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Spahn-Diskussion, Anträge

Das sind die Highlights des Deutschen Apothekertags 2021

Nach einer Coronavirus-bedingten Absage des Deutschen Apothekertags (DAT) im vergangenen Jahr trifft sich die Hauptversammlung der Apotheker in diesem Jahr wieder in Düsseldorf. Fest steht, dass Bundesgesundheitsminister  Jens Spahn vor Ort mit den Apothekerinnen und Apothekern diskutieren wird. Aber auch mit Blick auf die Anträge hat der Apothekertag Spannendes zu bieten. Ein Überblick.
Benjamin Rohrer
13.08.2021  09:10 Uhr

Der Deutsche Apothekertag 2021 findet am 22. und 23. September in Düsseldorf statt. Vieles ist aber anders als sonst beim diesjährigen Apothekertag: An erster Stelle steht natürlich, dass der DAT nicht gemeinsam mit der Expopharm stattfindet. Die Avoxa Mediengruppe hatte vor einigen Wochen kommuniziert, dass die Fachmesse Coronavirus-bedingt erneut ausfällt. Mit Blick auf die Entwicklung der Pandemie wird es auch beim DAT selbst neue Rahmenbedingungen geben. Die Veranstaltung wird hybrid ausgetragen – neben den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor Ort ist den Delegierten eine Teilnahme und Abstimmung auch aus der Ferne via Internet möglich.

Der DAT startet am 22. September um 13 Uhr mit der Eröffnungsveranstaltung. Anschließend beginnt die Hauptversammlung mit der Antragsberatung. Mehr als 50 Anträge haben der ABDA-Vorstand und die ABDA-Mitglieder (Kammern und Verbände) vorgelegt. Das politische Highlight des DAT findet dann aber am Donnerstag statt. Nur wenige Tage vor der Bundestagswahl wird sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)  in einer Vor-Ort-Diskussion den Fragen der Delegierten stellen. Sowohl die Eröffnungsveranstaltung als auch die Minister-Diskussion werden live auf PZ-online übertragen.

Mehr als 50 DAT-Anträge

Nach der Diskussion mit dem Minister geht es am Donnerstagnachmittag weiter mit der Antragsberatung. Der Gesamtvorstand der ABDA hat sich am gestrigen Donnerstag mit den Anträgen befasst und das Antragspaket auf den Weg gebracht. Ein Blick in die DAT-Anträge zeigt, dass sich die Delegierten in diesem Jahr unter anderem mit den ordnungsrechtlichen Rahmenbedingungen, den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie, der Digitalisierung, den pharmazeutischen Dienstleistungen und der Approbationsordnung befassen werden.

Zu Beginn der Antragsberatung wird die Hauptversammlung einen Antrag des ABDA-Vorstands beraten, in dem es um die wichtigsten ordnungsrechtlichen Rahmenbedingungen für die Apotheke vor Ort, wie etwa das Fremd- und Mehrbesitzverbot, geht. In mehreren Anträgen geht es darum, das Makelverbot mit Blick auf die Einführung des E-Rezeptes zu sichern bzw. auszuweiten. Mehrere Verbände, Kammern und der geschäftsführende ABDA-Vorstand beschäftigen sich zudem mit der Aufrechterhaltung der Coronavirus-bedingten Sonderregelungen in der Arzneimittelversorgung. Zur Erklärung: Derzeit gelten beispielsweise bei der Versorgung mit Rabattarzneimitteln Lockerungen, die während der Pandemie eingeführt wurden. Die Apotheker wollen diese beibehalten.

Auch die pharmazeutischen Dienstleistungen spielen eine größere Rolle bei der Antragsberatung. Der ABDA-Vorstand will den Gesetzgeber dazu auffordern, den finanziellen Rahmen der Dienstleistungen zu erhöhen. In mehreren Anträgen geht es auch um die Ausweitung der Modellvorhaben zu Grippeschutz-Impfungen in Apotheken. Konkret fordern die Apotheker, dass diese zur Regelleistung werden. Mit einem besonderen Augenmerk dürfte auch ein Antrag des Apothekervereins Berlin diskutiert werden: Der Verein will erreichen, dass Covid-19-Auffrischimpfungen in Apotheken angeboten werden dürfen. In der Hauptstadt gibt es auch politische Diskussionen um Coronavirus-Impfungen in Apotheken.

Kammer Nordrhein: Attraktivität des PTA-Berufs steigern

Was die pharmazeutischen Kompetenzen betrifft, fordern der ABDA-Vorstand und die Landesapothekerkammer Hessen, dass die Approbationsordnung »schnellstmöglich« novelliert wird. Die Landesapothekerkammer Sachsen fordert, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen für mehr Studienplätze im Studiengang Pharmazie geschaffen werden. Die Apothekerkammer Nordrhein will die Attraktivität des PTA-Berufs steigern – beispielsweise durch eine neue Arbeitsgruppe in der ABDA.

Ein weiterer größerer Fokus wird auf der Digitalisierung liegen. In einem Antrag des geschäftsführenden Vorstandes geht es darum, den Einfluss der Gematik-Anwendung (E-Rezept, elektronische Patientenakte, etc.) auf die Arzneimittel-Therapiesicherheit (AMTS) zu untersuchen. Der Gesetzgeber solle Maßnahmen ergreifen, um die TI-Anwendungen optimal in den Arbeitsalltag der Leistungserbringer zu integrieren. Kammer und Verband aus Schleswig-Holstein fordern ein »pharmazeutisches Dossier«. Die Apotheker aus dem Norden beziehen sich dabei auf das »dossier pharmaceutique« aus Frankreich – dort hat jeder Patient schon seit Jahren ein zentral gespeichertes Arzneimitteldossier. Gleich vier Anträge beschäftigen sich mit der Telepharmazie – konkret geht es unter anderem um die Zertifizierung möglicher telepharmazeutischer Leistungen und die Abstimmung dieser mit der Ärzteschaft.

Bayern: Backup-Lösung für einen TI-Ausfall

Kammer und Verband Bayern möchten eine Backup-Lösung für einen möglichen, längerfristigen Ausfall der Telematikinfrastruktur erreichen. Der Gesetzgeber müsse sicherstellen, dass die Apotheken auch bei einem Ausfall des E-Rezept-Fachdienstes oder anderer TI-Komponenten weiter versorgen können. Die Apothekerkammer Berlin will erreichen, dass Apotheker in die Versorgung der sogenannten Apps auf Rezept (Digitale Gesundheitsanwendungen – DIGA) eingebunden werden und dass die DIGAs in die ABDA-Datenbank eingepflegt werden.

Schließlich geht es noch um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Apotheken. Die Apothekerkammer Nordrhein erinnert an eine schon lange nicht mehr diskutierte Forderung der Apotheker – die Dynamisierung des Fixhonorars. Kammer und Verein aus Berlin sind unzufrieden damit, dass viele Apotheken auf nicht abgegebenen Grippeimpfstoff-Dosen sitzengeblieben sind und fordern Entschädigungen für die vergangene Saison. Der letzte Antragsblock dreht sich um die berufsständischen Organisationen selbst. Unter anderem fordert der geschäftsführende ABDA-Vorstand, dass Kammern, Verbände und ABDA ein »abgestimmtes, und ineinandergreifendes Konzept« zur Nachwuchsgewinnung ins Leben rufen.

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