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Start in die Grippesaison

Grippeimpfstoffe fehlen nur vereinzelt 

Vor einem Jahr brach ein regelrechtes Chaos in der Grippesaison über die Apotheken herein. Auch in diesem Herbst ist die Nachfrage nach Impfstoffen derzeit groß. Vereinzelt kann es zu temporären Engpässen kommen, bis Anfang November dürften die aber weitgehend ausgestanden sein.
Stephanie Schersch
13.10.2021  14:30 Uhr

Viele Apotheker denken mit Grauen an den Oktober 2020 zurück. Damals hatte nicht nur das Coronavirus neue Herausforderungen für den Alltag in den Offizinen mit sich gebracht. Auch die Grippewelle hielt Arztpraxen und Apotheken ordentlich auf Trab. Bereits im September war die Nachfrage nach Impfstoffen überraschend groß und schlichtweg nicht ausreichend Ware am Markt. Erst im Dezember hatte sich die Lage entspannt als wieder mehr Vakzine verfügbar waren.

Ein solches Chaos soll sich in diesem Jahr nicht wiederholen, das hatte zuletzt auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betont. Tatsächlich ist die Lage im Markt bislang weitgehend entspannt, wie die PZ auf Nachfrage bei den Apothekerverbänden (LAV) der einzelnen Bundesländer in Erfahrung gebracht hat. Demnach gibt es bislang kaum Meldungen über Lieferengpässe. »Die Saison ist gut angelaufen«, teilte etwa der Bremer Apothekerverband mit. In Baden-Württemberg spricht man von einem »unauffälligen« Start in die Verteilung der Grippeimpfstoffe. Und auch in Sachsen-Anhalt ist es bislang ruhig geblieben, wie der dortige LAV erklärt. »Augenscheinlich läuft alles verhältnismäßig normal.«

Preis: »Es ruckelt ein wenig«

Nur sehr vereinzelt kommt es derzeit zu Engpässen in der Versorgung. »Es ruckelt ein wenig, wie jedes Jahr zu Beginn der Saison«, sagte der Chef des Apothekerverbands Nordrhein (AVNR), Thomas Preis, gegenüber der PZ. Einzelne Arztpraxen könnten ihre Patienten derzeit nicht ausreichend mit Grippeimpfstoffen versorgen. Das aber sei nur ein vorübergehendes Problem, denn bislang sind noch nicht alle Vorbestellungen in die Auslieferung gegangen. So kommen die Impfdosen wie jedes Jahr nur schrittweise und nach Freigabe durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in den Markt. »Voraussichtlich bis Anfang November können wir die Vorbestellungen vollständig bedienen«, so Preis.

Diese Zielmarke hatte vor wenigen Tagen auch der Bundesgesundheitsminister ausgemacht. Tatsächlich ist Deutschland in diesem Herbst besser vorbereitet auf die Grippesaison als in den Jahren davor. Vergleichsweise früh haben die Hersteller ihre Chargen dem PEI zur Prüfung vorgelegt. Ganze 25 Millionen Dosen haben bereits das Okay der Behörde bekommen – und damit fast das gesamte Volumen für den deutschen Markt. Ein großer Teil davon ist bereits an Apotheken und Arztpraxen gegangen, der Rest soll nun folgen.

Wie viele Menschen sich in diesem Jahr gegen die Grippe impfen lassen werden, bleibt abzuwarten. 2020 waren es rund 22 Millionen, so viele wie nie zuvor. In der neuen Grippesaison ist die Nachfrage ebenfalls bereits jetzt in einigen Regionen vergleichsweise hoch, auch das lässt mitunter Engpässe entstehen. AVNR-Chef Preis wertet das als ein gutes Zeichen. »Es zeigt, dass die Menschen sensibilisiert sind für das Thema und sich gegen die Grippe schützen wollen.«

10 Millionen Dosen Efluelda

Die Ständige Impfkommission empfiehlt den Schutz gegen Influenza unter anderem allen über 60-jährigen Senioren. Sie haben in diesem Jahr erstmals Anspruch auf ein Hochdosis-Vakzin, das mit Efluelda® aktuell allein Sanofi produziert. Allerdings können Ärzte auch einen regulären tetravalenten Impfstoff wählen, wenn das höherdosierte Präparat etwa nicht lieferbar ist. Tatsächlich ging der Hochdosis-Impfstoff bereits einigen Arztpraxen vorübergehend aus. Ein handfester Engpass dürfte allerdings keinesfalls drohen. So hatte Sanofi bereits angekündigt, für den deutschen Markt in diesem Jahr insgesamt 10 Millionen Dosen Efluelda zur Verfügung zu stellen – und damit exakt die Menge, die das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) als Bedarf für die Impfwilligen aus der Gruppe der über 60-Jährigen kalkuliert.

Als zusätzlichen Puffer hat die Bundesregierung auch für diesen Herbst Impfstoffe in Form einer nationalen Reserve angelegt. Anders als 2020 sollen diese 7 Millionen Dosen dabei schon frühzeitig und nicht erst Ende November in den Markt strömen. Vier tetravalente Präparate sind dabei, viele Apotheker hoffen, dass auch Einzeldosen darunter sind. Denn die lassen sich in einigen Regionen derzeit nicht so einfach nachbestellen und sind eigentlich in jeder Grippesaison knapp. Spätestens Anfang November sollen auch die Impfstoffe aus der Reserve und damit alle für Deutschland kalkulierten 26 Millionen Dosen verfügbar sein.

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