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Psychedelika als Medikamente

Der Trip zum Glück?

Psilocybin im Fokus des Interesses

Sie werden wohl nicht lange auf sich warten lassen: Weltweit laufen mehrere Phase-II-Studien mit Psilocybin bei Depression. Am Imperial College wurde unter Carhart-Harris' Leitung das erste auf die psychedelische Forschung spezialisierte Zentrum gegründet. In Deutschland sind das ZI und die Berliner Charité auf diesem Forschungsfeld besonders aktiv.

Bereits in Phase III der klinischen Prüfung ist MDMA bei PTBS, nachdem unter anderem eine Phase-II-Studie mit traumatisierten Militärveteranen, Feuerwehrleuten und Polizisten positive Effekte gezeigt hat (»The Lancet Psychiatry« 2018, DOI: 10.1016/S2215-0366(18)30135-4). Weitere psychische Erkrankungen, bei denen Psychedelika derzeit getestet werden, sind Zwangs- und Essstörungen sowie Cocain- und Opiatabhängigkeit.

Doch wie kommen alle diese Wirkungen überhaupt zustande? Diese Frage ist drängend, aber laut Gründer momentan noch nicht gelöst. Griffiths habe in seinen Arbeiten immer wieder darauf hingewiesen, dass diejenigen Patienten den besten Effekt haben, die die am stärksten ausgeprägte spirituelle Erfahrung machen. »Ist das therapeutische Agens also der biologische Effekt der Substanzen oder die durch sie ausgelöste spirituelle Erfahrung?«, fragte der Psychiater. »Wir denken in der biologischen Psychiatrie oft, dass psychisches Erleben ein Epiphänomen von Neurobiologie ist. Und wenn wir die Neurobiologie beeinflussen, wird damit dann auch das subjektive Erleben beeinflusst. Ich glaube, durch diese Substanzen werden diese Vorstellungen herausgefordert.«

Welche Erfahrung es ist, die bei den Patienten möglicherweise eine Besserung ihrer psychischen Erkrankung bewirken kann, führte Dr. Henrik Jungaberle, Sozialwissenschaftler und Gründer der in Berlin ansässigen Wissenschaftsorganisation MIND European Foundation for Psychedelic Science, aus. Die Empfindung werde immer wieder als »mystische Erfahrung« beschrieben – ein Begriff, der wegen seiner Nähe zum religiösen Kontext jedoch in die Irre führen könne. Der Patient erlebe eine Verbundenheitserfahrung, eine zeitweise Auflösung des starren Selbstkonzeptes. Dieses könne ihm eine stärkere Empfindung für sich selbst, für andere und für die umgebende Natur ermöglichen.

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