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Hoffnungsträger im Porträt
Chloroquin und Coronavirus – Pro und Kontra

Studie in Tübingen, Dosierempfehlungen in China

Mit seinem Zweifel an der Wirksamkeit von Chloroquin hielt Drosten nicht hinter dem Berg. Wenn eine Substanz in der Zellkuktur gegen Coronaviren wirksam sei, heiße das nicht automatisch, dass sie auch im Patienten wirksam ist. »Eine infizierte Zelle hat einen ganz anderen Stoffwechsel als eine Zelle in Kultur.« Als besonders kritisch hob der Mediziner hervor, dass Chloroquin in vitro nur eine mittlere inhibitorische Konzentration (IC50) im mikromolaren Bereich aufweist. Viel besser wäre eine IC50 im nanomolaren Bereich.

Drosten ist skeptisch. Trotz aller Vorbehalte werden die Untersuchungen mit Chloroquin und Hydroxychloroquin weltweit weitergehen – auch in Deutschland. Beispielsweise soll eine bereits geplante klinische Prüfung mit Hydroxychloroquin bei Covid-19-Patienten am Universitätsklinikum Tübingen auf weitere Prüfzentren und eine größere Teilnehmerzahl ausgeweitet werden.

Auch Praxistests aus Italien und vor allem China geben Anlass zur Hoffnung. Wiederum aus China gibt es auch erste Dosierungsempfehlungen. Ein Expertengremium aus der Provinz Guangdong schlägt für Patienten mit milder, mittelschwerer und schwerer Covid-19 zweimal täglich 500 mg orales Chloroquin für einen Zeitraum von zehn Tagen vor, sofern bei den Betroffenen keine Kontraindikation vorliegen. Eine allgemeine Empfehlung kann man hieraus sicher noch nicht ableiten. Vielmehr gilt es nun, auf weitere Studiendaten mit dem Wirkstoff zu warten.

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