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Apothekerkammer Berlin

Gematik-App entwickelt sich im 14-Tage-Rhythmus

Was die Apotheken in Sachen E-Rezept-Start wissen müssen, darüber hat die Apothekerkammer Berlin am gestrigen Sonntag informiert. Zentral in der Online-Veranstaltung war auch, was die Gematik-App alles kann.
Jennifer Evans
15.11.2021  16:00 Uhr

Ab Januar 2021 löst die digitale Verordnung das Muster-16-Rezept ab. Dass zu diesem Stichtag aber gleich alles glatt läuft, davon geht Kerstin Kemmritz, Präsidentin der Apothekerkammer Berlin, allerdings nicht aus. »Es wird Ruckeleien geben, die wir überstehen müssen«, sagte sie bei einer Online-Veranstaltung der Kammer zum E-Rezept. Sie ist sich sicher, dass zu Beginn noch häufig das rosa Rezept zum Einsatz kommen wird.

Laut der Kammerpräsidentin nehmen am E-Rezept-Modellprojekt der Gematik in der Fokusregion Berlin/Brandenburg mittlerweile zwischen 30 und 40 Apotheken teil. Jedoch ließen sich noch nicht mit allen Softwareanbietern E-Rezepte empfangen, so Kemmritz. Bei Konstantin Lamboy läuft es jedoch schon recht rund, wie der Inhaber der Feurig-Apotheke berichtete. Seine Berliner Offizin war die erste, die zusammen mit einer benachbarten Hausarztpraxis in das Modellprojekt eingebunden war. Inzwischen haben in Lamboys Betrieb seinen Angaben zufolge rund 100 E-Rezepte verschiedene Szenarien von Verordnungstypen und Dispensiervarianten den Prozess durchlaufen. Nach diesen Erfahrungen ist sein Rat an die Kollegen weniger ein Hinweis zur Abwicklung der digitalen Verordnung als viel mehr, sich um eine stabile Internetverbindung zu kümmern. Er empfiehlt für Notfälle einen LTE-Stick, der jederzeit eine Netzverbindung herstellen kann, wenn es einmal Probleme gibt.

Insbesondere die Funktionen der Gematik-App standen im Fokus der Veranstaltung. Kemmritz betonte zunächst, dass für die Abwicklung des E-Rezepts lediglich diese Anwendung und »keine anderen Apps oder Drittanbieter« nötig seien. Im Demonstrationsmodus der App zeigte Hannes Neumann, Produktmanager für das E-Rezept bei der Gematik, wie die Smartphone-Anwendung im Detail aussieht. Zunächst meldet sich der Nutzer also via Face-ID, Touch-ID oder Kennwort an. Sehen kann er dann den Namen des verordneten Arzneimittels, wie lange sein Rezept gültig ist und in welcher Apotheke er dazu bereits eine Anfrage laufen hat. In den Rezeptdetails lassen sich außerdem die Einnahmehinweise zu einem Präparat sowie die Zugriffsprotokolle einsehen, sprich welcher Arzt beziehungsweise welche Apotheke die E-Rezept-Informationen ausgelesen hat.

Verfügbarkeitsanfrage funktioniert noch nicht

Ist das Rezept einer Apotheke zugewiesen, entschiedet der Patient – ebenfalls via App –, ob er das Medikament persönlich abholen, sich per Botendienst zustellen oder per Versand liefern lassen möchte. Zusätzlich dokumentiert ein Archiv in der App alle eingelösten Verordnungen sowie die Informationen dazu, welches Präparat die Apotheke im Falle einer Nicht-Verfügbarkeit tatsächlich abgegeben hat. Laut Neumann erweitert sich der Funktionsumfang der digitalen Anwendung alle 14 Tage. Derzeit geht es demnach vor allem darum, Sicherheit und Stabilität zu erhöhen, eine Familienfunktion zu integrieren sowie um Updates bei den Authentifizierungsmechanismen. Nur eingeschränkt ist aktuell noch die sogenannte Verfügbarkeitsanfrage nutzbar. Ziel ist es nämlich, dass der Patient künftig bei bis zu drei Apotheken ein Arzneimittel unverbindlich anfragen kann. Derzeit spiele aber die Warenwirtschaft noch nicht mit, so Neumann.

Grundsätzlich läuft die Abgabe-Dokumentation eines E-Rezepts über die Warenwirtschaft. Muss der Arzt allerdings eine Änderung an der digitalen Verordnung vornehmen, die der Apotheker mithilfe seines elektronischen Heilberufsausweises (HBA) nicht heilen darf, muss ein neues E-Rezept her. Um dem Patienten den erneuten Weg in die Arztpraxis zu ersparen, kann der Mediziner den neuen E-Rezept-Token auch über das KIM-System (Kommunikation im Medizinwesen) an die Apotheke übermitteln.

Chatten läuft über die TI

Die Chatfunktion der Gematik-E-Rezept-App läuft über die sichere Telematik-Infrastruktur (TI). Schickt der Patient also eine Nachricht aus der App an die Apotheke, landet diese in der Warenwirtschaft. Von dort aus kann der Apotheker eine Antwort verfassen, die über die TI wieder in die App des Patienten gelangt. Auf welche Weise die Warenwirtschaftssysteme generell eingehende Nachrichten und neue E-Rezepte anzeigen, wird Kemmritz zufolge unterschiedlich gehandhabt. Jeder Anbieter habe eine eigene Lösung umgesetzt – die von einem Tonsignal bis hin zu einem aufpoppenden Fenster reiche.

Für die in der App integrierte Apothekensuche ist die Datenpflege im Apothekenportal des Deutschen Apothekerverbands (DAV) zentral. Neben den Öffnungszeiten und Kontaktdaten seines Betriebs lässt sich dort auch eintragen, welche Apotheke bereits E-Rezept-ready ist. Darauf machte die Kammerpräsidentin noch einmal aufmerksam. Demnach dürfen auch nicht DAV-Mitglieder die Grundfunktionen dieses Portals kostenfrei nutzen.

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