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Kundenbindung

E-Couponing-Plattform für Apotheken startet

Die Rezept-Abwicklung ist nicht der einzige Prozess im Apothekenalltag, der derzeit digitalisiert wird. Auch der Umgang mit Coupons ist jetzt digital machbar, was die Abläufe in der Apotheke erheblich erleichtert. Die Avoxa-Tochter NGDA hat dafür gemeinsam mit den Software-Herstellern ein Verfahren entwickelt. Unklar ist allerdings, wie groß der Markt für Apotheken wirklich ist und werden kann.
Benjamin Rohrer
03.11.2021  18:00 Uhr

Coupons sind jetzt schon ein gelebtes Kundenbindungsinstrument in vielen Apotheken. Für die Rabattgewährung kommen selbstverständlich nur OTC-Arzneimittel, Kosmetika und andere nicht-verschreibungspflichtige Produkte in Frage. Hinter den in der Apotheke abgegebenen Rabattschnipseln versteckt sich aber schon jetzt ein ganzer Industriezweig: Denn die rabattgewährenden Unternehmen und die Verkaufsstellen sind durch sogenannte Clearing-Stellen verknüpft, die einerseits die Coupons aus den Verkaufsstellen (etwa den Apotheken) erhalten und andererseits die Rabatte von den Produktherstellern eintreiben, um diese an die Händler weiterzuleiten. Laut Acardo, einem der größten Clearing-Häuser, wurden im vergangenen Jahr schätzungsweise 22 Milliarden Rabattcoupons von Produktherstellern verteilt und eine Rabattsumme von 170 Millionen Euro abgewickelt – ein noch nie zuvor realisierter Wert.

Doch für die Apotheken hat das bislang praktizierte Couponing einen Haken: Der Umgang mit den von den Herstellern angebotenen Papierschnipseln ist kompliziert, aufwändig und frisst Zeit im angespannten Apothekenalltag. Die Apothekenteams müssen die Papier-Coupons gegebenenfalls vor Ort aus den Rabattheften der Kunden ausschneiden, dann sammeln, sie in Papierform an die Clearing-Häuser weiterzuleiten und die gewährten Rabatte rückerstattet zu bekommen.

Avoxa-Tochter NGDA und Software-Hersteller entwickeln E-Coupon-System

Die Digital-Tochter der Avoxa NGDA hat in den vergangenen Jahren mit dem Software-Hersteller-Verband ADAS ein digitales Verfahren entwickelt, das jetzt verfügbar ist und mit dem nun auch digitale Coupons in Apotheken direkt in der Apotheken-Software abgewickelt werden können. Dass die E-Coupons allgemein auf dem Vormarsch sind, bestätigt ebenfalls Acardo. Laut dem Clearing-Anbieter nimmt die über digitale Coupons generierte Rabattsumme zwar mit etwa 17 Millionen Euro noch einen eher kleinen Teil der insgesamt gewährten Summe ein. Allerdings ist der Markt der E-Coupons laut Acardo alleine im vergangenen Jahr um 130 Prozent gewachsen.

Und so bereitet sich nun auch der Apothekenmarkt auf ein vermehrtes Aufkommen der E-Coupons in den Offizinen vor. Herzstück des neuen E-Couponing-Systems ist eine neuartige, von der NGDA konzipierte Plattform, die allen öffentlichen Apotheken in Deutschland kostenlos zur Nutzung zur Verfügung steht. Unterstützt die Software der jeweiligen Apotheke das E-Couponing mit einem entsprechenden Modul, können die Apothekenteams den von den Kunden digital vorgelegten Rabattcode einfach einscannen und das rabattierte Produkt verkaufen. Über die NGDA-Plattform wird der Code an den jeweiligen Clearing-Anbieter weitergeleitet, der dann wiederum von den Produktherstellern die gewährten Rabatte auf Basis der eingereichten E-Coupons eintreibt. Die Anmeldung an der NGDA-Plattform erfolgt – wie bei Securpharm – über das sogenannte N-Ident-Verfahren. Damit wird sichergestellt, dass nur Apotheken an dem Verfahren teilnehmen können.

Für die Apotheken hat dieses Verfahren gleich mehrere Vorteile: Die Coupons müssen nun nicht mehr als Papierschnipsel eingereicht und auch nicht mehr an mehrere Clearing-Stellen gesendet werden, denn die Plattform verteilt die Coupons eigenständig an die zuständigen Clearing-Anbieter. Hinzu kommt, dass eine Lücke zum Online-Versandhandel geschlossen wird, da nun auch die Vor-Ort-Apotheken die gänzlich digitale Abwicklung der Rabattcodes als Marketinginstrument einsetzen können.

