Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Fehlende Ressourcen
-
Forschungsstandort am Kipppunkt

Die Experten waren sich einig: Als Forschungsstandort hinkt Deutschland im internationalen Vergleich massiv hinterher. Beim Deutschen Krebskongress wurde über die anhaltenden Probleme diskutiert, aber auch über mögliche Lösungsansätze.
AutorKontaktPaulina Kamm
Datum 20.02.2026  15:00 Uhr

Nach den Impulsvorträgen der Teilnehmer fanden sich Rainer Göbel (Deutsche Leukämie- und Lymphom-Hilfe), Christoph Hillen (Co-Founder der Plattform »Reesi«), Professor Viktor Grünwald vom Carolus Institut für urologische Onkologie und Thorsten Ruppert (Verband forschender Arzneimittelhersteller, vfa) zur Paneldiskussion zusammen. Moderiert wurde die Debatte von Kathrin Heinrich (LMU Klinikum München) und Georg Isbary (Vorstandsmitglied der Deutschen Krebsgesellschaft, Roche).

Der erste Befund: Es fehlen Ressourcen auf allen Seiten – personell in den Studienzentren sowie auf Seiten der Studienteilnehmenden. Auch die Patientinnen- und Patientenvertretung hat laut Göbel ein Nachwuchsproblem, da das Ehrenamt an Beliebtheit verloren habe. 

Deutschland befinde sich mit der Studienteilnahme im internationalen Vergleich im unteren Drittel, so Hillen: 70 Prozent der Patientinnen und Patienten sind grundsätzlich an einer Studie interessiert, werden allerdings nie angesprochen. 50 Prozent haben aufgrund mangelnder regionaler Erreichbarkeit nicht die Möglichkeit, teilzunehmen. 80 Prozent wissen nicht, wo sie suchen sollen, und 45 Prozent werden wegen mangelnder Informationen nie in Studien inkludiert.

Studienregister unzureichend 

Ruppert ergänzt, dass es an einem gut funktionierenden Studienregister mangele. Es gebe zwar das Clinical Trials Information System (CTIS), welches allerdings aufgrund der mangelhaften Aufbereitung für Patientinnen und Patienten von geringem Nutzen sei. Die Bundesregierung zieht sich hier Rupperts Einschätzung nach aus der Verantwortung. Sie verweise auf das Deutsche Register für Klinische Studien (DRKS), dessen Suchmaske ebenso kaum Handhabbarkeit für potenzielle Teilnehmende biete. Zusätzlich sei dieses Register überfüllt mit sogenannten »Leichen«, also Studien, die schon seit Jahren nicht mehr laufen. 

Verstreute Quellen mit verschiedenen Datensätzen, die sich auch hinsichtlich Aktualität stark unterscheiden, »bilden keinen fruchtbaren Boden für effiziente und schnelle Rekruitierung«, so Hillen. Professor Grünwald betonte, dass auch die Zeit, bis ein Forschungszentrum überhaupt aktiviert wird, in Deutschland überproportional lang sei. Auch Administration, Vertragsabschluss und Bürokratie verlangsamten den Prozess, so Grünwald. Nationale und EU-Regelungen erzeugen laut dem Professor ein Spannungsfeld. 

»Deutschland hatte immer noch eine extra Schleife beim Bundesamt für Strahlenschutz«, so Ruppert. Auch dies trage dazu bei, dass die Prozesse in Deutschland wesentlich länger dauern. Die mangelnde Digitalisierung erschwert in seinen Augen viele der genannten Problematiken. Die Kommunikation und das Bewusstsein für die Chancen durch klinische Forschung müssen laut dem Professor verbessert werden. 

Mehr von Avoxa