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Kleine Anfrage

FDP hakt in Sachen Impfquoten bei Kindern nach

Wie haben sich Impfquoten und Krankheitsausbrüche in Deutschland entwickelt? Unter anderem diese Fragen hat die FDP-Bundestagsfraktion mit Blick auf die Kindergesundheit interessiert. Die Antworten der Regierung liegen nun vor.
Jennifer Evans
15.07.2020  16:04 Uhr

Mit mehr als 90 Prozent haben die Impfquoten bei Diphtherie, Tetanus, Polio, Keuchhusten, Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B in den vergangenen zehn Jahren nach Angaben der Bundesregierung insgesamt auf einem hohen Niveau gelegen. Allerdings seien die Zahlen insbesondere in den vergangenen Jahren leicht rückläufig gewesen, heißt es in der Antwort auf die Kleine Anfrage der FDP-Politiker rund um den Abgeordneten Matthias Seestern-Pauly.

Gegen Masern, Mumps und Röteln seien hierzulande zu Schulbeginn mehr als 95 Prozent der Kinder geimpft, heißt es weiter. Dieser Wert ist demnach seit zehn Jahren stabil. Die notwendige zweite Impfung nehmen inzwischen immerhin 93 Prozent wahr. Das entspricht einem Anstieg von 3 Prozent im selben Zeitraum.

Noch deutlich unter 90 Prozent liegen beim Schuleintritt die Impfquoten bei den erst in den vergangenen 15 Jahren eingeführten Kinderschutzimpfungen wie etwa Windpocken, Meningokokken oder Pneumokokken. Ein Aufwärtstrend sei jedoch erkennbar, hebt die Bundesregierung hervor.

Wie aus der Antwort hervorgeht, haben die Auswertungen zudem gezeigt, dass einige Impfungen oft erst in einem späteren Alter stattfinden als von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. »Das trifft insbesondere auf die Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen zu, die zum Ende des zweiten Lebensjahres mit zwei Impfungen abgeschlossen sein sollten.« 

Auch bei der Säuglingsimpfung gegen Rotaviren gibt es Defizite: Der Anteil vollständig geimpfter Kinder hat sich innerhalb der vergangenen zehn Jahre nur geringfügig erhöht. Derzeit sind knapp zwei Drittel aller Kinder vollständig gegen die Viren geimpft, obwohl es seit 2013 eine entsprechende Empfehlung gibt. Dafür nehmen immer mehr der Mädchen eine HPV-Impfung in Anspruch. Bei den 15-Jährigen sei der Wert seit 2014 von 27 Prozent auf mittlerweile 43 Prozent angestiegen, heißt es.

Welche größeren Ausbrüche hat es gegeben?

Genauer wissen wollte die FDP-Fraktion außerdem, welche größeren Krankheitsausbrüche es unter Kindern und Jugendlichen im Zeitraum zwischen 2009 und 2019 gegeben hatte. Die Bundesregierung hat die Information detailliert aufgeschlüsselt. Folglich hat es keine Ausbrüche bei Diphtherie, Haemophilus influenzae, Typ b (Hib), Polio und Hepatitis B gegeben. Masernausbrüche habe es hingegen in allen Bundesländern gegeben, allerdings nicht in jedem Jahr in jedem Land. Im Spitzenjahr 2015 ist es demnach insgesamt zu mehr als 200 vermeidbaren Ausbrüchen mit mehr als 2000 Betroffenen gekommen.

Auch Rotaviren kamen in jedem Jahr in jedem Bundesland vor. Lediglich Bremen hatte in den Jahren 2014, 2017 und 2018 keine Ausbrüche in diesem Bereich registriert. Speziell im Jahr 2019 erkrankten insgesamt mehr als 12.000 Menschen in Deutschland an Rotaviren. Bei Keuchhusten und Windpocken hatte im Gegensatz zu den anderen Bundesländern allein wieder Bremen in mehreren Jahren keine Ausbrüche zu vermelden. Laut Ausführungen der Bundesregierung sind 2017 mehr als 700 Keuchhusten-Ausbrüche mit mehr als 2000 Betroffenen hierzulande verzeichnet. Die Windpocken-Fallzahlen sind generell seit 2014 angestiegen, Spitzenjahr war 2016 mit mehr als 5500 vermeidbaren Fällen.

Fallzahlen bei Mumps und Röteln niedrig

Mumps-Fälle registrierten Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen zwischen 2014 und 2019 in jedem Jahr.  Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Schleswig-Holstein waren zumindest in einigen Jahren desselben Zeitraums betroffen. In Berlin und Brandenburg kam Mumps jeweils nur einmal vor. Die übrigen Länder berichteten von keinerlei Ausbrüchen. In allen untersuchten Jahren lag die Anzahl der Mumps-Ausbrüche unter 20 und betraf jeweils nicht mehr als 60 Personen . Und bei Röteln sei die Fallzahl ohnehin »insgesamt sehr gering«, so die Bundesregierung. Seit 2014 hatte es demnach über alle Altersgruppen hinweg weniger als 30 vermeidbare Fälle gegeben.

Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen stehe im Fokus der Bundesregierung, heißt es auf die Nachfragen der FDP. Um die Impfquoten zu verbessern, führe das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) vielfältige Forschungsprojekte und Kommunikationsaktivitäten durch. Als wichtige Zielgruppe für Impfungen gelten demnach unter anderem Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, die in den Ferien in ihre Herkunftsländer reisen.

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