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Coronavirus-Pandemie

Der Kampf gegen Fake-News

Soziale Netzwerke kämpfen gegen eine Flut von Falschmeldungen. Virologe Drosten kritisiert, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichten.
dpa
13.05.2020
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Facebook hat allein im April 50 Millionen Beiträge mit falschen oder zweifelhaften Beiträgen über das Coronavirus mit Warnhinweisen versehen. Die Maßnahme zeige Erfolg, betonte das Online-Netzwerk am Dienstag: In 95 Prozent der Fälle klickten die Nutzer den Link nicht an, wenn sie die Warnung sähen. Die Basis für die Hinweise hätten 7.500 Artikel von Faktencheckern geliefert, hieß es weiter. Zudem seien 2,5 Millionen Beiträge entfernt worden, in denen es um den Verkauf von Masken, Desinfektionsmitteln oder Covid-19-Tests gegangen sei. Der Kurs von Facebook ist, Inhalte mit falschen Informationen über das Coronavirus zu löschen, wenn dadurch Menschen zu Schaden kommen können. Ein vom Online-Netzwerk häufig zitiertes Beispiel dafür ist die Empfehlung, Bleichmittel zu trinken. Falsche oder umstrittene Informationen, die als nicht gefährlich eingestuft werden, versieht Facebook mit einem Warnhinweis.

Unterdessen hat der Berliner Virologe Christian Drosten scharfe Kritik an Falschinformationen zur Corona-Pandemie im Internet geübt. In sozialen Medien kursierten zum Beispiel millionenfach abgerufene Videos, die »voller Unsinn« und »falscher Behauptungen« seien, sagte der Charité-Wissenschaftler am Dienstag im NDR-Podcast. Zum Teil seien Ärzte und Professoren dabei, »die irgendeinen Quatsch in die Welt setzen«, ohne je zu den Themen gearbeitet zu haben. Namen nannte Drosten nicht. Hinzu kämen »richtige Verschwörungstheoretiker«. Der Virologe schilderte, er bekomme ein Echo zurück in Form von Anschuldigungen, Fragen und Ideen, die Menschen auf Grundlage von Verschwörungstheorien entwickelten.

Drosten betonte, er stehe derzeit in der Öffentlichkeit, weil Coronaviren sein absolutes Spezialgebiet seien. Zu anderen Themen würde er sich nicht in dem Umfang äußern. Was er höre, zum Teil von »scheinbaren Fachleuten«, deren Expertise in anderen Bereichen liege, entbehre oft jeder Grundlage, sagte der Virologe. Dadurch werde auch »wirklich gefährlichen Verschwörungstheoretikern« mit teils politischer Agenda der Rücken gestärkt. Drosten rügte das als »unverantwortlich«. Er gehört zu den Erstunterzeichnern eines offenen Briefs, in dem Ärzte und Virologen ein härteres Vorgehen von Facebook, Google und Twitter gegen Corona-Falschinformationen fordern. Die bisherigen Maßnahmen gingen nicht weit genug, kritisieren sie beim Kampagnen-Netzwerk Avaaz.

Zu Ansteckungen mit Sars-CoV-2 sagte Drosten, es erscheine ihm »total übertrieben«, wie oft auf das Händewaschen und Desinfizieren von Oberflächen hingewiesen werde: Nach seiner Einschätzung machen Schmierinfektionen, also Ansteckungen etwa über kontaminierte Gegenstände, nur einen kleinen Teil der Infektionen aus. Viel bedeutsamer seien Tröpfchen, die etwa beim Husten, Sprechen oder Niesen entstehen, und feinste schwebende Partikel, sogenannte Aerosole. Für die Wiedereröffnung von Restaurants etwa habe das zur Folge, dass Außenbereiche vergleichsweise sichere Zonen seien, sagte Drosten. Für Innenräume gelte zum Beispiel: »Fenster aufreißen«.

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