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Chemotherapie

Ernährung unter erschwerten Bedingungen

Nicht nur die Krebserkrankung selbst, sondern auch verschiedene Nebenwirkungen antineoplastischer Therapien können eine bedarfsdeckende Ernährung des Patienten erschweren. Was sollten Patienten beachten?
Maria Pues
23.01.2020
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Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schleimhautschäden sowie ein verändertes Geruchs- und Geschmacksempfinden: Die Liste möglicher Nebenwirkungen antineoplastischer Therapien, die die Nahrungsaufnahme erschweren können, ist lang. Empfohlen wird für Patienten mit einer Krebserkrankung wie für Gesunde eine bedarfsdeckende Ernährung mit ausreichend Mikronährstoffen. Nur der Eiweißanteil sollte mit 1,2 bis 1,5 g/kg Körpergewicht (KG) höher ausfallen als bei Gesunden, für die 0,8 g/kg KG empfohlen werden.

Carboplatin, Irinotecan oder Methotrexat gehören zu den Wirkstoffen, die häufig zu Schleimhautschäden im Mund und Rachen führen, da sie nicht nur Tumorzellen, sondern auch sich rasch erneuernde gesunde Zellen angreifen. Die Läsionen machen reizempfindlich und können sehr schmerzhaft sein. Sehr heiße und sehr kalte Nahrungsmittel werden häufig nicht gut vertragen. Stark gewürzte oder saure Speisen, Hartes und Knuspriges reizen und verletzen die geschädigte Schleimhaut noch mehr. Gut vertragen werden häufig Milchprodukte, die zudem eine wichtige Eiweißquelle darstellen. Wichtig ist eine ständige Befeuchtung der Schleimhäute, zum Beispiel durch regelmäßiges Trinken, bevorzugt von Wasser.

Auch die Darmschleimhaut kann auf diese Weise geschädigt werden. Sind untere Darmabschnitte betroffen, wird im Speisebrei enthaltene Flüssigkeit nicht mehr resorbiert, und es kann zu Durchfall kommen. Gebratenes und Fettreiches wird nicht gut vertragen, gekochte Speisen hingegen schon, etwa Kartoffeln und Kartoffelpüree, Reis und Nudeln, Pudding und Brühe. Wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Da Mineralien vermehrt ausgeschieden werden, eignen sich mineralisierte Sportlergetränke.

Erbrechen gehört für viele Patienten zu den gefürchtetsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie.  Als hoch emetogen gelten etwa Cisplatin, Carmustin und Dacarbazin. Die Patienten erhalten daher prophylaktisch eine antiemetische Therapie. Sie sollten zudem vor der Therapie mehrere kleine Mahlzeiten statt drei größerer Hauptmahlzeiten einnehmen. Starke Aromen sowie sehr süße, stark gewürzte, intensiv riechende oder sehr fettige Speisen können Übelkeit und Erbrechen hervorrufen. Geschmacksneutralere Speisen werden häufig besser vertragen. Wichtig ist auch hier, verlorene Flüssigkeit und Salze wieder zuzuführen, zum Beispiel durch Lutschen von Eiswürfeln und mineralisierte Sportlergetränke .

Ein großes Problem vieler Krebspatienten ist mangelnder Appetit. Unter anderem die S3-Leitlinie »Klinische Ernährung in der Onkologie« betont, wie wichtig regelmäßige Bewegung für den Erhalt der Muskelmasse, die Steigerung des Appetits und das psychische Befinden ist. Die Leitlinie nennt für Patienten mit Tumorkachexie außerdem die Gabe von 1,5 bis 2,5 g Eicosapentaensäure zur Verbesserung von Entzündungsmarkern, Appetit und Nahrungsaufnahme sowie von Körpergewicht und Lebensqualität. Trinknahrungen und der Zusatz von Proteinpulvern zu Speisen können dazu beitragen, den täglichen Energie- und Mikronährstoffbedarf zu decken, wenn dies über die tägliche Ernährung nicht möglich ist.

Eine Absage erteilt die Leitlinie unter anderem hochdosierten Antioxidanzien während einer Chemotherapie. Zwar sei nur für wenige antineoplastische Substanzen (unter anderem Mitomycin und Bleomycin) die oxidative Wirkung als Ursache der antitumoralen Wirkung definitiv nachgewiesen. Mit dem zellulären Gehalt an Antioxidanzien nehme jedoch die Zytostatika-Resistenz von Tumorzellen zu.

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