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Resümee und Ausblick des BPhD

Ereignisreiche Zeiten für Studierende

Das Jahr 2020 und seine Herausforderungen rund um die Coronavirus-Pandemie hat den Berufsstand der Apotheker auf eine neue Art und Weise geprägt. Auch angehende Apotheker bekamen dies zu spüren. Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) zieht Bilanz und wagt einen Ausblick in das Jahr 2021.
Thorben Kurzbach und Svea Türschmann (BPhD)
29.12.2020  09:00 Uhr

Als im Januar das neuartige Virus SARS-CoV-2 erstmals beschrieben wurde, ahnte wohl noch niemand, was uns erwarten würde. Es folgten die Ausrufung einer epidemischen Lage nationaler Tragweite, Gesetze, Verordnungen und Empfehlungen zum Schutz der Bevölkerung, immer begleitet von neuen Erkenntnissen aus der Wissenschaft und dem allmorgendlichen Update mit den neuesten Infektionszahlen. Bereits zu Beginn der Pandemie warnten Hochschullehrer, Studierende und politische Vertreter vor möglichen Auswirkungen auf das Pharmaziestudium. Zunächst wurde an einem Standort das Erste Staatsexamen unterbrochen. Viele Universitäten hatten zudem Schwierigkeiten bei der Durchführung des Zweiten Staatsexamens. Etwas später wurde schnell deutlich, dass es keinen regulären Start des Sommersemesters geben wird. Zunächst wurde der Vorlesungsbeginn in den meisten Bundesländern erst einmal verschoben.

Die Pandemie brachte zudem viele zusätzliche Aufgaben für Apotheken mit sich: So zum Beispiel der massiv gesteigerte Beratungsbedarf sowie OTC-Hamsterkäufe und die Herstellung von Desinfektionsmitteln. Dazu kam die zusätzliche Belastung durch absehbare Personalausfälle und für viele Angestellte das Problem der Kinderbetreuung aufgrund von Schulschließungen.

Hier wollten die Pharmaziestudierenden zur Unterstützung einspringen. Damit Studierende und Apotheken zueinander fanden und die Hilfe dort ankam, wo sie benötigt wurde, rief der BPhD Ende März die Plattform #ApothekenHelfen ins Leben. Die Resonanz war beeindruckend. So konnten Studierende an über 300 Apotheken vermittelt werden.

Anpassung der AAppO

Gleichzeitig setzte sich der BPhD gegenüber der Politik für eine temporäre Änderung der Approbationsordnung während der Pandemie ein. Denn anders als in vielen anderen Studiengängen konnten im Studiengang Pharmazie nicht alle Lehrveranstaltungen problemlos auf Online-Formate umgestellt werden, da Studierende gemäß Approbationsordnung für Apotheker (AAppO) ein Teil ihrer Studienleistung als Praxisanteil ableisten müssen. Die starren Regelungen der Approbationsordnung schienen einer derartigen Ausnahmesituation nicht gewachsen zu sein.

Verschiedene Gremien, Hochschullehrer und auch der BPhD warnten vor einem drohenden massiven Rückstau der Studierenden, der sich direkt auf die Personalsituation in den Apotheken auswirken könnte. Erst das »Zweite Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite« bemächtigte das Bundesministerium für Gesundheit, eine entsprechende Verordnung zu erlassen, die digitale Ersatzveranstaltungen rechtlich ermöglichten.

Digital genial?

Das Fazit zur Online-Lehre fällt jedoch sehr gemischt aus. Sicherlich bietet das Online-Studium einige Annehmlichkeiten, allerdings bedeutet das eigenständige Lernen in der eigenen Wohnung erheblich mehr Selbstdisziplin und -organisation. Gerade Studienanfänger stellt es vor zusätzliche Herausforderungen, denn mit dem Studienstart kommt nicht nur eine neue Lernsituation auf sie zu, sondern häufig geht dieser auch mit einem Wechsel des Wohnorts einher, wo erst einmal neue Kontakte geknüpft werden müssen. In Zeiten von Online-Studium und (Teil-)Lockdown ist das deutlich schwerer als üblich.

