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Coronavirus Impfstoffentwicklung

Curevac steht nicht zum Verkauf 

Ein mRNA-basierter Impfstoff gegen das Coronavirus, den das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac gerade entwickelt, hat nach Angaben der »Welt am Sonntag« die Begehrlichkeit von US-Präsident Donald Trump geweckt, das Vakzin exklusiv für sein Land zu sichern. Doch weder Curevac noch Hauptaktionär Dietmar Hopp sind an einem Verkauf interessiert.
PZ/dpa
16.03.2020  14:42 Uhr

Die »Welt am Sonntag« hatte berichtet, US-Präsident Donald Trump versuche, deutsche Wissenschaftler des Unternehmens mit hohen finanziellen Zuwendungen nach Amerika zu locken oder das Medikament exklusiv für sein Land zu sichern. Das mutmaßliche »unmoralische Angebot« des US-Präsidenten löste eine Welle der Kritik aus. 

»Ein Angebot liegt nicht vor«

Die aktuellen Medienspekulationen betreffend hat Curevac schon am gestrigen Sonntag Behauptungen über den Verkauf des Unternehmens oder seiner Technologie deutlich zurückgewiesen und heute ergänzend erklärt: »Ein Angebot liegt uns nicht vor.« Gegenüber der »Schwäbischen Zeitung« hat das Biotech-Unternehmen laut der Nachrichtenagentur dpa heute zudem gesagt, dass zwar durchaus Interesse aus den USA an der Arbeit von Curevac bestehe, aber laut Franz-Werner Haas, für die Produktion verantwortlicher Vorstand bei CureVac, »Corona ein weltweites Problem ist, dafür arbeiten wir«.

Auch der Hauptaktionär des Tübinger Impfstoffentwicklers, der SAP-Gründer Dietmar Hopp, hat sich auf Twitter zu Wort gemeldet: »Wenn es uns hoffentlich bald gelingt, einen wirksamen Impfstoff gegen das Corona-Virus zu entwickeln, soll dieser Menschen nicht nur regional sondern solidarisch auf der ganzen Welt erreichen, schützen und helfen können.«

Das Unternehmen forscht nach eigenen Angaben seit Januar an einem Impfstoff gegen das Coronavirus und will seine Produktionskapazitäten ausbauen, um bis zu Milliarden Dosen für Pandemie-Situationen wie Covid-19 bereitstellen zu können.

Der Vorstandsvorsitzende von Curevac, Daniel Menichella, hatte sich laut Website des Unternehmens am 2. März auf Einladung des Weißen Hauses mit US-Präsident Donald Trump, Vizepräsident Mike Pence, Mitgliedern der Coronavirus-Task-Force sowie weiteren hochrangigen Pharma- und Biotechmanagern getroffen. Hintergrund sei gewesen, Strategien und Möglichkeiten zur schnellen Entwicklung und Produktion eines Impfstoffes zu diskutieren. 

Reaktionen aus der Regierung

Das Bundeswirtschaftsministerium hat die grundsätzliche Bedeutung eines freien Zugangs zu einem möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus bekräftigt. »Die Bundesregierung hat ein hohes Interesse, dass wir Wirkstoffe und Impfstoffe in Deutschland und Europa produzieren«, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums heute in Berlin. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) lobte in der ARD-Sendung »Bericht aus Berlin« am gestrigen Sonntagabend die Tübinger Firma dafür, dass sie für die US-Avancen »nicht zur Verfügung steht.«

Außenminister Heiko Maas (SPD) hat den mutmaßlichen Versuch der US-Regierung kritisiert, das Tübinger Pharmaunternehmen Curevac zu einem Standortwechsel zu bewegen. »Deutsche Forscher sind führend an der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen beteiligt, in weltweiten Kooperationen. Wir können nicht zulassen, dass sich andere ihre Forschungsergebnisse exklusiv aneignen wollen«, sagte der SPD-Politiker heute den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Darüber habe er bereits mit seinen Kollegen aus Kanada, Südkorea, Brasilien und Australien gesprochen. Dies werde aber auch im Kreis der G7-Staaten zu bereden sein.

»Dieses Virus werden wir nur gemeinsam besiegen, nicht gegeneinander.«
Außenminister Heiko Maas (SPD)

Ein hochrangiger Vertreter der US-Regierung bestätigte den Zeitungsbericht am Sonntagabend (Ortszeit) nicht. Er teilte auf Anfrage mit, man kenne weder den Bericht der »Welt am Sonntag«, noch die zugrunde liegenden Informationen. Der US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, bezeichnete den Bericht auf Twitter als unwahr.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte hingegen am Sonntag in Berlin: »Ich kann nur sagen, dass ich heute mehrfach gehört habe von Regierungsmitgliedern, dass dies zutrifft und dass wir da morgen im Krisenstab darüber reden.«

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