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WHO Report 

Hat Chinas hartes Durchgreifen bei Corona Vorbildfunktion?

Chinas striktes Vorgehen zur Eindämmung des Covid-19-Virus hat dessen Ausbreitung im Land verlangsamt und somit zum Schutz der globalen Gemeinschaft beigetragen. Dies berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem Ende Februar veröffentlichten Report. Gleichzeitig geht die WHO davon aus, dass ein solches Vorgehen in anderen Ländern schwer umsetzbar ist.
Michelle Haß
11.03.2020
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In einer von der WHO und der chinesischen Regierung organisierten Mission begleiteten 13 ausländische Experten chinesische Wissenschaftler Mitte Februar auf einer neuntägigen Tour durch fünf chinesische Städte. Ziel der Mission war es, den aktuellen Stand der Covid-Epidemie zu erfassen sowie die Effektivität der durchgeführten Eindämmungs-Maßnahmen zu untersuchen. Unter den besuchten Städten war auch die in China am stärksten von der Epidemie betroffene Stadt Wuhan dabei.

»Das Vorgehen der Regierung und der gesamten Gesellschaft hat Hunderttausende von Covid-19-Fälle im Land abgewendet oder zumindest verzögert«, schreibt die WHO in ihrem Report. Zahlen von Infizierten würden diesen Eindruck bestätigen. So waren zu Beginn der Mission 2478 neue Erkrankungsfälle gemeldet worden, am letzten Tag nur noch 409. »Chinas kompromissloser und rigoroser Einsatz von nicht pharmazeutischen Maßnahmen zur Eindämmung der Übertragung des Virus bietet wichtige Lektionen für die globale Reaktion«, heißt es weiter.

Bereits bei den ersten Krankheitsfällen verhängte die chinesische Regierung universelle nationale Eindämmungs-Maßnahmen wie Überwachung der Körpertemperatur, das Tragen von Atemschutzmasken und regelmäßiges und gründliches Händewaschen. Chinesische Wissenschaftler gewannen sehr schnell neue Erkenntnisse zu dem unbekannten Virus. Als die Krankheit dann epidemische Züge annahm, passte die chinesische Regierung ihr Vorgehen an regionalen Bedürfnisse an. Das implizierte eine proaktive Überwachung zur Früherkennung neuer Fälle, eine schnelle Diagnose und sofortige Fallisolierung sowie eine strenge Einhaltung von Quarantäne auch bei Kontaktpersonen.

Diese Maßnahmen seien derzeit die einzigen, die nachweislich helfen, die Übertragungsketten beim Mensch zu unterbinden und die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, so die WHO. Als Blaupause für andere Länder sieht sie Chinas Vorgehen derzeit jedoch nicht. »Ein großer Teil der Weltgemeinschaft ist in Geist und Materie noch nicht bereit zur Umsetzung solcher Maßnahmen, wie sie zur Eindämmung von Covid-19 in China ergriffen wurden.« Für eine schnelle Implementierung seien kurzfristige Entscheidungen von oben, eine strikte Umsetzung innerhalb des Gesundheitswesen und ein hohes Engagement der Gesellschaft notwendig. Ohne das hohe Maß an Verständnis und Akzeptanz der Menschen in China und ohne deren Solidarität gegenüber Älteren und gefährdeten Krankheitsgruppen wären die Eindämmungs-Vorhaben der chinesischen Regierung nicht in diesem Maße durchführbar gewesen.

Verantwortung gegenüber Riskogruppen

An die Solidarität der Bürger appellierte zuletzt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel im Rahmen der Bundespressekonferenz am Mittwochmittag. Die CDU-Politikerin mahnte zu Verantwortungsbewusstsein und machte deutlich, dass sich die Bürger auf weitere Einschränkungen einstellen müssten. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte zu Beginn der Woche: »Jeder einzelne muss entscheiden, worauf er im Alltag verzichten kann, um sich selbst, aber auch Andere, vor allem Ältere und chronisch Kranke, zu schützen.«

Landesweite Einschränkungen und Quarantänen wie in China oder Italien, wo die Regierung inzwischen das ganze Land unter Quarantäne gestellt hat, kann Spahn jedoch nicht verhängen. Dies ist immer noch Aufgabe der lokalen Gesundheitsbehörden. Mit seiner Empfehlung, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern abzusagen, kann er den Entscheidungsträgern lediglich »den Rücken stärken.« Die Gesundheitsminister der Länder beispielsweise Nordrhein-Westfallen und Bayern haben inzwischen entsprechende Verbot erlassen. Auch die anderen Länder ziehen nach. Das oberste Ziel bleibt »die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, und somit das Gesundheitssystem funktionsfähig zu halten.«

Das entspricht dem Resümee des WHO-Berichts: »Die Zeit, die durch Eindämmungs-Maßnahmen gewonnen werden kann - und seien es auch nur Tage oder Wochen - kann von unschätzbarem Wert sein, um letztendlich die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 zu reduzieren.« Die gewonnene Zeit gelte es zu nutzen, um sich global noch besser vorzubereiten und spezifische Maßnahmen zu entwickeln, die das Virus letztendlich stoppen können.

 

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