Zwei Varianten des Couponings verfügbar

Zum Start der E-Couponing-Plattform stehen den Apotheken zwei verschiedene Couponing-Instrumente zur Verfügung: Beim klassischen Coupon-Clearing werden die E-Rabattcodes vom Kunden vorgelegt, an der Apothekenkasse eingelesen, direkt über die neue Plattform auf ihre Gültigkeit hin überprüft und dann digital entwertet, sodass derselbe Code nicht noch einmal genutzt werden kann. Hinzu kommt die Variante des Checkout-Couponings, die die Apotheken mithilfe des neuen Systems nun ebenfalls viel leichter anwenden können, allerdings nicht von jedem Clearing-Anbieter angeboten wird. Dabei erhalten die Kunden beim Bezahlen mit ihrem Bon einen neu erstellten Rabattcode, der beim nächsten Apothekenbesuch in Form des klassischen Coupon-Scans eingelöst werden kann. Das dient der Kundenbindung und motiviert zum Wiederholungsbesuch.

Wie viel Potenzial hat das E-Couping überhaupt?

Trotz der Fertigstellung des neuen Systems stellen sich einige Fragen: Wie relevant ist das E-Couponing überhaupt für Apotheken? Wie groß ist der Markt? Und wie groß kann er mit Blick auf die zunehmend digitalisierte Arzneimittelversorgung werden? Nicht alle dieser Fragen lassen sich klar beantworten. Der Clearing-Anbieter Acardo hat in seinem Jahresbericht zwar angegeben, auch mit Apotheken zu kooperieren. Welche Rabattsummen und welche Produkte über Apotheken abgewickelt wurden, kann das Unternehmen jedoch nicht beziffern. Eine Sprecherin bestätigte gegenüber der PZ, dass für die Rabattgewährung in den Bereichen OTC/Kosmetika keine Daten erhoben werden. Trotzdem seien diese Märkte »sehr spannend« für das Couponing. Als Beispiel nannte die Acardo-Sprecherin ein Bonusprogramm für L’Oréal. Sehr viel präzisere Daten zum Couponing in Apotheken hat der Clearing-Anbieter Kyte-Tec. Dem Unternehmen zufolge arbeiten bereits zahlreiche OTC- und Kosmetika-Hersteller mit Rabattcoupons: GSK (Voltaren), Beiersdorf (Hansaplast, Eucerin), Klosterfrau, Hevert, Angelini (Thermacare) und Ratiopharm sind nur einige Beispiele. Allerdings hat auch Kyte-Tec keine exakten Daten zur Anzahl der in Apotheken eingelösten Rabattcoupons – das Unternehmen schätzt das derzeitige Coupon-Volumen auf maximal 2 Millionen, sieht aber ein Potential von bis zu 15 Millionen.

Auch wie viele Apotheken in Deutschland derzeit schon Couponing-Aktionen anbieten, ist unklar. Acardo gibt an, über ein Netzwerk von 750 Offizinen zu verfügen. Im Februar dieses Jahres hatte das Dortmunder Unternehmen allerdings eine Zusammenarbeit mit »ihreapotheken.de« (Noweda/Burda) verkündet – seitdem dürfte das Netzwerk noch einmal gewachsen sein. Auch hier hat Kyte-Tec genauere Daten: Je nach Kampagne nehmen einem Sprecher zufolge zwischen 6000 und 8000 Apotheken teil. Kyte-Tec hat zudem bereits Erfahrung mit dem digitalen Couponing gesammelt: Eigenen Angaben zufolge hat das Unternehmen in Österreich an der Digitalisierung des Couponings mitgewirkt. Die ersten Erfahrungen mit dem E-Couponing aus der Alpenrepublik sind positiv: Während beim herkömmlichen Papier-Couponing etwa die Hälfte der angeschriebenen Apotheken bei den Rabattaktionen mitmacht, sind es bei der digitalen Variante – aufgrund des einfacheren Verfahrens – laut Kyte-Tec 98 Prozent der angeschriebenen Apotheken.

Softwarehäuser müssen nun miteinsteigen

Damit die neue E-Couponing-Plattform in der Fläche genutzt werden kann, ist zudem die Anbindung möglichst vieler Software-Hersteller nötig. Doch lediglich der Noventi-Konzern (u.a. Awinta) bestätigte gegenüber der PZ, dass man sich »gerade in der Umsetzung« befinde und den Apotheken das entsprechende Modul bald kostenlos zur Verfügung stellen wolle. Phoenix (ADG) und die Compu Group Medical wollten der PZ zu diesem Thema keine Auskunft geben.

Christian Krüger, NGDA-Geschäftsführer, erklärte gegenüber der PZ allerdings, dass in den kommenden Monaten voraussichtlich mehrere Software-Anbieter E-Couponing-Module anbieten wollen. Laut Krüger arbeiten zum jetzigen Zeitpunkt mehrere große Warenwirtschaftssystem-Anbieter an einer Umsetzung der Couponing-Schnittstelle. »Wir stehen bei NGDA bereit, um einen Pilotbetrieb noch in diesem Quartal zu unterstützen. Sollten diese Anbieter zeitnah eine Umsetzung erfolgreich abschließen, wären bereits zwischen 33 Prozent und 40 Prozent der Apotheken in Deutschland softwareseitig in der Lage, den Dienst zu nutzen. Welche Zeitplanung die anderen Anbieter haben, wissen wir natürlich nicht. Allerdings gehen wir davon aus, dass weitere Anbieter bis nächsten Sommer dazuzustoßen werden.«

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