« berichtet ein Team um Dr. Beuy Joob vom Sanitation1 Medical Academic Center in Bangkok von einem Fall, in dem der Patient einen Hautausschlag mit Petechien hatte. Da dies auch ein Symptom von Dengue sein kann und der Ausschlag des Patienten genauso aussah, wurde er anfangs fälschlicherweise als Dengue-Patient diagnostiziert, was zu einer verzögerten SARS-CoV-2-Diagnose führte. Erst später entwickelte der Patient die typischen respiratorischen Symptome von Covid-19.

Ähnlich erging es einem 13-jährigen Jungen aus Italien, der zwei Tage vor den typischen Covid-19-Symptomen wegen Flecken und Schmerzen an den Fußzehen beim Kinderarzt vorstellig wurde. Der Pädiater stellte bei ihm an mehreren Zehen einen runden Ausschlag mit einem Durchmesser von 5 bis 15 mm fest, heißt es in einem Fallbericht des Internationalen Podologenverbands. Der Ausschlag trat dabei teilweise auf der oberen, teilweise auf der unteren Seite der Zehen auf. Er verschlimmerte sich in den folgenden Tagen und es bildete sich eine schwärzliche Kruste. Einige Tage später begannen sich die Schmerzen und die Hautläsionen zurückzubilden.

Offenbar ist das kein Einzelfall: Der Podologenverband berichtet davon, dass es in den Folgewochen in Italien dutzende ähnliche Fälle gab, jeweils bei Kindern und Jugendlichen. Meist seien die Füße, manchmal aber auch die Hände betroffen gewesen. Dabei trete die Hautmanifestation in der Regel an den Fingern oder Zehen auf. Aber auch die Fußsohle könne betroffen sein. Anfangs sei es immer eine rötlich-violette oder bläuliche Verfärbung, danach treten Blasen auf und später schwärzliche Verkrustungen. Schmerz ist ein häufiges Begleitsymptom. Innerhalb von zwei Wochen heilen die Hautmanifestationen in der Regel vollständig aus.

Eine andere Beobachtung aus Italien fasst Dr. Sebastiano Recalcati vom Alessandro Manzoni Hospital in Lecco im »Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology« zusammen. Er berichtet über eine Untersuchung bei 88 hospitalisierten Covid-19-Patienten. 18 von ihnen, also mehr als 20 Prozent, entwickelten Hautmanifestationen, acht zu Beginn der Erkrankung. Meist handelte es sich um einen erythematösen Ausschlag (14 Patienten). Bei drei Patienten kam es zu einer Urtikaria und bei einem beobachtete Recalcati Windpocken-ähnliche Bläschen. Eine Korrelation mit einem schweren Covid-19-Verlauf bestand nicht. Der Dermatologe betont, dass es sich hierbei nur um eine Fallserie handelt und dass weitere Untersuchungen notwendig sind, um den Einfluss einer SARS-CoV-2-Infektion auf die Haut besser zu verstehen. In einige Ländern, etwa in den USA, sollen Hautärzte Fälle von Hautmanifestationen bei Covid-19-Patienten bereits in einem Register erfassen.

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