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Prognose des Studienerfolgs

HAM-Nat als Eignungstest im Pharmaziestudium

In Hamburg und Greifswald können Bewerber für das Pharmaziestudium einen naturwissenschaftlichen Studieneignungstest absolvieren. Der sogenannte »HAM-Nat« soll als notenunabhängiges Auswahlkriterium den Studienerfolg vorhersagen und gleichzeitig auf das Studium vorbereiten.
Michelle Haß
03.04.2021  14:00 Uhr

Seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts muss bei der Studienplatzvergabe in zulassungsbeschränkten Studiengängen wie dem Pharmaziestudium ein notenunabhängiges Kriterium berücksichtig werden (siehe Kasten). Eine Möglichkeit hierfür sind Studieneignungstests. Die Pharmaziestandorte Hamburg und Greifswald nutzen hierfür seit dem Wintersemester 2020/21 den sogenannten Hamburger-Naturwissenschaftstest (HAM-Nat).

Der Studieneignungstest HAM-Nat ist ein Multiple-Choice-Test, der in einem Wissensteil Fragen zu naturwissenschaftlichen Kenntnissen und Fähigkeiten in den Fächern Mathematik, Physik, Chemie und Biologie umfasst. Die Testmodule »Arithmetisches Problemlösen«, »Relationales Schließen« und »Figurale Matrizen« beinhalten Aufgaben zum schlussfolgernden Denken. Ursprünglich wurde der Wissensteil des HAM-Nat für den Medizinstudiengang entwickelt und ist hier inzwischen seit über zehn Jahren etabliert und validiert. Eignet sich ein Studieneignungstest der Medizin auch zur Vorhersage des Studienerfolgs im Fach Pharmazie?

Dr. Thomas Lemcke, Arbeitsgruppenleiter am Institut für Pharmazeutische Chemie an der Universität Hamburg, sagt dazu im Gespräch mit der PZ: »Die ursprüngliche Ausrichtung auf die Medizin war ein Punkt, warum ich dem Test anfangs skeptisch gegenüberstand.« Jedoch würden die Fragen nicht auf medizinisches Fachwissen abzielen, sondern überprüften vielmehr allgemeine naturwissenschaftliche Kenntnisse. Er ist inzwischen der Meinung, dass man aufgrund der Breite an naturwissenschaftlichen Fragen den HAM-Nat als Studieneignungstest für ein multidisziplinäres Fach wie Pharmazie gut einsetzen könne, um aussichtsreiche Bewerber auszuwählen.

Merkmale des Studieneignungstests HAM-Nat

Andere Studieneignungstests, wie der Test für Medizinische Studiengänge (TMS), zielen in erster Linie darauf ab, kognitive Fähigkeiten zu testen. Der Wissensteil des HAM-Nat verfolge hingegen die Strategie, naturwissenschaftliches Wissen auf anspruchsvollem Schulniveau zu überprüfen, das die Voraussetzung für ein erfolgreiches Pharmaziestudium sei, berichtet Professor Dr. Hampe vom Zentrum für experimentelle Medizin in Hamburg und Mitentwickler des HAM-Nat. Der Test würde so den Bewerbern aufzeigen, was später im (Grund-)Studium auf sie zukomme.

Aus dieser Teststrategie ergibt sich ein erheblicher Unterschied zu anderen Eignungstests: Die Testteilnehmer können sich im Vorfeld umfangreich durch Lernen auf den HAM-Nat vorbereiten. »Wir wollen sogar, dass sich Bewerber gezielt vorbereiten. Denn wer motiviert ist, Pharmazie beziehungsweise Medizin zu studieren, wird auch die Zeit zum Lernen investieren, um ein gutes Testergebnis zu erzielen«, macht Hampe deutlich. Gleichzeitig bereite der Test ideal auf das Studium vor, da die Teilnehmenden ihre naturwissenschaftlichen Schulkenntnisse vertiefen würden, die sie später im Studium gebrauchen können.

Vorbereitung auf den HAM-Nat

Zur Vorbereitung auf den Test haben Hampe und sein Team im E-Learning Portal »via-MINT« verschiedene Lernmodule, Lernvideos und Übungsfragen zum Themenkatalog des HAM-Nat zur Verfügung gestellt, ebenso wie Prüfungsfragen aus vergangenen Jahren. Das Angebot ist kostenlos und kann von jedem genutzt werden.

