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172 Möglichkeiten, null Treffer

Covid-19-infiziertes Kind steckte niemanden an

Nicht wissend, dass ihr Kind mit dem neuen Coronavirus und zusätzlich Influenza- und Picornaviren infiziert war, schickten die Eltern ihren Sprössling während des Urlaubs in einen Skikurs und nach der Reise in die Schule. 172 Kontakte gingen ohne nachgewiesene Ansteckung aus. Wie kann das sein? Zufall oder gibt es doch Gründe?
Sven Siebenand
21.04.2020
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Ein Autorenteam um Dr. Kostas Danis von Santé Publique France in Saint-Maurice beschreibt in »Clinical Infectious Diseases« den Fall des neunjährigen Kindes, das sich in einem französischen Skiort in einem Chalet mit SARS-CoV-2 infiziert hat, aber keine schweren, sondern nur milde Symptome entwickelt hat und das, obwohl es zusätzlich mit weiteren Atemwegsviren infiziert war. Beim Skikurs und später in insgesamt drei verschiedenen Schulen hatte das Kind in kurzer Zeit Kontakt zu Mitschülern und Lehrern. Insgesamt wurden 172 Kontakte identifiziert.  84 davon (49 Prozent) wurden mit einem hohen oder mäßigen Infektionsrisiko eingestuft und 88 (51 Prozent) mit einem geringen. 

Fast alle Kontaktpersonen konnten von den Wissenschaftlern kontaktiert, befragt und untersucht werden. Mehr als 40 Prozent wiesen respiratorische Symptome auf. Doch der Test auf SARS-CoV-2 fiel bei allen 73 durchgeführten Tests negativ aus. Auch innerhalb des 14-tägigen Nachbeobachtungszeitraums wurden keine weiteren Fälle identifiziert. Nachgewiesenermaßen hatte das Kind also niemanden angesteckt. Möglich ist dabei aber, dass asymptomatische Patienten nach der Infektion übersehen wurden. Anhand dieses Fallbeispiel halten es die Wissenschaftler für möglich, dass Kinder bei der Übertragung von SARS-CoV-2 keine große Rolle spielen.

Die Forscher berichten jedoch noch von einer weiteren spannenden Beobachtung. Interessanterweise fanden sie bei fast zwei Drittel der getesteten Personen andere respiratorische Viren, sehr häufig Influenza- und Picornaviren, also jene Viren, mit denen das neunjährige Kind auch infiziert war. »Diese Beobachtungen legen nahe, dass Picornavirus- und Grippevirus-Infektionen leichter zu übertragen sind als SARS-CoV-2«, schreiben Danis und Kollegen. Dafür würde auch die Tatsache sprechen, dass sich die beiden Geschwister des Kindes sowohl mit Influenza- als auch mit Picornaviren angesteckt hatten, aber auch bei ihnen SARS-CoV-2 nicht nachgewiesen wurde.

Es sei zudem denkbar, dass die Koinfektion mit anderen Atemwegsviren die Übertragung des neuen Coronavirus negativ beeinflusst.  Auch dies könnte dann etwas damit zu tun haben, dass das Kind niemanden mit dem Coronavirus angesteckt hatte. Das hieße dann wiederum, dass »nur« SARS-CoV-2-infizierte Kinder unter Umständen dann doch wieder als Überträger der Infektion infrage kommen.

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