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Fake News zu Ibuprofen und Covid-19

Derzeit geht eine Warnung durch die sozialen Medien, in der behauptet wird, eine Ibuprofen-Einnahme sorge für schwere Covid-19-Verläufe. Als inoffizielle Quelle wird die Uniklinik Wien genannt. Diese distanziert sich von den Behauptungen und spricht eindeutig von Fake News.
Daniela Hüttemann
14.03.2020
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In einer Sprachnachricht, die über WhatsApp verbreitet wird, behauptet eine junge Mutter, Ibuprofen sei Schuld an den schweren Verläufen und der hohen Sterblichkeit durch die Lungenerkrankung Covid-19, die durch das neue Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht wird.

Die Nachricht folgt dem typischen Muster eines Kettenbriefs: Die Frau habe die Information von einer Freundin, die an der Uniklinik Wien arbeite (als was, sagt sie nicht). Man habe dort »ein bisschen Forschung betrieben, warum in Italien so viele so heftige Coronafälle aufgetreten sind«. Man habe festgestellt, dass die ins Krankenhaus eingelieferten Patienten mit schwerer Symptomatik alle »mehr oder weniger« vorher zu Hause Ibuprofen eingenommen hätten. Als PZ wollen wir an dieser Stelle schon einmal einfügen: Das verwundert nicht, schließlich zählen Fieber und Gliederschmerzen zu den typischen Symptomen.

Nun wird behauptet, an der Uniklinik Wien habe man »im Labor den Virus und Ibuprofen zusammengebracht« (Anmerkung der Redaktion: was auch immer das heißen soll). Es gebe »sehr stichhaltige Beweise, dass Ibuprofen die Vermehrung des Virus beschleunigt«. Wissenschaftlicher wird es dann nicht. Aus pharmazeutischer Sicht erscheint es wenig plausibel, nach welchem Mechanismus Ibuprofen die Replikation eines Virus beschleunigen soll.

Weiter heißt es: »Deswegen rät die Uniklinik Wien inoffiziell, also über ihre Ärzte, dass sie das jetzt mündlich verbreiten, das Ibuprofen zu meiden.« Schriftlich werde da nichts gemacht, »weil das einfach keine groß angelegte Studie ist«. Ein solches Muster ist typisch für Verschwörungstheorien und jetzt kommt noch, ebenfalls typisch, der vermeintlich Schuldige: Da man »keine ewig lange Beweiskette« habe, »man halt nur stichhaltige Hinweise, die natürlich jetzt keiner Klage durch die Pharmaindustrie stand halten würden«.

Die Uniklinik Wien reagierte am Samstagmittag mit einem deutlichen Dementi: »Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich hierbei um Fake News handelt, die in keinerlei Zusammenhang mit der MedUni Wien stehen!«

Wie schon im Januar in China verbreiten sich seit dieser Woche hierzulande immer mehr Fake News im Sinne des Wortes viral. Apotheker sollten verunsicherten Patienten raten, sich nur über seriöse Quellen zu informieren. Hier sei an erster Stelle das Robert-Koch-Institut mit seiner Informationsseite www.rki.de/covid-19 genannt sowie natürlich die Weltgesundheitsorganisation WHO, die bereits im Februar eine eigene Seite zur Bekämpfung von Fake News rund um das Coronavirus eingerichtet hat (auf Englisch) . Auch die Fachmedien berichten regelmäßig, so sind alle Artikel zu dem Erreger auf der Themenseite »Coronavirus« der PZ zu finden. 

Gleichwohl hatten Forscher der Universität Basel diese Woche einen hypothetischen Zusammenhang zwischen Ibuprofen und der Empfänglichkeit für SARS-CoV-2 über theoretisch vermehrte Expression des Rezeptormoleküls ACE2 als Eintrittspforte für das Virus in die menschliche Zelle postuliert. Das ist bislang aber weder durch Zellexperimente noch durch klinische Daten belegt. 

Derweil kursieren noch weitere Fake News durchs Internet und die sozialen Medien. Das Bundesgesundheitsministerium warnte heute die Bevölkerung vor Falschnachrichten und Panikmache in der Corona-Krise. «Achtung Fake News», schrieb das Ministerium am Samstag auf Twitter. «Es wird behauptet und rasch verbreitet, das Bundesministerium für Gesundheit/die Bundesregierung würde bald massive weitere

Einschränkungen des öffentlichen Lebens ankündigen. Das stimmt NICHT! Bitte helfen Sie mit, ihre Verbreitung zu stoppen.»

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