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Medikationsanalyse

Dos and Don’ts in der Zusammenarbeit mit dem Arzt

Damit die Medikationsanalyse in der Apotheke Erfolg hat, ist eine gute Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker ausschlaggebend. Wie diese funktionieren kann, berichteten Vertreter beider Professionen bei einem Pharma4u-Webinar.
Carolin Lang
12.05.2022  17:00 Uhr

Noch finden Medikationsanalysen in deutschen Apotheken nur vereinzelt statt. Doch könnte sich das künftig ändern, sofern sie als pharmazeutische Dienstleistung gelten und honoriert werden. Schon bald könnten sich der Deutsche Apothekerverband und der GKV-Spitzenverband auf die Details einigen und das Schiedsverfahren zu einem Ende bringen. »Wenn Apotheken in der Medikationsanalyse aktiv werden wollen, wird der Arzt zunehmend zum Kommunikationspartner«, betonte Apothekerin Dr. Kirsten Menke beim Pharma4u-Webinar am vergangenen Dienstag. Doch wie gelingt der interprofessionelle Austausch?

Dr. Andreas Hain, Facharzt für Innere Medizin, meinte: »Es ist von Vorteil, wenn man sich persönlich kennt und im besten Fall ein Vertrauensverhältnis hat.« Gerade im hausärztlichen Bereich könne man es dann »gar nicht hoch genug schätzen, wenn eine gute Kommunikation herrscht«, berichtete er aus eigener Erfahrung. Hausärzte wüssten nicht immer zeitnah, welche Medikamente ein Patient neben den von ihnen verordneten einnehmen – seien es durch andere Fachärzte verschriebene Präparate oder solche zur Selbstmedikation. »Die Schlüsselposition hat hier der Apotheker. Denn wenn wir die Information bekommen, ist es oft schon zu spät«, führte der Internist weiter aus.

Zwei goldene Regeln

Stellt eine Apotheke ein arzneimittelbezogenes Problem (ABP) bei der Medikationsanalyse fest, gibt es laut Apothekeninhaber Stefan Göbel zwei »generelle Spielregeln«, die beim Herantreten an den Arzt zu beachten sind. Die erste Regel lautet: Apotheker sollten direkt mit dem Arzt in Kontakt treten und nicht über den Patienten. Eine Kommunikation über den Patienten gefährde das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt sowie Patient und Apotheker, stimmte Hain zu. Sie sollte nur in Ausnahmefällen erwogen werden. »Wenn da eine Schuldfrage erwächst, verunsichert man den Patienten nur«, sagte er. Damit habe keiner gewonnen.

Zweite Regel: Apotheker sollten stets einen Lösungsvorschlag für das geschilderte Problem parat haben – und dem Arzt »freundlich, vorbereitet und mutig« begegnen, riet Göbel. Es komme nicht gut an, wenn der Arzt nach einer Lösung frage und der Apotheker keine Antwort wisse, machte er deutlich. Sich mit einer umsetzbaren Alternative an den Arzt zu wenden, »beschleunigt die Arbeit und schafft weniger Frustration«, schloss sich Hain an.

Kommunikationswege festlegen

Zudem sollten beide Parteien grundsätzlich festlegen, wann und auf welchem Weg sie in Kontakt treten wollen, so Hain und Göbel. »Die optimale Lösung wäre: Arzt und Apotheker treffen sich in einer zwanglosen Atmosphäre und besprechen die Fälle zusammen«, sagte Hain. Doch sei das im Alltag schwer umzusetzen; da waren sich beide einig. Würde die Medikationsanalyse zur Regelversorgung, wäre es »sicherlich sinnvoll, die Kommunikation über einen digitalen Weg zu lösen«, sagte Göbel. Dabei sei es ratsam, vorher abzusprechen: »Wo und wann störe ich dich am wenigsten?«, ergänzte Hain.

Als weiteres »Do« führte Göbel an, gemeinsame Grundsatzentscheidungen zu bestimmten redundanten Arzneimittelwechselwirkungen zu treffen. Als Beispiel nannte er die Interaktion von Clarithromycin und Simvastatin. Hier könne man beispielsweise festlegen, Simvastatin während der Antibiotikaeinnahme generell kurzzeitig abzusetzen. »Das sind Regelungen, die man – wenn man sich gut kennt – treffen kann, ohne sich im Berufsalltag zu stören.«

Alle Beteiligten profitieren

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker sei »zum Wohl des Patienten, bereichert die ärztliche Arbeit und ist befriedigender für den Apotheker«, fasste Hain zusammen. Ein gutes Verhältnis sei somit sowohl wichtig für die Arbeitsqualität als auch für die Arbeitszufriedenheit.

»Fangt an, seid mutig und lasst euch nicht entmutigen«, appellierte Göbel abschließend an die Apothekerschaft. »Medikationsmanagement kann im alltäglichen Wahnsinn des Apothekerberufs etwas maximal Sinnstiftendes sein, wo man sich in dem wiederfindet, warum man angefangen hat, den Beruf auszuüben und zu studieren.«

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