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Biontech und Moderna

Deutschland erhält 130 Millionen Impfstoffdosen

Der Covid-19-Impfstart läuft nur langsam an. Der Grund dafür: Zu wenig Impfstoff. Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist dies jedoch mangelnden Produktionskapazitäten und nicht zu wenig bestellten Impfdosen geschuldet. Allein von den beiden Impfstoffherstellern Biontech und Moderna bekommt Deutschland demnach mehr als 130 Millionen Impfdosen.
Charlotte Kurz
06.01.2021  15:00 Uhr

Die Impfungen gegen Covid-19 laufen bereits seit einigen Tagen. Allerdings ist in den vergangenen Tagen vermehrt Kritik laut geworden, dass der Impfstart nur sehr schleppend und langsam vorangeht. Die Strukturen der Bundesländer mit den rund 400 Impfzentren und zusätzlichen mobilen Impfteams sind Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zufolge für täglich 250 bis 300.000 Impfungen ausgelegt. Laut Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) erfolgen aktuell jedoch lediglich 20 bis 55.000 Impfungen am Tag. Bisher haben knapp 400.000 Menschen in Deutschland eine Covid-19-Impfung erhalten.

Aus diesen Gründen kritisierten beispielsweise Politiker der Opposition, aber auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil die Bundesregierung, dass zu wenig Dosen bestellt worden seien. Doch diese Kritik weist Spahn bei einer Pressekonferenz am heutigen Mittwoch entschieden zurück: »Ich verstehe die Ungeduld vieler Bürger und Bürgerinnen. Aber die Wahrheit ist auch, dass Impfstoff weltweit ein knappes Gut ist. Dass wir anfangs zu wenig Impfstoff haben würden, das war von Anfang an klar.« Der Grund für die aktuelle Knappheit der Impfstoffdosen liege laut Spahn nicht an zu wenig bestellten Impfdosen, sondern an anfangs zu geringen Produktionskapazitäten.

»Pfizer und Biontech haben bereits früh deutlich gemacht, dass sie bis Ende letzten Jahres nur 50 Millionen Dosen vorproduzieren können«, erklärte Spahn. Vom Biontech-Impfstoff sollen bis zum 1. Februar 3,98 Millionen Impfdosen an die Bundesländer geliefert werden. Davon sind nach Aussage des Ministers bis Ende Dezember 2020 bereits 1,34 Millionen Impfdosen ausgeliefert worden. Bis Ende Januar, spätestens Mitte Februar, solle dann allen Bewohnern von Pflegeheimen ein Impfangebot gemacht werden können, betonte Spahn. Deutschland habe jedoch über die Verhandlungen der EU-Kommission bei den beiden Herstellern Moderna und Biontech insgesamt mehr als 130 Millionen Impfdosen bestellt, so Spahn. Die EU hat zudem noch weitere Verträge mit Impfstoffherstellern, etwa Sanofi-GSK oder Astra-Zeneca geschlossen, über die Deutschland weitere Impfdosen beziehen wird, sollte es zu Zulassungen kommen. Unklar ist jedoch, in welchem Zeitraum die bestellten Mengen auch in Deutschland ankommen werden.

Hoffnung liegt auf weiteren Zulassungen und Produktionsstandorte

Um das jetzige Problem, die Produktionskapazitäten hochzufahren, zu lösen, werde die Biontech-Impfstoffproduktion in Marburg geprüft. Spahn geht davon aus, dass Comirnaty ab Februar dort produziert werden könne. Die notwendige Genehmigung könnte eine der schnellsten Impfstoffproduktionsgenehmigungen werden. Normalerweise dauern solche Verfahren Spahn zufolge mehrere Jahre. Die Produktion in Marburg würde demnach insbesondere die Impfstoffproduktion für den europäischen Markt unterstützen.

Die Hoffnung auf eine Beschleunigung der Impfungen basiert vor allem auf weiteren Zulassungen der Impfstoffe. Erst heute gab die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) bekannt, dass auch der Impfstoff von Moderna zugelassen werden soll. Es ist der zweite zugelassene Covid-19-Impfstoff in der EU. Über die Lieferpläne des Moderna-Impfstoffs gab Spahn keine konkreten Details bekannt. Er erklärte lediglich, dass die erste Lieferung nächste Woche stattfinden werde. Mit welcher Größenordnung dann zu rechnen sei, werde »zeitnah und zügig« mitgeteilt. Spahn rechne aber mit ungefähr 2 Millionen Impfdosen für das erste Quartal 2021.

Außerdem erreichte die PZ Kritik aus den Reihen der mobilen Imfpfteams, dass aufgrund fehlenden Wissens wann und wie viel Impfstoff an die Landkreise geliefert wird, die Personalplanung, aber auch die Impfstoffeinteilung zurzeit kaum geplant werden könne. Aus Sorge vor ausbleibenden künftigen Lieferungen behalten Impfteams die Dosen vielerorts zurück, auch um die zweite Impfdosis wie geplant verabreichen zu können. Spahn entgegnete hierzu: »Wir können am Ende Lieferdaten nur nennen, wenn sie abgestimmt sind mit dem, der liefert.« Er betont: »Wir sitzen hier keine Sekunde länger auf Informationen herum als nötig.«

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