Pharmazeutische Zeitung online
Diclofenac-Gel

Hände erst abwischen, dann waschen

Diclofenac schadet der Umwelt, daher sollte möglichst wenig davon ins Abwasser gelangen. Hier ist jeder Anwender von entsprechenden Schmerzgels und -salben gefragt: Nach dem Auftragen sollten die Hände vor dem Waschen mit einem Küchentuch abgewischt werden. Darauf sollte das Apothekenteam bei der Abgabe hinweisen.
PZ
13.01.2022  07:00 Uhr

Im Sinne einer nachhaltigen Pharmazie rücken zunehmend  auch Umweltaspekte bei der Arzneimittelanwendung in den Fokus. Ein großes Thema sind dabei Medikamentenreste im Wasserkreislauf, die sich natürlich nicht ganz vermeiden lassen. Doch gerade bei aus Umweltsicht problematischen Wirkstoffen hilft jede kleine Maßnahme, um die Belastung der Umwelt zu minimieren.

Zu diesen problematischen Stoffen gehört unter anderem das häufig verwendete nicht steroidale Antirheumatikum Diclofenac. Es kann mit den derzeit gesetzlich vorgeschriebenen Behandlungen in den Klärwerken nur teilweise aus dem Abwasser eliminiert werden. Schäden auf Lebewesen in Gewässern und die Vogelwelt sind nachgewiesen. Mittlerweile gibt es sogar einen Runden Tisch des Bundes, der sich mit den Umweltauswirkungen von Diclofenac beschäftigt. Von diesem gibt es nun Hinweise, was das Apothekenpersonal tun kann, um das Problem zu minimieren; schließlich hatte das Umweltbundesamt bereits 2020 die Apotheke als »zentralen Ort für den (umwelt-)bewussten Umgang mit Arzneimitteln« genannt.

In der Regel rät man Patienten, die Hände nach dem Auftragen einer wirkstoffhaltigen Salbe oder eines Gels zu waschen. Viele machen dies sicherlich auch intuitiv. Besser für die Umwelt und eine sehr leicht umzusetzende Maßnahme ist, sich die Hände zunächst mit einem Papiertuch gründlich abzuwischen. Das Tuch darf dann natürlich nicht in der Toilette entsorgt werden, sondern über den Restmüll (nicht die Biotonne). Danach können und sollen die Hände gewaschen werden. Alternativ kann der Patient auch eine Applikationshilfe oder einen Einmalhandschuh verwenden, der ebenfalls über den Hausmüll entsorgt wird. Dass diese Maßnahme effizient ist, zeigt eine eine aktuelle Studie. Demnach reduziert das Vorgehen »erst wischen, dann waschen« den Eintrag von Diclofenac ins Abwasser um 66 Prozent. Die richtige Technik zeigt diese Grafik:

Diclofenac-Gel nur sparsam einsetzen

Die Patienten sollten zudem eine ausreichend lange Einwirkzeit der Gele und Salben vor dem Duschen oder Baden beachten, damit der Wirkstoff nicht abgespült wird. Das verbessert auch die Wirkung. Wenn möglich, sollte das Arzneimittel auch erst einziehen, bevor ein Kleidungsstück darüber gezogen wird, denn sonst gelangt der Wirkstoff beim Waschen ebenfalls ins Abwasser.

Grundsätzlich sollten topische Diclofenac-Präparate immer mit Bedacht und gemäß der Gebrauchsinformation eingesetzt werden, also nicht zu viel oder zu großflächig und auch nicht präventiv zur Vermeidung von Schmerzen im Leistungs- und Breitensport. Es ist abzuwägen, ob alternative Präparate infrage kommen. Der Runde Tisch des Bundes will noch wissenschaftlich auswerten lassen, wie sich solche Alternativen, zum Beispiel auch pflanzlicher Herkunft, im Verglich zu Diclofenac auf die Umwelt auswirken.

Was immer gilt, aber nach wie vor nur unzureichend beachtet wird: Arzneimittel dürfen grundsätzlich nicht über die Toilette oder das Waschbecken entsorgt werden, sondern gehören in den Restmüll. Kürzlich hatte eine Umfrage im Auftrag von GSK zum Umgang mit OTC-Präparaten gezeigt, dass noch 28 Prozent der Bevölkerung Arzneimittel über die Toilette entsorgen, in der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen sogar mehr als die Hälfte (56,6 Prozent). Die Hände nach dem Auftragen einer Salbe erst abzuwischen und dann zu waschen, praktiziert demnach bislang nur jeder Zehnte.

Mehr von Avoxa