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Bilanz des GKV-SV

EAU: Mehr als eine Million Datensätze übermittelt

Seit Anfang des Jahres übermitteln die gesetzlichen Krankenkassen die elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (EAU) an Arbeitgebende. Die Bilanz des GKV-Spitzenverbands (GKV-SV) nach dem ersten Quartal fällt positiv aus. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) kritisiert jedoch, dass es bei den Übertragungen zwischen Praxen und Krankenkassen noch hapert. 
Melanie Höhn
12.04.2022  13:56 Uhr

Noch stockt zwar die Einführung der EAU, doch der GKV-SV zieht nach dem ersten Quartal im Pilotbetrieb eine positive Bilanz. In drei Monaten seien mehr als eine Million EAU zwischen Kassen und Arbeitgebenden ausgetauscht worden, erklärte der GKV-SV in einer Pressemitteilung. »Das erste Quartal der Pilotierung stimmt zuversichtlich, dass wir die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in absehbarer Zeit und in vollem Umfang auf die Schiene bekommen«, sagte  Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-SV.

Über eine Million zwischen Kassen und Arbeitgebenden übermittelte Datensätze seien ein positives Zeichen dafür, dass dieser Teil des Verfahrens funktioniere, sagte sie weiter. Die Pilotierung wird unter Federführung des GKV-Spitzenverbands durchgeführt. Alle 97 gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich daran.

Rund 500.000 Anfragen von Arbeitgebenden

Die gut eine Million Datensätze verteilen sich auf rund 500.000 Anfragen von Arbeitgebenden und knapp 600.000 Rückmeldungen der Kassen. Alle Anfragen von Arbeitgebenden konnten die Kassen laut GKV-SV  beantworten, in 80 Prozent der Fälle auch mit EAU-Daten. Wenn dies nicht möglich war, lag in den meisten Fällen keine EAU bei der Kasse vor, weil die ärztliche Praxis sie nicht übermittelt habe. Bereits seit Anfang des Jahres sind ärztliche Praxen verpflichtet, die EAU für ihre Patientinnen und Patienten an die Krankenkasse zu schicken. Dafür nutzen sie die Telematikinfrastruktur (TI). Da viele Praxen dazu technisch noch nicht in der Lage sind, nutzen sie das herkömmliche Verfahren, drucken die Krankmeldung aus und geben sie dem Versicherten mit.

Jährlich etwa 70 bis 90 Millionen AU

Doris Pfeiffer appellierte an alle Ärztinnen und Ärzte, die EAU kurzfristig umzusetzen und möglichst viele digitale Krankmeldungen auszustellen. »Das ist die Voraussetzung für einen funktionierenden Regelbetrieb«, sagte sie in der Mitteilung. Es brauche reibungslose Abläufe bei der Übermittlung der EAU von ärztlichen Praxen an die Kassen. In diesem Zusammenhang moniert die KBV, dass es bei den  Übertragungen zwischen Praxen und Krankenkassen noch hapere, sagte ein Sprecher auf Nachfrage der PZ. Die Zahl von einer Million ausgetauschten EAU zwischen Kassen und Arbeitgebenden klinge natürlich gut. Wichtiger sei für die Praxen jedoch, dass die Übertragungen »reibungslos funktionieren«. Insgesamt dürfte es jährlich etwa 70 bis 90 Millionen AU geben, erklärte der Sprecher weiter. 

EAU soll Versicherte entlasten

Die Pilotphase für Arbeitgebende läuft noch bis zum 31. Dezember 2022. Für Arbeitgebende ist die Teilnahme am Pilotprojekt freiwillig, wie die GKV in ihrer Mitteilung ausführt. Der Austausch läuft demnach über Prozesse, die zwischen Arbeitgebenden und Kassen etabliert sind: Statt der TI wird der dafür eingerichtete Kommunikationsserver genutzt. Mit dem Prozess der EAU gehe eine Neuverteilung der Aufgaben einher, die die Versicherten entlaste, betont der Spitzenverband. Demnach sind die ärztlichen Praxen dafür zuständig, dass die EAU-Daten an die Kasse gehen. Die Arbeitgebenden wiederum seien in der Eigenverantwortung, die EAU ihrer Mitarbeitenden aktiv bei den Kassen abzurufen. Für Versicherte bleibe nur die Pflicht, sich wie gewohnt zu Beginn der Arbeitsunfähigkeit beim Arbeitgebenden abzumelden und die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit anzugeben.

 

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