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Antigen-Nachweis

Corona-Schnelltests bei Omikron weniger zuverlässig

Zur Eindämmung der Coronapandemie ist es wichtig, infizierte Personen möglichst schnell und sicher zu erkennen. Der Stellenwert von Schnelltests ist in den letzten Monaten immer stärker gestiegen, auch weil das Testen mit den empfindlicheren PCR-Tests an seine Grenzen gestoßen ist. Allerdings darf man dabei die Limitationen der Antigen-Schnelltests nicht aus dem Auge verlieren.
Theo Dingermann
22.02.2022  11:00 Uhr

Seit Herbst 2020 gelten Antigen-Schnelltests als wichtige Säule nationaler Teststrategien, um niederschwellig, schnell und möglichst flächendeckend auf SARS-CoV-2-Infektionen zu testen. Wegen der großen Zahl der Produkte, die als Antigen-Schnelltests angeboten werden, ist es schwierig, den Überblick hinsichtlich der Aussagekraft der unterschiedlichen Tests zu behalten. Hier hat das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) eine umfangreiche Liste publiziert.

Prinzipiell funktionieren gute Antigen-Schnelltests wohl auch zum Nachweis der Omikron-Variante, die derzeit weltweit das Infektionsgeschehen bestimmt. Allerdings sollte man genauer hinsehen, wie die Ergebnisse einer Studie von Wissenschaftlern um Dr. Andreas Osterman aus der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Oliver T. Keppler vom Max von Pettenkofer-Institut an der LMU München jetzt zeigen.

In ihrer Studie untersuchten die Münchener Wissenschaftler die Leistungsfähigkeit von neun SARS-CoV-2-Antigen-Schnelltests in einer Laborstudie. Sie verwendeten dazu insgesamt 115 SARS-CoV-2 PCR-negative und 166 SARS-CoV-2 PCR-positive Atemwegstupferproben. 101 Proben enthielten die Omikron- und 65 Proben die Delta-Variante. Die Proben stammten aus einem Zeitraum zwischen Oktober 2021 und Januar 2022. Zusätzlich verwendeten die Wissenschaftler zellkulturexpandierte klinische Isolate beider besorgniserregenden Varianten (VOC), die also schon mehrere Passagen in Zellkultur durchlaufen hatten.

Deutlich reduzierte Empfindlichkeit beim Nachweis von Omikron

Die 50-prozentige Nachweisgrenze (LoD50) für die Omikron-Proben wurde mit 1,77 x 106 bis7,03 x 107 RNA-Kopien für die neun Tests ermittelt. Im Vergleich dazu lag die LoD50 für Delta-Proben bei 1,32 x 105 bis 2,05 x 106 RNA-Kopien.

Somit waren bei den hier analysierten Schnelltests mit Bezug auf die LoD50 bis zu 10-fach höhere Viruslasten und mit Bezug auf eine LoD95 bis zu 101-fach höhere Viruslasten erforderlich, um im Vergleich zu Delta-haltigen Proben für Omikron-haltige Proben ein positives Ergebnis zu erzielen.

Die Raten von positiven Tests, die korrekt als positiv erkannt wurden, lagen für Omikron-Proben bei hoher Viruslast (Ct-Werte < 25) zwischen 31,4 und 77,8 Prozent, während sie bei Proben mit mittleren Ct-Werten (25 bis 30) auf 0 bis 8,3 Prozent sanken.

Das Testen von Menschen ohne Symptome schaffe gerade in der aktuellen Welle eine trügerische Sicherheit, warnte Keppler gegenüber dpa. »Das asymptomatische Testen mit Selbsttests macht aus meiner Sicht wenig Sinn«, sagte Keppler. Sinnvoll sei es aber, bei Symptomen neben einer Einschränkung der Kontakte auch mit guten Antigen-Schnelltests zu testen. Dann sei die Viruslast meist höher und Tests schlagen eher an.

Cave beim Testen mit expandierten Virusbeständen

Bemerkenswert ist, dass sich die Empfindlichkeiten für beide VOC bei Verwendung von Antigen-Schnelltests einander anglichen, wenn expandierte Virusbestände getestet wurden. Das könnte diese Art, die Zuverlässigkeit von Schnelltests mit in Zellkultur gehaltenen Coronaviren zu testen, infrage stellen.

Die Autoren fordern, dass angesichts der Bedeutung von Antigen-Schnelltests für nationale Teststrategien in der aktuellen Omikron-Welle das Bewusstsein für die geringere Nachweisrate von Omikron-Infektionen durch Schnelltests geschärft werden muss. Zudem fordern sie, dass möglichst zeitnah eine Liste geeigneter Schnelltests erstellt werden sollte, die die Mindestanforderungen für einen Omikron-Nachweis erfüllen.

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