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Vor allem Astra-Zeneca

Deutschland spendete bislang 11 Millionen Covid-19-Impfdosen

Das selbst erklärte Ziel Deutschlands ist, 30 Millionen Covid-19-Impfdosen bis Ende des Jahres zu spenden. Mehr als 11 Millionen sind bislang an Drittstaaten abgegeben worden, informiert das Auswärtige Amt. Davon hat der Bund mehr als 5 Millionen Dosen von den Bundesländern und vom pharmazeutischen Großhandel eingesammelt, heißt es zudem in der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken.
Charlotte Kurz
13.10.2021  16:30 Uhr

Die Mehrheit der gespendeten Impfdosen wurden dabei bislang bilateral an andere Länder ausgeliefert (rund 7,3 Millionen). Am 21. August 2021 erreichten die Ukraine 1,5 Millionen Dosen, am 22. September erhielt Namibia 200.000 Dosen und Ägypten 1,5 Millionen Dosen. Vier Tage später lieferte Deutschland zudem 2,6 Millionen Dosen nach Vietnam und 1,5 Millionen Dosen nach Ghana.

Knapp 4 Millionen der Impfdosen sind zudem über die Initiative Covax verteilt worden. Durch Covax werden insbesondere afrikanische Staaten, wie beispielsweise Mauretanien, Äthiopien, Malawi, Togo, Sudan oder Botswana aber auch Tadschikistan oder Usbekistan mit den deutschen Impfstoffen beliefert. Die Empfängerstaaten werden durch Covax ausgewählt. Entscheidend sei laut dem Auswärtigen Amt, dass sie einen besonders dringenden Bedarf haben und die Vakzine in ihren Impfkampagnen direkt einsetzen könnten. Weiter befinden sich derzeit rund 6,15 Millionen Dosen in der Auslieferung über Covax, informierte das Auswärtige Amt auf seiner Website. Die Auslieferdaten haben den Stand 29. September 2021. Insgesamt will Deutschland bis Ende dieses Jahres 30 Millionen Covid-19-Impfdosen spenden.

Zu den gespendeten Impfstoffen zählen auch alle Astra-Zeneca-Bestände, die der Bund zwar bestellt hatte, aber hierzulande nicht mehr verimpft werden. Seit Ende Juli werden diese Lieferungen direkt ab dem Herstellerwerk an Covax weitergegeben, erklärt die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Dies werde aber auch für Impfstoffe anderer Hersteller umgesetzt. Unter den gespendeten Impfstoffdosen sind ebenfalls mehr als 5 Millionen Impfdosen, die der Bund vom pharmazeutischen Großhandel und den Bundesländern im August wieder eingesammelt hatte, da sie in Deutschland nicht mehr verimpft wurden. Liegengebliebene Impfdosen aus den Arztpraxen konnten jedoch nicht zurückgegeben werden. Insgesamt befänden sich demnach keine Bestände des Vektorimpfstoffs mehr in den Reserven des Bundes, so die Bundesregierung. »Die Bundesregierung beabsichtigt, alle nicht für den nationalen Bedarf benötigten, pharmazeutisch einwandfreien und noch versandfähigen Impfdosen an Drittstaaten zu spenden«, erklärt die Regierung.

Zum Vergleich: Nach Deutschland sind laut Impfdashboard des Bundesgesundheitsministeriums bis zum 10. Oktober rund 131 Millionen Impfdosen geliefert worden. Davon wurden zum Stand 12. Oktober 83,4 Prozent verimpft (rund 110 Millionen Dosen), 65,4 Prozent der Bevölkerung sind damit vollständig geimpft. Mehr als eine Million Menschen haben zudem bereits eine Auffrischimpfung erhalten. In vielen afrikanischen Staaten lag die Impfquote Ende September laut WHO-Informationen allerdings erst bei rund 2 Prozent.

Spendenverträge benötigen dreiseitige Zustimmung

Die Bundesregierung spendet seit August 2021 Covid-19-Impfstoffe an Drittstaaten. Allerdings sind bereits Ende Juli 2021 erste Impfstoff-Dosen abgelaufen und konnten nicht mehr weitergegeben werden. Die Abgabe der Impfstoffe ist aber nicht ganz einfach. Für die Impfstoff-Spende wird jeweils ein dreiseitiger Vertrag zwischen Hersteller, Bundesregierung und Spendenempfänger sowie zusätzlich ein bilateraler Vertrag zwischen der deutschen Regierung und dem Spendenempfänger benötigt, informiert die Bundesregierung in der Antwort auf die Kleine Anfrage. Die Hersteller sind aufgrund der »komplexen Haftungsfragen« auch in den Weitergabe-Verträgen beteiligt und legen die Bedingungen für den Haftungsausschluss jeweils unterschiedlich fest.

Zudem will die Bundesregierung die Vor-Ort-Produktion von Impfstoffen etwa in Afrika weiter unterstützen, betont die Regierung. So sieht die Bundesregierung vor, rund 500 Millionen Euro unter anderem aus Haushaltsmitteln bereitzustellen, um Länder wie Ghana, Südafrika oder Senegal zu helfen, Impfstoff-Produktionskapazitäten auszubauen, heißt es in der Antwort der Regierung. Biontech hätte sich außerdem mit der südafrikanischen Firma Biovac auf die Produktion («Fill and Finish«) von Comirnaty am Standort Kapstadt in Südafrika für mehr als 100 Millionen Dosen pro Jahr verständigt. Bis 2023 plane Biontech darüber hinaus eine Produktionsstätte in Singapur aufzubauen.

Weltweit gebe es laut Regierungsinformationen mittlerweile rund 300 freiwillige Kooperationen und Lizenzvereinbarungen, um die Impfstoffproduktion zu steigern. Insgesamt rechnet die Bundesregierung damit, dass weltweit bis Ende 2021 rund 12,56 Milliarden Covid-19-Impfstoffdosen produziert werden. 2022 soll diese Zahl »noch höher liegen«.

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