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Harninkontinenz

Drei Fragen für das Beratungsgespräch

Über Inkontinenz sprechen viele Betroffene nur ungern und oft erst dann, wenn es sich gar nicht mehr vermeiden lässt. Dabei gibt es für sie gute Gründe, das Gespräch zu suchen – oder für Apotheken, ein entsprechendes Angebot zu machen. Denn es handelt sich um ein komplexes Beschwerdebild mit zahlreichen Therapieoptionen.
Maria Pues
27.05.2021  07:00 Uhr

Die Häufigkeit von Harninkontinenz nimmt mit dem Alter zu, um eine reine Alterserscheinung handelt es sich jedoch nicht. Die unterschiedlichen Formen der Inkontinenz, deren mögliche Ursachen und verschiedene Therapieoptionen sind vielen Betroffenen unbekannt.

Wie äußert sich die Inkontinenz?

Wer unter einer Belastungsinkontinenz (früher Stressinkontinenz) leidet, verliert ungewollt Urin, wenn der Druck auf den Bauchraum steigt, etwa beim Heben, Husten oder Niesen. Dabei können nur wenige Tropfen, aber auch größere Mengen abgehen. Einen Harndrang verspüren die Betroffenen zumeist nicht. Anders bei der Dranginkontinenz (überaktive Blase): Hier spüren die Betroffenen zumeist einen plötzlichen Harndrang, schaffen es jedoch nicht mehr bis zur Toilette. Der Harndrang äußert sich auch, wenn die Blase noch nicht gefüllt ist. Auch Mischformen kommen vor. Bei einer Überlaufinkontinenz kommt es zu einem ständigen Abgang kleiner Urinmengen (»Tröpfeln«). Unter anderem eine vergrößerte Prostata kommt hier als Ursache infrage.

Welche Arzneimittel nehmen Sie ein?

Neben verschiedenen Grunderkrankungen, etwa Diabetes mellitus, Multiple Sklerose oder nach Schlaganfall, kommen auch Pharmakotherapien als Auslöser oder Verstärker einer Harninkontinenz in Betracht. Die Nebenwirkung kommt dabei über unterschiedliche und sehr komplexe Mechanismen zustande. So vermindern beispielsweise ACE-Hemmer und Angiotensin-Antagonisten zwar eine Detrusor-Überaktivität, senken aber auch den Sphinkter-Tonus. Sie können daher – insbesondere bei Männern – eine Dranginkontinenz bessern, andererseits aber eine Belastungsinkontinenz verstärken. Als Verstärker für Letztere kommt zudem ein durch ACE-Hemmer bedingter Husten infrage.

Calciumantagonisten vermindern die Kontraktilität der Harnblasen-Muskulatur und können so eine Restharnbildung und Überlaufinkontinenz begünstigen. α-Agonisten wie Clonidin oder Methyldopa können zu einem erhöhten Muskeltonus in der Harnröhre führen, was ebenfalls eine Harnretention und Überlaufinkontinenz begünstigen kann. Sedativa wie Benzodiazepine können durch eine Relaxation der quergestreiften Muskulatur eine Inkontinenz fördern und den Weg zur Toilette erschweren, da diese sowohl die Muskulatur der Harnblase als auch des Bewegungsapparats betrifft.

Wurde die Inkontinenz bereits ärztlich untersucht?

Da sowohl verschiedene Grunderkrankungen als auch manche Pharmakotherapien als Verursacher und/oder Verstärker einer Inkontinenz infrage kommen, sollte eine Inkontinenz stets ärztlich untersucht werden. Zudem stehen je nach Art der Inkontinenz verschiedene medikamentöse Therapieoptionen zur Verfügung.

Beckenbodentraining, Übergewicht abbauen, Sport- und Entspannungsübungen sowie ausreichende Trinkmengen verbessern die Blasenfunktion oder reduzieren Belastungen und können Inkontinenzbeschwerden bessern. Abendliche Trinkmengen sowie »treibende« Getränke wie Kaffee, Tee und Alkohol sollten Betroffene reduzieren.

Eine an die Inkontinenz angepasste Versorgung durch Ein- oder Vorlagen sowie Hosen gibt Betroffenen nicht nur Sicherheit, sondern hält Ausscheidungen auch von der empfindlichen Haut fern. Dennoch besteht ein Risiko für Irritationen und Hautpilzerkrankungen. Eine schonende Reinigung entfernt Rückstände durch den alkalischen Urin und hilft den natürlichen leicht sauren pH-Wert der Haut zu erhalten.

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