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Vilobelimab

Gute Phase-III-Daten bei schwerem Covid-19

Vilobelimab ist ein neuer Antikörper, der sich gegen den Komplementfaktor C5a richtet. Er soll eine entgleiste Immunantwort bei schwerem Covid-19 unter Kontrolle bringen. Nach neuen Phase-III-Daten erhöht er die Chance, zu überleben.
Daniela Hüttemann
09.09.2022  11:30 Uhr

Entwickelt wurde Vilobelimab von der deutschen Firma InflaRx mit Sitz in Jena und München. Durch die spezifische Bindung an den Komplementfaktor C5a, der Teil des angeborenen Immunsystems ist, dämpft Vilobelimab dessen Alarmfunktion als »Verstärkermolekül« der Immunantwort. Das soll hilfreich bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen sowie Infektionen sein, bei denen das Immunsystem über das Ziel hinausschießt, wie es bei schwerem Covid-19 geschieht. Sepsis und Organversagen können die Folge sein. Die Sterberate liegt unter diesen Bedingungen derzeit bei 40 Prozent, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

Jetzt wurde eine Auswertung der Phase-III-Studie PANAMO mit kritisch kranken, invasiv beatmeten Covid-19-Patienten im Fachjournal »The Lancet Respiratory Medicine« veröffentlicht. Dabei wurden 368 Patienten zusätzlich zum derzeitigen Behandlungsstandard bestehend aus Antikoagulanzien, Dexamethason und Immunmodulatoren entweder mit Vilobelimab (bis zu sechs Infusion à 800 mg, 177 Patienten) oder Placebo (191 Patienten) behandelt. 

Die Gesamtmortalität nach 28 Tagen sank im Vergleich zu Placebo statistisch signifikant: Es starben 54 von 177 Patienten in der Vilobelimab-Gruppe (31 Prozent) gegenüber 77 von 191 Patienten (40 Prozent) in der Placebogruppe. Schwere Nebenwirkungen traten bei 59 Prozent unter Vilobelimab und 63 Prozent unter Placebo auf. Am häufigsten kam es zu akutem Nierenversagen (20 versus 21 Prozent in beiden Behandlungsgruppen), Lungenentzündung (22 versus 14 Prozent) und septischem Schock (14 versus 16 Prozent).

»Zusätzlich zur Standardbehandlung verbessert Vilobelimab das Überleben von invasiv mechanisch beatmeten Patienten mit Covid-19 und führt zu einer deutlichen Verringerung der Sterblichkeit«,  folgert das Team um Erstautor Professor Dr. Alexander Vlaar von der Universität Amsterdam und Seniorautor Professor Dr. Niels Riedemann, Gründer und Geschäftsführer von InflaRx. »Vilobelimab könnte als zusätzliche Therapie für Patienten in dieser Situation in Betracht gezogen werden und es sind weitere Forschungen zur Rolle von Vilobelimab und C5a bei anderen Virusinfektionen, die ein akutes Atemnotsyndrom verursachen, erforderlich.«

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