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China

Coronavirus-Epidemie wird politisch immer heikler

China zählt schon mehr als 31.000 Virusfälle und 636 Tote. Nach dem Tod eines Arztes, der mit als erster vor dem neuen Virus gewarnt hat, startet China eine heikle Untersuchung. Die meisten Deutschen fürchten sich derweil einer neuen Umfrage zufolge nicht vor dem Coronavirus.
dpa
07.02.2020
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Der Arzt Li Wenliang hatte frühzeitig vor dem Ausbruch des Erregers der neuen Lungenerkrankung gewarnt, wurde kurz darauf aber von der Polizei verwarnt und durfte zunächst nichts mehr darüber verbreiten. Die staatliche Aufsichtskommission entsandte ein Ermittlungsteam nach Wuhan, die schwer betroffene Metropole in der Provinz Hubei. Es gehe «um die «Fragen des Volkes» zu den Vorfällen.

Der Tod des 34-jährigen Augenarztes, der am Donnerstagabend selbst an der Lungenkrankheit gestorben war, hat große Anteilnahme ausgelöst. Sein Schicksal symbolisiert für viele die Folgen der Vertuschung und langsamen Reaktion der Behörden. Li Wenliang hatte am 30. Dezember in einer Chatgruppe unter Hinweis auf mysteriöse Lungenerkrankungen vor einer Wiederkehr des SARS-Virus gewarnt, das vor 17 Jahren zu der Pandemie mit 8.000 Infizierten und 774 Toten geführt hatte. Später stellte sich der Erreger als neues Coronavirus heraus. Die Polizei lud den Arzt und sieben andere wegen der Verbreitung von «Gerüchten» vor. Sie mussten unterschreiben, nichts mehr über den Ausbruch zu enthüllen. Später infizierte sich der Arzt selbst bei einer Patientin.

Der tägliche Anstieg der neu bestätigten Infektionen in China scheint sich derweil leicht stabilisiert zu haben, ist aber weiter sehr hoch. Die Zahl der bestätigten Ansteckungen legte bis Freitag erneut um 3.143 zu. Damit sind 31.161 Virusfälle bestätigt, so die Gesundheitskommission in Peking. Es war der zweite Tag in Folge, an dem nicht mehr neue Ansteckungen als am Vortag gemeldet wurden. Innerhalb eines Tages starben aber wieder 73 Patienten an der neuartigen Lungenkrankheit – so viele wie am Vortag. Damit sind in China schon 636 Todesfälle zu beklagen.

Verlauf der Epidemie schwer vorauszusagen

Ob mit den neuen Zahlen bereits ein Trend bei den Ansteckungen erkennbar ist, scheint offen, da die Statistik auch mit der Zahl der laufenden Untersuchungen schwanken kann. Der Verlauf der Epidemie ist aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch schwer vorherzusagen. Abgesehen von den besonders betroffenen Gebieten in Zentralchina scheine die Lage in China im Moment relativ stabil zu sein, sagte WHO-Experte Michael Ryan in Genf.

Außerhalb von Festland-China sind in mehr als zwei Dutzend Ländern über 270 Infektionen und zwei Todesfälle bestätigt. In Deutschland gab es Donnerstag einen 13. Fall. Allein elf stehen im Zusammenhang mit der bayerischen Firma Webasto, wo sich Mitarbeiter bei einer Kollegin aus China angesteckt hatten. Auch wurden zwei aus China ausgeflogene Rückkehrer positiv getestet. Der jüngste Virennachweis stammt von der 38-jährigen Frau eines der Patienten aus Bayern, wie das bayerische Gesundheitsministerium mitteilte. Auch zwei Kinder des Paares hatten sich angesteckt. Bei dem dritten Kind, einem Säugling, wurde das Virus bisher nicht nachgewiesen. 

Die meisten Deutschen fürchten sich nicht vor dem neuen Coronavirus, zeigt eine aktuelle Umfrage. Bei neun von zehn Deutschen (89 Prozent) ist die Sorge, dass sie oder Familienmitglieder sich mit dem Virus anstecken, weniger groß oder klein. Das ergab eine Umfrage von Infratest Dimap für den ARD-Deutschlandtrend. Nur bei jedem Zehnten ist diese Sorge groß (7 Prozent) oder sehr groß (3 Prozent). Für die Umfrage wurden am Montag und Dienstag dieser Woche insgesamt 1.003 Wahlberechtigte in Deutschland per Telefon befragt.

Das Vertrauen der Bürger in die Behörden und Gesundheitseinrichtungen ist in Deutschland mit Blick auf das Virus hoch. Vier von fünf Deutschen (82 Prozent) sind der Meinung, diese hätten die Situation alles in allem unter Kontrolle. 14 Prozent sehen das anders: Sie meinen, diese haben die Situation nicht unter Kontrolle.

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