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Grippesaison 2021/2022

Die ersten Grippeimpfstoffe kommen Mitte August

Die letzte Grippesaison hat den Apotheken einiges abverlangt. In wenigen Tagen sollen nun bereits die ersten Impfstoffe der neuen Saison in den Markt kommen. Derweil ist immer noch nicht geklärt, was eigentlich mit den liegengebliebenen Dosen aus dem vergangenen Herbst passiert.
Stephanie Schersch
11.08.2021  13:00 Uhr

Die vergangene Grippesaison war nichts für schwache Nerven. Eine übergroße Nachfrage traf schon im Frühherbst auf zu wenig Impfstoff. Der kam wie jedes Jahr nur schrittweise in den Markt und fehlte an vielen Orten. Als Im November dann mehr Vakzine zur Verfügung standen, war der Ansturm schon wieder vorbei. Am Ende blieben rund 1 Million Grippeimpfdosen in den Apotheken zurück, für die es keine Abnehmer gab.

Schon in Kürze wird nun die neue Grippesaison starten. Die ersten Dosen sollen bereits in den nächsten Tagen in den Apotheken ankommen. So wird das speziell für Senioren zugelassene Vakzin Fluad® Tetra nach Aussage des Herstellers Seqirus bereits ab Mitte August in Deutschland verfügbar sein. Die Präparate Aflura® Tetra und Flucelvax® Tetra werden demnach bis Ende des Monats folgen. Etwas später wird Glaxo-Smith-Kline seinen Grippeimpfstoff Influsplit Tetra® in den Markt geben. Mit der Auslieferung an den Großhandel werde man voraussichtlich Mitte September starten, sagte eine Sprecherin auf Nachfrage der PZ. Fluenz® Tetra wird Astra-Zeneca zufolge  »ab Anfang Oktober zur Verfügung stehen«.

Sanofi beginnt im September mit der Auslieferung

Eine besondere Rolle dürfte in diesem Herbst Efluelda® von Sanofi übernehmen. Hintergrund ist eine Entscheidung im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), die allen Menschen ab 60 Jahren einen Anspruch auf einen Hochdosis-Impfstoff verschafft. Bislang ist Efluelda das einzige Präparat in dieser Kategorie. Ärzte müssen also diese Vakzine wählen, wenn sie dem G-BA-Beschluss nachkommen wollen. Viele werden daher ungeduldig auf die Auslieferung warten. Im September wird Sanofi mit der Verteilung seiner Influenza-Impfstoffe beginnen, wie eine Sprecherin erklärte. Konkreter will das Unternehmen noch nicht werden. »Mehr Details dazu werden wir demnächst bekannt geben.«

Angewiesen sind die Praxen auf Efluelda derweil nicht. Im Frühjahr hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Ausnahmeregelung für diesen Herbst erlassen. Ärzte können auch bei Senioren demnach auf einen regulären tetravalenten Impfstoff ausweichen, wenn Efluelda etwa nicht verfügbar ist.

Auch für die Apotheken bringt das hochdosierte Vakzin derweil eine Besonderheit mit sich. Denn das Präparat ist deutlich teuer und kostet in etwa drei Mal so viel wie die üblich dosierten Impfstoffe. Damit steigt auch das wirtschaftliche Risiko der Apotheken. Viele Offizinen bekamen das in der vergangenen Grippesaison bereits sehr deutlich zu spüren. So war unter den liegengebliebenen Dosen auch der Hochdosis-Impfstoff von Sanofi als Import aus den USA (Fluzone®). Die Bundesregierung hatte das Vakzin zusammen mit weiteren Impfstoffen beschafft und in den Markt gegeben. Bis heute ist unklar, was nun mit den unverbrauchten Dosen aus dieser Reserve geschieht. Seit März denkt man im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) über eine Art Entschädigung für die Apotheken nach. Doch eine Entscheidung ist bislang nicht gefallen. »Die Gespräche hierzu laufen noch«, sagte eine BMG-Sprecherin auf Nachfrage der PZ.

Bayern entscheidet sich gegen eigene Impfstoffreserve

Warum es so schwer fällt, eine Lösung zu finden, ist nicht ganz klar. Schon im Frühjahr hatten Apotheken und Großhandel dem Ministerium ein Konzept für die Rückführung der Vakzine vorgeschlagen. Seitdem hält sich das BMG bedeckt. Dort wägt man möglichweise auch die Auswirkungen einer Einigung auf die neue Grippesaison ab. Denn auch für diesen Herbst hat der Bund wieder eine nationale Reserve beschafft. 6,85 Millionen Dosen Impfstoff werden damit zusätzlich in den Markt kommen. Das Gesundheitsministerium wirbt für die Grippeimpfung gerade in Zeiten der Pandemie. Trotzdem ist unsicher, ob am Ende tatsächlich alle Dosen gebraucht werden.

Genau daran scheint auch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit zu zweifeln. Im vergangenen Herbst hatte der Freistaat ebenfalls eine zusätzliche Reserve besorgt und für Bayerns Bürger zur Verfügung gestellt. In diesem Jahr habe man sich allerdings gegen eine staatliche Beschaffung von Grippeimpfstoffen entschieden, sagte eine Sprecherin des Ministeriums gegenüber der PZ. Zur Begründung verwies sie zum einen auf die zusätzlichen rund 7 Millionen Dosen des Bunds. Zudem »ließ sich in der vergangenen Saison nur eine geringe Nachfrage nach zusätzlichem Grippeimpfstoff feststellen«.


 

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