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Vererbte Netzhauterkrankung

Gentherapie erhält EU-Zulassung

Die Europäische Kommission hat die Gentherapie Voretigen Neparvovec (Luxturna® von Spark Therapeutics / Novartis) zur Behandlung von Patienten mit Sehverlust aufgrund einer vererbten Netzhautdystrophie zugelassen, die durch eine biallelische RPE65-Mutation verursacht wurde. Ohne Therapie erblinden die Betroffenen oft schon sehr jung.
Kerstin Gräfe
11.12.2018
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Vererbte Netzhauterkrankungen sind eine Gruppe seltener Krankheiten, die zu Blindheit führen und durch eines von mehr als 220 verschiedenen Genen verursacht werden. Weltweit gibt es etwa 6000 Menschen, die mit einer aufgrund biallelischer RPE65-Genmutation verursachten vererbten Netzhauterkrankung leben. Sie erblinden im fortschreitenden Verlauf der Erkrankung vollständig.

Den Betroffenen fehlt aufgrund einer Mutation das RPE65-Protein. Es spielt eine wichtige Rolle im visuellen Zyklus und ist maßgeblich an der Wiederherstellung des aktiven Sehpigments Rhodopsin beteiligt. Fehlt das Protein, kommt es zum fortschreitenden Sehverlust bis hin zur völligen Erblindung. Luxturna besteht aus einer intakten Kopie des RPE65-Gens. Als Vektor dient ein modifiziertes Adeno-assoziiertes Virus. Das neue Präparat wird pro Auge einmalig als subretinale Injektion appliziert. In der Folge wird im Auge das RPE65-Protein produziert.

Die Zulassung beruht auf zwei offenen Phase-I-Studien sowie einer offenen, randomisierten Phase-III-Studie. An letzterer nahmen 31 Probanden im Alter von vier bis 44 Jahren teil. Sie erhielten im Verhältnis 2 : 1 entweder subretinale Luxturna-Injektionen oder keine Intervention (Kontrollgruppe). Über einen Zeitraum von einem Jahr wurde untersucht, wie die Probanden einen Parcours bei verschiedenen Lichtverhältnissen bewältigten. Im Vergleich zur Kontrollgruppe fanden sich die Probanden der Luxturna-Gruppe signifikant besser zurecht.

Die häufigsten Nebenwirkungen waren gerötete Augen, Katarakt, erhöhter Augeninnendruck und Netzhautrisse. Um potenzielle Immunreaktionen abzumildern, sollten die Patienten im Laufe der Behandlung mit Voretigen Neparvovec orale Corticosteroide erhalten.

Hersteller ist das US-Unternehmen Spark Therapeutics, dass die Vermarktungsrechte außerhalb der USA an Novartis vergeben hat. Novartis wird die Gentherapie in der EU vertreiben. Das Unternehmen will das Präparat zur Verfügung stellen, sobald die Finanzierung in den einzelnen Staaten geklärt ist. In den USA ist Luxturna bereits seit einem Jahr zugelassen. Die Behandlung kostet dort Medienberichten zufolge umgerechnet rund 355.000 Euro pro Auge.

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