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Phase III beginnt

Corona-Impfstoffe gehen in entscheidende Phase

Mittlerweile werden mehr als 150 Impfstoffe gegen das Coronavirus getestet. In Phase-III-Studien müssen die fortgeschrittenen Kandidaten nun zeigen, ob sie wirklich vor einer Infektion schützen können. Die WHO ist zuversichtlich.
PZ
dpa
20.07.2020  13:36 Uhr

Keine sieben Monate nach Ausbruch der Pandemie werden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO bereits mehr als 20 potenzielle Impfstoffe am Menschen getestet. Einige wenige befinden sich sogar schon in oder kurz vor der entscheidenden Phase der Studien, der Phase III.

Experten sind zuversichtlich, dass es Erfolge bei den Impfstoffkandidaten geben wird. «Es wäre sehr viel Pech, sollten alle scheitern», sagt etwa Soumya Swaminathan, Chefwissenschaftlerin der WHO, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Sie geht davon aus, dass Mitte 2021 ein Impfstoff in größerem Maßstab zur Verfügung stehen könnte. Doch selbst dann wird Impfen nur ein Baustein im Kampf gegen das Virus sein.

Auch Privatdozent Dr. Sebastian Ulbert vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) prognostiziert, dass es im kommenden Jahr mehrere zugelassene Impfstoffe geben wird. Der Virologe schränkt jedoch ein: «Der große Wurf wird da aber wahrscheinlich noch nicht dabei sein.» So dürften die ersten Mittel nur bestimmten Gruppen zugutekommen, etwa jungen, gesunden Menschen. «Die Risikogruppen beim Coronavirus, vor allem Senioren, sind auch am schwersten zu impfen.» Ihr Immunsystem reagiere oft nicht so gut auf Impfungen. Bis alle erreicht werden können, werde es noch länger dauern.

Zwar haben einige Hersteller in den vergangenen Wochen Daten vorgelegt, denen zufolge bestimmte Impfstoffkandidaten im menschlichen Körper die Bildung von spezifischen Antikörpern anregen, die zumindest im Laborversuch die Virusvermehrung hemmen. Bislang wurde aber noch für keinen potenziellen Impfstoff nachgewiesen, dass er wirklich Menschen vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 schützt. Dafür sind klinische Studien der Phase III notwendig.

Doch erst bei einem der Kandidaten ist eine solche Studie schon richtig angelaufen. Dabei bekommen Tausende Freiwillige den Impfstoff verabreicht. Nach einigen Monaten lässt sich dann feststellen, wie viele dieser Menschen sich im Vergleich zu einer Kontrollgruppe infiziert haben.

Hohe Infektionszahlen für gute Daten nötig

«Es ist wichtig, Wirksamkeitsdaten aus kontrollierten klinischen Prüfungen zu bekommen. Dafür braucht man aber hohe Infektionsraten», erklärt Professor Dr. Klaus Cichutek, Präsident des für Impfstoffe bundesweit zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Ausgerechnet in Großbritannien und China, wo es Projekte mit vergleichsweise großem Fortschritt gibt, ist das Virus aber stark eingedämmt. Was tun? Tatsächlich finden Phase III-Studien zu zwei dieser Impfstoff-Kandidaten nun in einem Land statt, in dem das Virus weiterhin wütet: Brasilien.

Besonders weit sind das britische Pharmaunternehmen Astra-Zeneca und die Universität Oxford. Gemeinsam hatten sie am 20. Juni damit begonnen, an rund 5000 Freiwilligen die Wirksamkeit ihres Impfstoffs ChAdOx1 nCoV-19 zu prüfen. Die Studie mit dem Vektorimpfstoff läuft bis Juli 2021, Ergebnisse dürfte es aber früher geben. Er soll sowohl die Bildung spezifischer Antikörper als auch die von T-Zellen anregen.

An diesem Montag wollte auch der chinesische Pharmakonzern Sinovac in Brasilien mit einem Test an fast 9000 Angestellten aus dem Gesundheitssektor starten. Sinovac setzt dabei auf abgetötete Coronaviren. Weitere Unternehmen wie der US-Hersteller Moderna stehen in den Startlöchern. Das Unternehmen will nach frisch veröffentlichten vielversprechenden Daten eine Phase-III-Studien mit 30.000 Probanden in den USA starten.

Auch deutsche Firmen dürfen als führend bei der Impfstoffforschung gelten. So legte erst kürzlich die Mainzer Firma Biontech in Kooperation mit dem US-Konzern Pfizer erste ermutigende Daten vor. Die Tübinger Firma Curevackann sich vor Freiwilligen für eine erste Studie kaum retten. Beide deutschen Firmen arbeiten an einem sogenannten RNA-Impfstoff.

Verschiedene Ansätze als Erfolgsgarant

Unklar ist, ob und wie lange durch eine Impfung gebildete Antikörper überhaupt etwas bringen. So weisen mehrere Studien darauf hin, dass Antikörper nach einer regulären Infektion relativ schnell wieder aus dem Blut verschwinden können. Ist das bei einer Impfung genauso? Und was heißt das dann für die Schutzwirkung? Man beobachte die Ergebnisse sehr genau, sagt Swaminathan von der WHO. Die Tatsache, dass neutralisierende Antikörper verschwinden, bedeute aber nicht, dass die Immunität weg sei. Es gebe Berichte, dass die zellenvermittelte Immunantwort, die T-Zellen-Antwort, ziemlich wichtig sein könnte. Es kann auch durchaus sein, dass regelmäßiges Impfen nötig sein wird.

«Es ist sehr gut, dass wir so viele verschiedene Ansätze haben», sagt WHO-Forscherin Swaminathan. Abhängig von ihrem Mechanismus könnten sie möglicherweise für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, etwa älteren Menschen, schwangere Frauen oder Kindern, gut geeignet sein.

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