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Veterinärmedizin

EMA unterteilt Antibiotika für Tiere neu

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat Tierärzte aufgerufen, Antibiotika verantwortungsvoll zu verordnen und verweist auf die aktualisierte Kategorisierung der antibakteriellen Wirkstoffe in vier Klassen.
Daniela Hüttemann
30.01.2020
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Bereits 2014 hatte die EMA besonders wichtige Antibiotika in drei Kategorien klassifiziert. Die überarbeiteten Empfehlungen umfassen nun vier Kategorien: Von A wie »Avoid« (vermeiden) über B (»Restrict«, restriktiv), C (»Caution«, Vorsicht) und D (»Prudence«, Umsicht). Die neue Kategorisierung umfasst alle Antibiotikaklassen und berücksichtigt auch Aspekte wie Verfügbarkeit und Alternativen in der Tiermedizin.

In Kategorie A fallen Antibiotika, die in der EU nicht als Tierarzneimittel zugelassen sind, darunter fallen unter anderem Aztreonam, Piperacillin-Tazobactam, Linezolid, Meropenem und Vancomycin. Sie sollen insbesondere nicht bei Tieren für die Lebensmittelproduktion eingesetzt werden. Unter besonderen Umständen dürfen Tierärzte sie jedoch Haustieren verschreiben. In die Kategorie B fallen alle Chinolone, Polymyxine sowie Cephalosporine der dritten und vierten Generation. Diese Antibiotika sieht die EMA als entscheidend für die Humanmedizin an. Bei Tieren sollten sie nur zum Einsatz kommen, wenn die öffentliche Gesundheit sonst gefährdet ist.

In Kategorie C finden sich Antibiotika, für die es in der Humanmedizin Alternativen in der EU gibt, doch kaum Therapiemöglichkeiten in der Veterinärmedizin, darunter unter anderem fast alle Aminoglykoside, die älteren Cephalosporine, Amoxicillin/Clavulansäure, Chloramphenicol, Makrolide, Lincosamide und Pleuromutiline. Sie sollten nur verordnet werden, wenn es keine effektive Alternative aus Kategorie D gibt.

In dieser letzten Kategorie werden alle Antibiotika genannt, die in der Tiermedizin als Erstlinientherapie genutzt werden sollten, wann immer es möglich ist. Hier finden sich unter anderem viele Penicilline mit engem Wirkspektrum, die Tetrazykline, Aminopenicilline ohne Beta-Lactamase-Inhibitor, Sulfonamide und Metronidazol. Doch auch hier sollte der Einsatz wie immer rational erfolgen, also nicht unnötigerweise und so kurz wie möglich.

Darüber hinaus geben die EMA-Experten auch eine Reihenfolge der bevorzugten Applikationsrouten vor, je nachdem, ob nur ein Tier oder eine ganze Herde behandelt werden muss: von lokaler individueller Behandlung (zum Beispiel Augen- und Ohrentropfen), parenteraler individueller Gabe (intravenös, intramuskulär oder subkutan) über oral individuell hin zu Injektion bei einer Gruppe (soweit gerechtfertigt), oraler Gruppenmedikation über das Trinkwasser bis hin zu oraler Gruppenmedikation über das Futter.

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