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Psychedelika als Medikamente

Der Trip zum Glück?

Renaissance der Psychedelika

»Die Renaissance der Psychedelika eingeleitet hat vor allem die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Roland Griffiths an der Johns Hopkins University in Baltimore«, sagte Professor Dr. Gerhard Gründer vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim Ende November beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin. 2006 veröffentlichte die Gruppe um Griffiths im Fachjournal »Psychopharmacology« die Ergebnisse einer Doppelblindstudie mit gesunden Freiwilligen, die unter kontrollierten Bedingungen einmal Psilocybin und einmal Methylphenidat als aktives Placebo erhalten hatten (DOI: 10.1007/s00213-006-0457-5).

Die Probanden wurden anschließend von den Untersuchern gebeten, ihre Erfahrungen unter dem Einfluss der jeweiligen Substanz zu beschreiben. Diese unterschieden sich zwischen Verum und Placebo grundlegend. So berichteten die Teilnehmer nach der Anwendung von Psilocybin deutlich häufiger von Freude und intensivem Glücksgefühl, Frieden und Harmonie, aber auch dem Bedürfnis zu weinen. Als besonders bemerkenswert hob Gründer hervor, dass die große Mehrheit der Probanden die psychedelische Erfahrung als eines der fünf bedeutsamsten oder sogar das bedeutsamste Erlebnis ihres Lebens einstufte – vergleichbar etwa mit der Geburt eines Kindes.

Für Furore sorgte 2016 die Arbeitsgruppe von Dr. Robin Carhart-Harris vom Imperial College in London mit einer Publikation im Fachjournal »The Lancet Psychiatry« (DOI: 10.1016/S2215-0366(16)30065-7). Sie berichtete darin von starken und lang anhaltenden Effekten, die Psilocybin bei einer kleinen Gruppe von Patienten mit therapieresistenter Depression gehabt hatte. Die Patienten erhielten zunächst eine mäßige Dosis von 10 mg und dann im Abstand von sieben Tagen eine hohe Dosis von 25 mg. »Danach waren ausgeprägte antidepressive Effekte zu verzeichnen: Drei Monate nach diesen Einzelgaben waren fünf von zwölf Patienten noch immer in Remission«, sagte Gründer.

Die Effektstärken in dieser Studie seien sehr groß gewesen. Man müsse aber einschränkend sagen, dass das für viele neue Arzneistoffe in ersten offenen Studien gelte. »Wenn man dann größere, doppelblinde Studien macht, nehmen die Effektstärken in der Regel deutlich ab«, so Gründer. Die Ergebnisse von größeren Studien seien abzuwarten.

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