Pharmazeutische Zeitung online
DPhG-Präsidentschaft

»Das Arzneimittel ist unser Alleinstellungsmerkmal«

PZ: Die DPhG hat vor einigen Jahren das Konzept »Pharmazie 2020« ins Leben gerufen. Nun sind wir im Jahr 2020. Was wurde von dem Konzept umgesetzt, was fehlt noch und wie geht es weiter?

Fischer: Die DPhG hat unter der Präsidentschaft von Professor Dr. Steinhilber 2012 alle Hochschulfächer der Pharmazie aufgefordert, darüber nachzudenken, wie die Lehre aktualisiert werden kann. Aus den intensiven Diskussionen sind die einzelnen Konzeptpapiere der DPhG-Fachgruppen entstanden, die auf unserer Website hinterlegt sind. Wir haben gelernt, dass an vielen Standorten bereits viele moderne Konzepte umgesetzt worden sind und die universitäre Landschaft in der Pharmazie sehr bunt und vielschichtig ist. Unter Einbeziehung der Zukunftsthemen, die ich angesprochen habe, möchte ich das DPhG-Projekt »Pharmazie 2020 - Perspektiven für Forschung und Lehre« zügig zu einem tragfähigen »Pharmazie 2030«-Konzept erweitern und auf dieser Basis ein zukunftsorientiertes Bild des Apothekers entwickeln.

PZ: Die Bundesapothekerkammer hat kürzlich beschlossen, eine Änderung der Approbationsordnung für Apotheker anzustoßen. Ist das aus Sicht der DPhG notwendig?

Fischer: Die pharmazeutischen Wissenschaften unterliegen einem kontinuierlichen und immer schnelleren Wandel. Mit unserem DPhG-Projekt »Pharmazie 2020« konnten wir zeigen, dass die jetzige Approbationsordnung flexibel genug ist und inhaltlich und organisatorisch genügend Spielraum bietet, um neue und innovative Themen wie Arzneimitteltherapiesicherheit und Medikationsmanagement in allen Fachdisziplinen einzubinden. Wir müssen die notwendigen Grundlagen behalten, aber die Inhalte dringend aktualisieren.

Die DPhG steht seit vielen Jahren im Dialog mit der Bundesapothekerkammer. Was die Diskussionen zur Änderung der Approbationsordnung betrifft, werden wir uns als DPhG zeitnah mit einem Statement zu Wort melden.

PZ: Als pharmazeutische Technologin liegt Ihnen das Thema Rezepturarzneimittel sicherlich am Herzen. Aber immer wieder gerät die Rezeptur-­Herstellung in der Apotheke unter Beschuss, zuletzt durch die verunreinigte Glucoselösung aus einer Kölner Apotheke. Kümmert sich die DPhG um die Rezepturqualität, eventuell auch in Zusammenarbeit mit DAC/NRF und ZL?

Fischer: Damit sprechen Sie ein wichtiges und sensibles Thema an, denn die in der Apotheke angefertigten Rezepturarzneimittel gehören zu den pharmazeutischen Kernkompetenzen. Auf Initiative unserer Fachgruppe für Pharmazeutische Technologie haben wir in diesem Jahr das Projekt »Qualität von Rezeptur und Defektur in Apotheken« vorangetrieben als Koopera­tion zwischen öffentlichen Apotheken, Universitäten und Landesapothekerkammern. Zusammen mit dem ZL wurden im Juli die Hochschullehrer aus der pharmazeutischen Technologie zu einem Meinungsaustausch eingeladen. Erklärtes Ziel ist es, durch gezielte Maßnahmen, angefangen vom Studium über das praktische Jahr bis in die Apotheken, die Sicherung und Optimierung der Qualität der Rezeptur- und Defekturherstellung in der Apotheke zu gewährleisten. Ich freue mich besonders, dass mittlerweile viele weitere Interessensgruppen ihre Mitarbeit angeboten ­haben und wir nun in ausgewählten Bundesländern Pilotprojekte und Road-Shows zu diesem Thema starten können.

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