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Prostatakrebs

Darolutamid überzeugt in Phase III

Der Wirkstoffkandidat Darolutamid hat in der Phase-III-Studie ARAMIS im Vergleich zu Placebo das metastasenfreie Überleben von Patienten mit einer bestimmten Prostatakrebsform signifikant verlängert. Hersteller Bayer will auf Basis dieser positiven Daten nun einen Zulassungsantrag stellen.
Kerstin Gräfe
22.02.2019
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Darolutamid (BAY-1841788) ist ein neuartiger, in der Entwicklung befindlicher Hemmstoff des Androgenrezeptors. Er bindet mit hoher Affinität an den Rezeptor und besitzt eine starke antagonistische Wirkung. In der Folge werden die Rezeptorfunktion und das Wachstum der Prostatakrebszellen gehemmt.

Der Arzneistoffkandidat wurde in der Phase-III-Studie ARAMIS (Androgen Receptor inhibiting Agent for MetastatIc-free Survival) an mehr als 1500 Patienten mit nicht metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs (nmCRPC) untersucht. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachmagazin »New England Journal of Medicine« veröffentlicht.

Die Probanden erhielten entweder Darolutamid 600 mg zweimal täglich plus Androgen-Deprivationstherapie (ADT) oder Placebo plus ADT. Die ADT, auch Antihormontherapie genannt, hat in der Behandlung des lokal fortgeschrittenen und des metastasierten Prostatakarzinoms einen festen Platz und bewirkt eine Supprimierung des PSA-Spiegels im Serum.

Primärer Endpunkt der Studie war das metastasenfreie Überleben (MFS), definiert als Zeit zwischen der Randomisierung und dem Nachweis von Metastasen oder dem Tod aus irgendeiner Ursache. Das MFS betrug in der Verumgruppe 40,4 Monate und unter Placebo 18,4 Monate. Somit konnte die Kombination aus Darolutamid plus ADT das mittlere MFS um insgesamt 22 Monate und somit statistisch signifikant verlängern. Zudem reduzierte die Kombination das Metastasen- oder Sterberisikos um 59 Prozent.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen waren in beiden Studienarmen vergleichbar. Lediglich das Symptom Fatigue trat unter Darolutamid mit 12,1 Prozent im Vergleich zu Placebo mit 8,7 Prozent verstärkt auf.

Prostatakrebs ist die weltweit zweithäufigste Krebsart bei Männern. Der Krebs entsteht durch die abnorme Vermehrung von Zellen in der Vorsteherdrüse im Reproduktionstrakt des Mannes. Die Behandlungsmöglichkeiten reichen von der Operation über die Bestrahlung bis hin zur Verabreichung von Hormonrezeptor-Antagonisten – also Substanzen, die die Bildung des männlichen Sexualhormons Testosteron verhindern oder dessen Wirkung am Zielorgan blockieren. Allerdings wird der Tumor gegen die konventionelle Hormontherapie in fast allen Fällen irgendwann resistent.

DOI: 10.1056/NEJMoa1815671

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