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Coronavirus

Gilead ändert Zugang zu Remdesivir

Der noch nicht zugelassene antivirale Wirkstoff Remdesivir wird mittlerweile in mehreren Studien mit Corona-Patienten untersucht. Zudem können Ärzte für einzelne Patienten einen Antrag auf »Compassionate Use« stellen. Doch Hersteller Gilead kommt kaum hinterher – und ändert jetzt das Prozedere.
Daniela Hüttemann
30.03.2020
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In Deutschland werden Studien mit Remdesivir (GS-5734) Medienberichten zufolge an drei Universitätskliniken durchgeführt: Düsseldorf, Hamburg und München-Schwabing. Am UKE in Hamburg-Eppendorf sollten erste Patienten den Wirkstoff vergangenes Wochenende oder Anfang der Woche erhalten. Doch nicht alle Covid-19-Patienten können an den Studien teilnehmen. Bislang wurde der Arzneistoff, der intravenös appliziert wird, nur in Einzelfällen als individueller Heilversuch eingesetzt.

Am Samstag meldete sich Gilead-Chef Daniel O'Day zu Wort. Bislang habe man das experimentelle Präparat für mehr als 1000 Patienten weltweit abgegeben – jeweils nach individueller Beurteilung jedes einzelnen Antrags. Es gebe jedoch zurzeit zu viele dieser Anträge, um sie alle zu bearbeiten. Daher kündigte Gilead jetzt ein »Expanded-Access«-Programm an, dessen Kriterien bereits auf der Website www.clinicaltrials.gov zu finden sind. Dort können Krankenhäuser beziehungsweise Ärzte Remdesivir für mehrere schwer kranke Covid-19-Patienten gleichzeitig beantragen. Gilead schränkte ein, dass es Zeit brauche, bis das Programm angelaufen sei, dann soll sich der Zugang jedoch beschleunigen. Bereits seit Freitag können Kliniken in den USA hierüber Remdesivir beziehen; weitere Länder sollen folgen. Für Schwangere und Kinder solle weiterhin der compassionate Use gelten, bei dem individuelle Anträge gestellt werden.

O'Day betonte, dass Remdesivir immer noch ein experimenteller Arzneistoff sei. Daher arbeite man intensiv daran, die Sicherheit und Wirksamkeit bei SARS-CoV-2-Infizierten zu evaluieren und herauszufinden, welche Patientengruppen profitieren könnten. Der CEO versprach, über die Fortschritte regelmäßig zu informieren. Das UKE teilte am Freitag mit, dass es Ende April mit ersten Daten einer Zwischenanalyse rechnet.

Remdesivir ist das Prodrug eines Adenosin-Analogons. Es soll als falscher Baustein die virale RNA-abhängige RNA-Polymerase inhibieren.

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