Studieninteressierte absolvieren den Test im Vorfeld ihrer Bewerbung. Eine Anmeldung zum HAM-Nat ist immer bis zum 15. Januar eines Jahres möglich. Nach dem Test erhalten die Teilnehmer ihr Ergebnis, das sie bei der Studienplatzbewerbung über Hochschulstart angeben. Prinzipiell ist der Test keine Pflicht, jedoch erhöht er die Chancen im Vergleich zu Bewerbern, die keinen Test absolviert haben, erheblich. Umgekehrt müssen Bewerber ohne Test sehr gute Noten haben, um mit anderen Bewerbern, die am Test teilgenommen haben, mithalten zu können. Die Chancen können sich durch eine Teilnahme also nicht verschlechtern.

»Gute Prognose für den Studienerfolg«

Generell sei es bei neuen Studieneignungstests zu Beginn schwierig, valide Aussagen zur Prognosekraft zu machen. Es dauere eine gewisse Zeit bis genügend Testergebnisse und Daten zum Studienerfolg vorliegen, die man miteinander korrelieren könne, erklärt Hampe. Um vorläufig zu untersuchen, ob der HAM-Nat den Studienerfolg in der Pharmazie voraussagen kann, führten Hampe und sein Team den HAM-Nat bereits im Jahr 2018 mit 50 freiwilligen Pharmaziestudierenden des ersten Semesters durch. Deren Abschneiden im Test wurde mit ihrem »Studienerfolg« bis zum Sommer 2020 korreliert. Als Studienerfolgskriterium wurden dabei die Leistungen von 13 Prüfungen der ersten vier Semester herangezogen. Die Ergebnisse der Auswertungen zeigen, dass der Studienerfolg hochsignifikant mit dem naturwissenschaftlichen Wissensteil (r = 0,55) und dem Testmodul »Figurale Matrizen« (r=0,43), aber nicht mit der Abiturnote und anderen Testmodulen korreliert.

»Uns hat überrascht, wie gut die Naturwissenschaftsfragen funktionieren, um den Studienerfolg vorherzusagen«, sagt Hampe. Die Korrelation sei weitaus höher als die Werte, die man aus anderen Studieneignungstests kenne. Die geringe Korrelation der Abiturnote sei vermutlich darauf zurückzuführen, dass ausschließlich Personen mit guten Abiturnoten am Test teilgenommen haben, erklärt er. Dadurch werde der Beitrag der Abiturnote zur Prognose des Studienerfolgs wahrscheinlich unterschätzt.

»Der HAM-Nat ist ein Auswahlkriterium, das zur Abiturnote hinzugezogen werden kann, um den Studienerfolg im Fach Pharmazie besser vorauszusagen«, resümiert Hampe. In Regressionsmodellen ermittelt sein Team, ob der HAM-Nat als zusätzliches Kriterium in der Vorhersage des Studienerfolgs neben der Abiturnote nützt. Die Untersuchungen haben ergeben, dass die aufgeklärte Varianz des Studienerfolgs allein unter Einbezug des Naturwissenschaftsteils des HAM-Nat von 7,6 Prozent (ausschließlich Abiturnote) auf fast 30 Prozent steigt.

Grenzen des Tests

Gleichzeitig weist Hampe klar auf die Grenzen des HAM-Nat hin: »Mit dem Test bilden wir natürlich nicht ab, wie gut jemand im Labor experimentieren kann.« Der Studieneignungstest gebe jedoch schon eine Richtung vor, ergänzt Lemcke. »Wenn jemand von Anfang an weiß, dass das Studium mit vielen naturwissenschaftlichen Disziplinen und Laborarbeiten zusammenhängt, dann ist der tatsächliche Laborschock im Endeffekt nicht so groß.«

Hampe und sein Team planen, noch weitere Modulnoten aus noch folgenden Semestern in die Berechnungen einzubeziehen, um deren Aussagekraft weiter zu erhöhen. Bisher wird der HAM-Nat neben Hamburg an dem Standort Greifswald angeboten. Doch Hampe und sein Team stehen Kooperationen mit anderen Universitäten, die den HAM-Nat zur Studienauswahl heranziehen möchten, offen gegenüber.

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