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Ernährung

DGE stuft High-Protein-Produkte als überflüssig ein

Lebensmittel »reich an Protein« liegen seit Jahren im Trend. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht jedoch keinen gesundheitlichen Nutzen bei Produkten mit einer Extraportion Eiweiß, vor allem wenn sie hoch verarbeitet sind. Sie rät stattdessen zu einer ausgewogenen Ernährung.
PZ
19.10.2021  14:00 Uhr

High-Protein-Pudding, Eiweißbrot und Kichererbsenchips: Immer mehr Produkte im Supermarktregel sind mit Extraprotein angereichert oder werben mit dem natürlich hohen Eiweißgehalt. »Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind High-Protein-Produkte überflüssig«, stellt DGE-Pressesprecherin Antje Gahl in einem aktuellen Statement der Fachgesellschaft fest. »Wer die Vielfalt herkömmlicher Lebensmittel nutzt, bekommt genug Protein und spart sich das Geld für die meist teureren Produkte.« Hochverarbeitete Produkte wie Chips und Schokoriegel seien kein »gesunder Genuss«, nur weil viel Protein zugesetzt wurde.

Lebensmittel dürfen laut DGE die Angabe »Proteinquelle« tragen, wenn mindestens 12 Prozent des Energiegehalts aus Protein stammen. Bei Angaben wie »High Protein« müssen mindestens 20 Prozent des Energiegehalts aus Protein sein. Das ist bei vielen Lebensmitteln wie Quark, Skyr und Nudeln aus Linsen von Natur aus der Fall, wird aber mittlerweile in der Regel extra beworben. Andere würden mit Protein angereichert, zum Beispiel an sich kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Brot mit Eiweißkonzentraten aus Soja oder Lupinen. Mitunter würden bereits proteinreiche Lebensmittel wie Milch angereichert, um das Etikett »High Protein« zu bekommen.

Zudem bieten viele Hersteller eigens kreierte Fertigprodukte an. Von solchen hoch verarbeiteten Lebensmitteln rät die DGE grundsätzlich ab, wenn stattdessen weniger Gemüse, Obst und Nüsse gegessen werden. Dies könne die Zufuhr von den ebenfalls wichtigen sekundären Pflanzenstoffen, Nähr- und Ballaststoffen gefährden, worauf Übergewicht und ernährungsbedingte Krankheiten folgen können.

Die DGE stößt sich vor allem an der derzeit massiven Vermarkt proteinreicher Produkte. »Der Großteil der Bevölkerung hat gar kein Problem mit der Proteinversorgung und ein gesundheitlicher Nutzen durch die Extraportion Protein ist auch nicht zu erwarten«, so die Fachgesellschaft. Eine insgesamt gesunde Ernährung und viel Bewegung seien wichtiger, um Muskeln aufzubauen und/oder Gewicht zu verlieren – zwei Ziele, die viele Konsumenten proteinreicher Lebensmitteln erreichen wollen.

»Selbst Menschen, die aufgrund ihres Alters oder bei Leistungssport einen höheren Proteinbedarf haben, können ihn über herkömmliche proteinreiche Lebensmittel decken«, so die DGE und zählt Beispiele auf: Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier, Hülsenfrüchte (Linsen, Erbsen, Bohnen, Soja), aber auch Haferflocken und Kartoffeln. »Lediglich einzelne Innovationen können sinnvoll sein, etwa Nudeln aus Linsen oder Erbsen für Menschen mit Zöliakie«, so die DGE-Sprecherin.

Schadet die Extraportion Protein?

Schadet das Extra an Protein denn? Laut DGE bei gesunden Erwachsenen nicht. Überflüssiges Protein baue der Körper ab. Dabei entsteht Harnstoff, der mit dem Urin ausgeschieden werden muss. Deshalb sei ausreichendes Trinken bei hoher Proteinzufuhr wichtig. Nicht ratsam ist eine sehr proteinreiche Kost für Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion.

Abgesehen von gesundheitlichen Aspekten: Für spezielle proteinreiche Lebensmittel verlangen die Hersteller in der Regel auch einen höheren Preis. Das Geld kann man sich in der Regel sparen, wenn man auf die natürliche Alternative zurückgreift. Ein Beispiel der DGE: »So kostet ein Proteinporridge mit 28 g Protein 1,40 € pro 100 g. Bio-Haferflocken mit 13 g Protein sind ab circa 0,20 € pro 100 g zu haben.« Auf der DGE-Website findet sich auch eine Tabelle mit dem Proteingehalt verschiedener Lebensmittel.

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