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Coronavirus

Die Angst vor dem Arztbesuch ist unbegründet

Die Angst vor dem Coronavirus führt zu deutlichen Rückgängen bei Arztbesuchen in Deutschland. Auch international leiden anderweitig Erkrankte, denn die Behandlung von Covid-19-Patienten nimmt vielerorts einen Großteil der Gesundheitsressourcen in Anspruch.
dpa
PZ
02.06.2020  13:34 Uhr

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Menschen erneut dazu aufgerufen, auch während der Coronavirus-Pandemie bei Beschwerden zum Arzt oder im Notfall ins Krankenhaus zu gehen.

Die Zahl der Arztbesuche und Krankenhausbehandlungen sei drastisch zurückgegangen, sagte Spahn am Freitag bei »Bild live«. Gemeinsam mit den Kassenärzten und dem Deutschen Krankenhausverband unterzeichnete der Minister dem Bericht zufolge einen entsprechenden Appell. »Viele Patientinnen und Patienten haben offenbar Angst, sich anzustecken«, sagte Spahn. Die Angst sei unbegründet: »Praxen und Krankenhäuser haben sich auf die Corona-Patienten eingestellt. Patienten mit Covid-19-Symptomen werden strikt von anderen Patienten getrennt. Ärzte und Pflegekräfte halten professionelle Sicherheitsauflagen ein, schützen sich und ihre Patienten.«

Die Zahl der Facharztbesuche in Deutschland sank in der Hochphase der Coronavirus-Pandemie zwischen Mitte März und Anfang Mai einer Umfrage zufolge massiv. Kardiologen und Onkologen registrierten zwischen 30 und 50 Prozent weniger Termine, wie aus einer bundesweiten Umfrage des NDR bei Vertretern von Berufsverbänden, Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen hervorgeht. Zahnärzte verzeichneten demnach sogar ein Minus von bis zu 80 Prozent. Bei vielen Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen nahmen die Anfragen um bis zu 50 Prozent ab.

Gesundheitsdienste aufrechterhalten

Auch international beeinträchtigt die Coronavirus-Pandemie die Versorgung von anderweitig Kranken. Im Unterschied zu Deutschland werden aber oftmals notwendige Ressourcen hin zur Behandlung von Covid-19-Patienten verschoben, darunter leiden Patienten auf der ganzen Welt. Das geht aus einer Umfrage der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Mai in 155 Ländern hervor.

»Länder müssen innovative Lösungen finden, um während des Kampfes gegen Covid-19 die wichtigen Gesundheitsdienste auch bei nicht übertragbaren Krankheiten aufrechtzuerhalten«, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag. Nach der Umfrage mussten 31 Prozent der Länder die Versorgung bei akuten Herz-Kreislauf-Problemen einschränken oder ganz unterbrechen. 42 Prozent beschnitten die Versorgung bei Krebspatienten, 49 Prozent bei Diabetes-Patienten und mehr als die Hälfte konnte die Versorgung bei Menschen mit Bluthochdruck nicht wie sonst aufrechterhalten. Reha-Programme wurden in 63 Prozent der Länder zurückgefahren. Vorsorgeprogramme, etwa zur Erkennung von Brustkrebs, waren auch betroffen. Besonders stark waren die Einschnitte in Ländern mit niedrigen Einkommen.

In den meisten Fällen wurden Termine abgesagt, weil Personal für die Behandlung von Covid-19-Patienten abgezogen wurde, oder weil Menschen wegen der Ausgehbeschränkungen nicht zu Terminen kommen konnten. An nicht übertragbaren Krankheiten sterben nach Schätzungen der WHO jedes Jahr 41 Millionen Menschen. Das sind 71 Prozent der Todesfälle weltweit.

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