Pharmazeutische Zeitung online
WHO

Deutsch-französische Initiative für  WHO-Reform

Deutschland und Frankreich planen eine Initiative für eine Reform der Weltgesundheitsorganisation WHO sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Wichtig sei die Unabhängigkeit der WHO vom Einfluss einzelner Staaten. Indes warnt die Organisation vor einer zweiten Infektionswelle mit SARS-CoV-2.
dpa/PZ
19.05.2020
Datenschutz bei der PZ

«Die WHO muss unabhängiger werden vom Einfluss einzelner Staaten», sagte der CDU-Politiker am Montag anlässlich der Jahrestagung der Organisation in Genf. Sie müsse zudem in ihrer koordinierenden Funktion stärker werden und benötige auch deutlich schnellere Informationen, wenn neuartige Infektionen auftreten. «Das ist kein Selbstzweck, sondern im Interesse der gesamten Staatengemeinschaft.»

Deutschland wolle mit Frankreich ein Reformkonzept vorgelegen und während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 weiter entwickeln, sagte Spahn. Er betonte mit Blick auf die Corona-Pandemie: «Das Virus kennt keine Grenzen, also darf auch der Kampf gegen das Virus keine Grenzen kennen.» Es brauche dafür anerkannte und gut funktionierende internationale Organisationen. «Hier leistet die WHO einen entscheidenden Beitrag, aber es geht in der Zukunft noch besser.»

Das Bundesgesundheitsministerium hat der WHO nach eigenen Angaben nun weitere 66 Millionen Euro bereitgestellt. Davon sollen 25 Millionen Euro dem Kampf gegen die Corona-Pandemie dienen und 41 Millionen Euro der Arbeit in Bezug auf weltweite Gesundheitskrisen. 

Europa auf zweite Covid-19-Welle vorbereiten

Die europäischen Staaten sollten sich nach Ansicht der WHO bereits jetzt auf eine zweite tödliche Infektionswelle mit SARS-CoV-2 einstellen. Es sei an der «Zeit für die Vorbereitung, nicht für Feierlichkeiten», sagte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, am Montag der britischen Zeitung «The Telegraph».

Er reagierte damit auf die Lockerung von Maßnahmen gegen die Pandemie in mehreren Ländern. Besonders besorgt äußerte sich der WHO-Regionaldirektor über die Möglichkeit einer «Doppelwelle». «In dem Fall könnten wir eine zweite Covid-Welle haben und eine saisonale Grippe oder die Masern.»

Viele Kinder seien nicht gegen die Masern geimpft, warnte Kluge. Die Länder müssten die Zeit nun nutzen, um ihr Gesundheitswesen zu stärken und zum Beispiel die Kapazitäten in Krankenhäusern auszubauen. Zwar gingen in Staaten wie Großbritannien, Frankreich und Italien die Fallzahlen zurück, sagte der Experte. Aber das bedeute noch nicht, dass sich die Pandemie dem Ende nähere. Wegen der Coronakrise hält die WHO ihre zweitägige Jahresversammlung bis Dienstag nur online ab.

Mehr von Avoxa