Diese Situation kann sich auch deutlich auf die Psyche auswirken. Dabei stand es bereits vor der Pandemie nicht gut um die mentale Gesundheit der Pharmaziestudierenden. Dies zeigte die im ersten Quartal 2020 veröffentlichte repräsentative Umfrage im Rahmen der groß angelegten Mental-Health-Kampagne des BPhD. 94 Prozent der Teilnehmer gaben an, das Studium als stressig zu empfinden. Etwa ein Achtel der Befragten leidet eigenen Aussagen zufolge unter einer studienbedingten psychischen Erkrankung. Dieser Anteil steige mit dem Fortschreiten des Studiums weiter an. Mit 66,3 Prozent gab mehr als die Hälfte der Befragten an, dass sie das Studium nur jemandem mit großem Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern empfehlen würden. Diese Zahlen zeigen: Es besteht Handlungsbedarf! Als Stressfaktoren wurden unter den Befragten hauptsächlich solche empfunden, die einen direkten Bezug zum Studium und seinen Inhalten haben: Der große Stoffumfang, das hohe Anforderungsniveau der Veranstaltungen, unvollständige und unzureichende Materialien sowie eine unausgeglichene Verteilung der Anforderungen an die Studierenden über das Semester.

Ausblick auf 2021

Als Studierendenverband steht die Weiterentwicklung des Studiums und damit die Forderung nach einer Novellierung der Approbationsordnung für den BPhD mit an erster Stelle. Auch hier wurden im Jahr 2020 mit einem Positionspapier bezüglich eines alternativen Prüfverfahrens zum Ersten Abschnitt der pharmazeutischen Prüfung sowie einem Positionspapier zum »Pharmaziestudium und der Approbationsordnung für Apotheker« neue Akzente gesetzt. Letzteres zieht vier Jahre nach der erstmaligen Forderung nach einer entsprechenden Novellierung der AAppO ein Resümee. Auch die Mitgliederversammlung der Bundesapothekerkammer (BAK) hatte sich bereits vor etwa einem Jahr für eine Novellierung ausgesprochen. Hier scheint es also voranzugehen und im Jahr 2021 sind spannende, aber auch kontroverse Diskussionen zu diesem Thema zu erwarten.

Insgesamt haben die Fachschaften der Pharmazie über das Jahr elf Positionen beschlossen, die den Kurs für künftig relevante Themen aufzeigen. Eine wichtige und in der Vergangenheit schon häufig diskutierte Aufgabe ist das Thema »Impfen in der Apotheke«. In seinem Positionspapier »Impfen« fordert der Verband wie andere politische Interessenvertretungen auch, dass Apotheker impfen dürfen sollten. Die Politik hat dies inzwischen aufgegriffen und seit 2020 laufen erfolgreich die ersten Modellprojekte zur Grippeschutzimpfung in Apotheken.

Die Modellprojekte sowie die Hilfe bei der Pandemiebewältigung bieten den Apothekern eine ausgezeichnete Möglichkeit, ihre Kompetenzen in den Vordergrund zu rücken. Aufbauend hierauf sollte der Berufsstand allerdings weiterhin selbstbewusst die pharmazeutischen Dienstleistungen einfordern und auf eine baldige Einführung hinwirken. Denn durch die Implementierung dieser kann die Stellung der Apotheker als Arzneimittelexperten im Gesundheitssystem, die ihr naturwissenschaftliches und medizinisches Fachwissen regelmäßig in der Beratung und im Medikationsmanagement anwenden, gefestigt werden.

All dies bietet eine Grundlage für ein produktives und ein für den Berufsstand sicherlich entscheidendes Jahr 2021. Um diesen zukunftssicher zu machen, braucht es sowohl ein attraktives Studium als auch ansprechende Berufsaussichten. Bei Ersterem sollten die Pharmaziestudierenden ein festes Mitspracherecht erhalten. Für Letzteres sieht der Verband den pharmazeutischen Nachwuchs in der Pflicht, Impulse zu setzen.

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