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Ozanimod

Dritter S1P-Modulator bei Multipler Sklerose

Ozanimod könnte nach Fingolimod und Siponimod der dritte im Bunde der S1P-Rezeptor-Modulatoren zur Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) werden. In zwei im Fachjournal »The Lancet Neurology« veröffentlichten Phase-III-Studien war der immunmodulierende Wirkstoff signifikant wirksamer als Interferon-β.
Kerstin A. Gräfe
27.11.2019
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Sphingosin-1-Phosphat (S1P)-Rezeptor-Modulatoren verhindern den Übertritt von Lymphozyten aus den Lymphknoten ins Blut und zentrale Nervensystem und wirken so selektiv immunsuppressiv. Der erste Vertreter war Fingolimod (Gilenya®), das in Europa seit 2011 als krankheitsmodifizierende Therapie der hochaktiven schubförmig-remittierenden MS zugelassen ist. Mit Siponimod (Mayzent®) ist in den USA seit diesem Jahr ein zweiter S1P-Rezeptor-Modulator auf dem Markt. Er bindet spezifisch an die Rezeptorsubtypen 1 und 5 (S1P1 und S1P5). Gegenüber Wirkstoffen der ersten Generation soll Siponimod ein besseres Sicherheitsprofil und weniger kardiovaskuläre Nebenwirkungen haben. Auch für Europa ist die Zulassung beantragt und die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat bereits eine Zulassungsempfehlung ausgesprochen.

Ozanimod könnte bald folgen. Hersteller Celgene hat sowohl bei der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA als auch bei der EMA einen Antrag auf Zulassung eingereicht. Basis bilden die Phase-III-Studien RADIANCE und SUNBEAM mit insgesamt mehr als 2600 Patienten mit schubförmiger MS. In beiden Studien war Ozanimod signifikant wirksamer als Interferon-β: Die Schubrate verringerte sich deutlich stärker, ebenso die kernspintomografischen Marker der Krankheitsaktivität und Krankheitslast. In beiden Studien erwies sich der S1P-Modulator als gut verträglich. Es gab keine signifikanten Gruppenunterschiede hinsichtlich Infektionen oder anderen schweren unerwünschten Wirkungen.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) begrüßt die positiven Studiendaten. Mit dieser Weiterentwicklung könnte künftig eine weitere neue Therapieoption mit starker Wirkung gegen die rezidivierend-remittierende MS zur Verfügung stehen, heißt es in einer Pressemitteilung der DGN. Natürlich müssten alle Patienten unter Ozanimod wie bei allen anderen MS-Therapien immer hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen individuell überwacht werden.

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