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ABDA-Präsidentin Overwiening

Grippe-Impfung als Regelleistung in zwei bis drei Jahren

Bei einem Live-Talk stand die ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening am Dienstag Apothekern online Rede und Antwort. Zum Thema Grippeimpfung in Apotheken erklärte Overwiening, dass es eine große Chance gebe, dass diese Aufgabe in den nächsten zwei bis drei Jahren in die Regelversorgung der Apotheken übergeht. Bezüglich möglicher Corona-Impfungen stehen die Apotheken zudem bereit, bekräftigte sie erneut.
Charlotte Kurz
21.07.2021  15:00 Uhr

Während Apotheken derzeit noch nicht gegen Covid-19 impfen dürfen, sind sie aber bereits oftmals Experten was das Thema Grippeimpfung angeht. Im Rahmen von Modellprojekten haben laut ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening in der vergangenen Influenza-Saison rund 200 Apotheken ungefähr 1300 bis 1400 Grippe-Impfungen durchgeführt. Dies betonte sie im gestrigen Live-Talk auf der Online-Plattform Facebook, in dessen Rahmen sie sich regelmäßig den Fragen von Interessierten stellt.

In der kommenden Grippe-Saison werden aber noch viel mehr Apotheken die Grippeschutzimpfung anbieten, so Overwiening. So werden in Niedersachsen und im Saarland die Impfungen in der Offizin im gesamten Bundesland möglich sein. Auch im Gebiet Nordrhein seien flächendeckend Impfungen möglich. In Bayern können Apotheken in gewissen Regionen die Impfungen anbieten, so etwa in der Oberpfalz. Und auch in Westfalen-Lippe werden nochmal 700 Apotheken hinzukommen, so Overwiening. Ebenfalls soll in Baden-Württemberg ein entsprechendes Modellprojekt zum 1. September 2021 in den Modellregionen Mannheim, Esslingen, Göppingen und Ostwürttemberg starten, informierte die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg am Dienstag. Hierfür fanden die ersten Web-Seminare bereits im vergangenen Jahr statt, pandemiebedingt folgen jetzt erst die Fortbildungen vor Ort. Insgesamt qualifizieren sich in Baden-Württemberg rund 150 Apothekerinnen und Apotheker für diese neue Aufgabe.

Auf die Frage, wann die Grippe-Impfung schlussendlich auch zu einer Regelleistung werden könnte, antwortete die ABDA-Präsidentin: »In Abhängigkeit von der neuen Regierung, die sich im Herbst bilden wird, ist die Wahrscheinlichkeit doch groß, dass wir in den nächsten zwei bis drei Jahren eine große Chance haben, in eine Regelversorgung Grippe-Impfen in den Apotheken zu kommen. Das werden wir auf jeden Fall mit aller Kraft versuchen, zu erreichen.«

Covid-19-Impfung: Apotheker stehen bereit

Auch beim Thema Impfen gegen Covid-19 signalisierte Overwiening erneut, dass die Apotheker ein »klares Angebot« an die Politik gemacht haben. Gerade im Hinblick auf die aktuelle Situation - inzwischen gibt es fast überall ausreichend Covid-19-Impfstoffe, aber viele impfunwillige Personen - seien Apotheken geeignete Stellen, um niederschwellig und flächendeckend Coronavirus-Schutzimpfungen durchzuführen. Die Erfahrungen aus anderen Ländern hätten gezeigt, dass die Impfquote aufgrund der Impfungen in Apotheken erhöht werden konnte. Dieses Argument will Overwiening auch weiter mit in die Debatte mit der Politik einfließen lassen. Zudem appellierte sie an die Apothekerschaft, sich an der Aufklärung über die Covid-19-Impfung zu beteiligen und hier aktiv das Gespräch mit den Kunden zu suchen.

Bei der Impfkampagne hätten die Apotheker bereits eine große Aufgabe zwecks Impfstofflogistik bewältigt: Mehr als 40 Millionen Impfdosen hätten die Apotheken über Arztpraxen und Betriebsärzte in die Fläche gebracht, betonte Overwiening. Und auch zur Frage, ob Coronavirus-Tests künftig kostenlos weiter angeboten werden sollten, positionierte sich die ABDA-Präsidentin am Dienstag deutlich. Sie könne sich gut vorstellen, dass die Tests künftig für Ungeimpfte nicht mehr kostenlos verfügbar sein werden – sofern allen ein Impfangebot gemacht worden sei.

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