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Pharma-World

Die Schwerpunkte

Von Maria Pues / Kopfschmerz, Husten und Cannabis bilden drei von vier Schwerpunktthemen der diesjährigen Pharma-World im Rahmen der Expopharm 2018. Ein Überblick.
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Unter den Kopfschmerzpatienten bilden Patienten mit Migränekopfschmerz eine besonders wichtige Gruppe, und das gleich aus verschiedenen Gründen: Die Zahl der Betroffenen ist hoch, und viele von ihnen benötigen die Unterstützung und Beratung durch Arzt und Apotheker. Die Zahl und Schwere der Migräneattacken kann von Patient zu Patient erheblich variieren und damit auch die jeweilige Beeinträchtigung im Alltag und der Leidensdruck des Patienten. Aber es gibt auch einen positiv zu bewertenden Hintergrund für den hohen Beratungsbedarf: die vielfältigen Therapiemöglichkeiten zur Linderung der akuten Attacken und zur Migräneprophylaxe.

Mit seinem Vortrag »Migräne-Update 2018« eröffnet Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Frankfurt am Main, die diesjährige Pharma-World-Vortragsreihe. Darin stellt er die wichtigsten Prophylaxe- und Therapieempfehlungen zur Behandlung von Patienten mit Migräne vor, die auch für die Beratung in der Apotheke wichtig sind. Grundlage ist die in diesem Jahr erschienene aktualisierte Fassung der Leitlinie »Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne« der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Sie führt neben den Empfehlungen für die Therapie akuter Migräneattacken auch medikamentöse und nicht-medikamentöse Möglichkeiten zur Prophylaxe auf.

Dass Apotheken für Migräne-Patienten nicht nur Ansprechpartner bei der Behandlung einer akuten Migräne-Attacke sind, sondern oft auch eine Lenkungsfunktion übernehmen, erläutern die Referenten Professor Dr. Andreas Straube und PD Dr. Stefanie Förderreuther, beide Uniklinik München, in ihrem Vortrag »Herausforderungen in der Versorgung von Migränepatienten mit Fokus auf die Zusammenarbeit zwischen Apothekern und Neurologen«. Viele Patienten mit Migräne wissen nicht, wodurch ihr immer wieder auftretender Kopfschmerz verursacht wird, andere suchen zu spät Rat bei einem Facharzt. Während für Patienten mit unkomplizierter Migräne meist der Hausarzt die erste Anlaufstelle darstellt, sind Neurologen, Schmerztherapeuten und spezialisierte Kopfschmerzambulanzen Ansprechpartner für schwerer Betroffene, zum Beispiel wenn bereits Behandlungsversuche fehlgeschlagen sind, bei Patienten mit Medikamentenübergebrauch und/oder mit unzureichendem Ansprechen auf die Akutmedikation.

Husten: trocken oder ­produktiv?

Fragen zu Hustenbeschwerden gehören zu den häufigsten Beratungsanlässen in der Apotheke – nicht nur in der kalten Jahreszeit, wenn viele Patienten wegen Atemwegsinfekten und akutem Husten Rat suchen. An chronischem Husten leiden viele Patienten mit einer chronischen Lungenerkrankung und nicht zuletzt viele Raucher. Aber auch Arzneimittel wie ACE-Hemmer oder Grunderkrankungen wie eine gastroösophageale Refluxkrankheit können zu Hustenbeschwerden führen. Diese und weitere mögliche Auslöser gilt es daher im Beratungsgespräch zu bedenken. Sie sind Thema des Vortrages »Chronischer Husten: Das ungelöste Problem« von Dr. Peter Kardos, Frankfurt am Main.

Dass Husten die Lebensqualität (QoL) beeinträchtigen kann, wenn er einen nachts – mitunter mehrfach – aufweckt oder gar nicht erst einschlafen lässt, wird allgemein angenommen, doch Daten hierzu gab es bisher nicht. Das hat sich geändert. Professor Dr. Kai Michael Beeh, Wiesbaden, stellt in seinem Vortrag die Ergebnisse einer aktuellen Apotheken-basierten Umfrage vor.

