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Givosiran

Erstes Mittel gegen hepatische Porphyrie kurz vor der Zulassung

Die EMA hat erstmals ein spezifisches Medikament zur dauerhaften Behandlung der akuten hepatischen Porphyrie zur Zulassung empfohlen. Es handelt sich um ein Mittel zur RNA-Interferenz.
Daniela Hüttemann
03.02.2020  14:52 Uhr

Porphyrien ist der Oberbegriff für eine Gruppe von Stoffwechselerkrankungen, bei der die Biosynthese von Häm, der grundlegenden Komplexstruktur des lebenswichtigen Hämoglobins sowie einiger wichtiger Cytochrom-Enzyme, gestört ist.

Die akute hepatische Porphyrie ist eine seltene genetische Erkrankung. In der EU ist schätzungsweise einer von 100.000 Bürgern betroffen. Die Betroffenen akkumulieren zu viel Porphyrine, Zwischenprodukte bei der Häm-Synthese, was zu schweren Bauchschmerzen, Erbrechen und zentralnervösen Symptomen wie epileptischen Anfällen, Depression und Angstzuständen führen kann. Die akute hepatische Porphyrie ist potenziell lebensbedrohlich, da es zu Lähmungen und Atemstillstand während einer Attacke kommen kann. Bislang stehen für die Patienten keine zugelassenen Medikamente für die dauerhafte Behandlung und zur Prävention von Attacken zur Verfügung.

Das könnte sich nun bald ändern. Am Freitag hat der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur EMA eine Zulassungsempfehlung für Givosiran (Givlaari™ von Alnylam) ausgesprochen für Patienten mit akuter hepatischer Porphyrie ab einem Alter von zwölf Jahren. Bei Givosiran handelt es sich um eine kurze, synthetisch hergestellte Sequenz sogenannter small interfering RNA (siRNA), ein RNAi-Therapeutikum. Mit diesem kleinen RNA-Stück kann gezielt ein Gen stillgelegt werden, dessen Sequenz nicht mehr in das entsprechende Protein, in diesem Fall die Aminolävulinsäure-Synthase 1 (ALAS1), translatiert werden kann. 

Das neue Medikament ist zur Dauertherapie gedacht und soll monatlich subkutan appliziert werden, um die ALAS1-Spiegel in der Leber dauerhaft zu reduzieren. Aminolävulinsäure ist ein Zwischenprodukt bei der Häm-Synthese. Aus zwei Molekülen Aminolävulinsäure entsteht dabei Porphobilinogen. Die endgültige Entscheidung über die Zulassung trifft die Europäische Kommission, in der Regel innerhalb von zwei Monaten. Alnylam versprach, das Medikament nach der Zulassung so schnell wie möglich in Europa auf den Markt bringen zu wollen.

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