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SIKO versus STIKO

Covid-19-Impfung für alle Kinder ab zwölf Jahren

Anders als die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Sächsische Impfkommission (SIKO) ab sofort eine Covid-19-Schutzimpfung für alle Kinder ab zwölf Jahren. Während die STIKO weiter abwarten will, beraten heute die Gesundheitsminister der Länder auch über das Thema.
dpa
02.08.2021  08:56 Uhr

Mit dem Update hat die SIKO ihre Impfempfehlung für Kinder ausgeweitet. Bisher hatte sie die Schutzimpfung im Alter von 12 bis 15 Jahren bei Vorliegen von Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf empfohlen sowie für alle Kinder und Jugendlichen nach einer ausführlichen Aufklärung.

In die neue Bewertung seien Daten aus den USA und Israel eingeflossen, schreibt die Impfkommission. Die Nutzen-Risiko-Abwägung falle demnach zugunsten der Impfung für alle Kinder ab zwölf aus. Die Mediziner haben dabei vor allem den Zusammenhang zwischen einer Impfung und Herzmuskelentzündungen bei Jugendlichen und jungen Männern angeschaut. Die Sächsische Impfkommission bezieht ihre Empfehlung auf die Impfstoffe von Biontech und Moderna. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat bei beiden Impfstoffen grünes Licht für einen Einsatz ab zwölf Jahren gegeben.

Die SIKO-Empfehlung weicht nunmehr von der Haltung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut ab. Diese empfiehlt bislang eine Impfung nur für 12- bis 17-Jährige, die aufgrund von Vorerkrankungen wie Diabetes oder Adipositas ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 haben. Sachsen hat als einziges Bundesland eine eigene Impfkommission.

STIKO wartet weiter ab

Die STIKO bleibt jedoch derzeit trotz politischen Drucks bei ihrer abwartenden Haltung zur Impfung von Kindern und Jugendlichen. Der STIKO-Vorsitzende Professor Dr. Thomas Mertens sagte am Montag dem Sender NDR Info, es gebe noch zu wenige Daten über mögliche gesundheitliche Folgeschäden für 12- bis 17-Jährige. «Wir sagen, wir können nicht eine generelle Empfehlung aussprechen, solange wir diesbezüglich nicht die notwendige Datensicherheit haben.» Politischer Druck für eine schnelle Entscheidung habe keinen Einfluss auf die STIKO, machte Mertens deutlich. «Es kann durchaus sein, dass wir unsere Empfehlung ändern werden, aber sicher nicht, weil Politiker sich geäußert haben.» 

Die Gesundheitsminister der Länder wollen an diesem Montag über Corona-Impfangebote für Jugendliche beraten. Nach einem Vorschlag des Bundesgesundheitsministeriums sollen 12- bis 17-Jährige in allen Bundesländern ein solches Angebot bekommen. Das geht aus einem Beschlussentwurf hervor. Für junge Erwachsene sollen die Länder «niedrigschwellige Angebote» in Universitäten, Berufsschulen und Schulen machen, so der Beschlussentwurf für Montag. «Dies kann maßgeblich zu einem sichereren Start in den Lehr- und Lernbetrieb nach den Sommerferien beitragen.»

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte im Mai den Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen, vor wenigen Tagen folgte auch die Freigabe für Moderna. «Es werden nunmehr alle Länder Impfungen für 12- bis 17-Jährige in den Impfzentren anbieten», schreibt das Ministerium in dem an die Länder versendeten Beschlussvorschlag. Auch niedergelassene Ärzte und Betriebsärzte, die Angehörige impften, könnten eingebunden werden. In einigen Ländern sind bereits Impfaktionen etwa an Schulen geplant. In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern beginnt der Unterricht nach den Sommerferien an diesem Montag wieder, in Hamburg am Donnerstag.

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