Selbstmedikation bei ­Husten

Natürlich gibt es in den Vorträgen der Pharma-World auch auf die wichtigste Frage in der Beratung zur Selbstmedikation Antworten: Welche Empfehlung hilft dem Patienten? Neben der Unterscheidung zwischen akuten und chronischen Hustenbeschwerden gilt es zu differenzieren, ob es sich um einen trockenen Reizhusten oder um einen produktiven Husten mit Schleimbildung handelt. Was Apotheker in den jeweiligen Fällen im Sinne einer evidenzbasierten Selbstmedikation empfehlen können, ist nicht nur Thema des Vor­trages von Professor Dr. Schubert-­Zsilavecz, Frankfurt am Main, unter dem Titel »Hustenmedikamente im Spannungsfeld zwischen pharmazeutischer Praxis und klinischer Evidenz«, sondern auch einer Podiumsdiskussion unter seiner Moderation. Unter dem Titel »Akuter und chronischer Husten – Was kann der Apotheker empfehlen?« diskutieren Vertreter aus Forschung und pharmazeutischen Unternehmen sowie Ärzte- und Apothekerschaft.

Cannabis: Einzelwirkstoff oder ganze Blüten?

Einen Rückblick auf knapp anderthalb Jahre Cannabis auf Rezept, eine erste Bestandsaufnahme der gemachten Erfahrungen und vor allem das Hintergrundwissen für die tägliche Apothekenpraxis – dies bieten eine Podiumsdiskussion und mehrere Vorträge zu diesem facettenreichen Thema. Angewendet werden Cannabis-Zubereitungen bei sehr unterschiedlichen Beschwerdebildern. Das Ausmaß an wissenschaftlichen Daten ist dabei unterschiedlich groß. Eine hohe Evidenz gibt es bei den Indikationen Erbrechen und Übelkeit, Kachexie und Gewichtsverlust sowie für Anorexie. Kleinere Studien und somit eine mittlere Evidenzlage gibt es unter anderem für chronische neuropathische Schmerzen oder Spastiken und Bewegungsstörungen bei Multipler Sklerose. Eher dünn ist die Datenlage unter anderem bei so unterschiedlichen Indikationen wie Allergien, Epilepsie oder Depressionen. Hier liegen häufig nur Fallberichte vor.

Zwei verschiedene Zubereitungsformen spielen bei der Abgabe in der Apotheke eine Rolle: der isolierte Hauptwirkstoff der Hanfpflanze (Dronabinol beziehungsweise (-)-trans-­Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC)) und verschiedene Arten von Cannabis-Blüten. Dabei ist zu beachten, dass sich die einzelnen Cannabis-Varietäten in ihren Inhaltsstoffprofilen und Ei­genschaften unterscheiden. So überwiegen bei Cannabis sativa aktivierende Eigenschaften, bei Cannabis indica eher entspannende. Darüber hinaus scheinen weitere Inhaltsstoffe einen Einfluss auf die Wirkungen auszuüben. Diskutiert wird dabei etwa die Rolle der ebenfalls enthaltenen Terpene.

Zentrale Punkte im Umgang mit Cannabis in der Apotheke stellen die Prüfung der Ausgangsstoffe, die Herstellung von Rezeptur-Arzneimitteln und deren Abgabe an die Patienten dar. Über alle Aspekte und Arbeitsschritte im Zusammenhang mit »Cannabis« in Labor und der Rezeptur informiert Apotheker Dr. Christian Ude, Frankfurt am Main, nach einer kurzen allgemeinen Einleitung rund um das Thema »Cannabis in der Therapie«. Den Umgang speziell mit Cannabis-Blüten erläutert Apothekerin Astrid Staffeldt, Hannover, in ihrem Vortrag »Medizinalcannabisblüten – Versorgung und Handling im pharmazeutischen Alltag«. /