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Teststrategie

BMG schlägt zwei kostenlose Schnelltests pro Woche vor

Im Vorfeld der Bund-Länder-Konferenz, die am Mittwoch stattfindet, schlägt das Bundesgesundheitsministerium (BMG) für alle Bürger zwei Gratis-Tests in Testzentren pro Woche vor. Die Vergütung der Tests soll bei insgesamt 18 Euro liegen: 6 Euro für die Testkosten und 12 Euro für die Durchführung. Testergebnisse werden für den Besuch im Pflegeheim oder für Einreisen benötigt. Selbsttests sollen vor allem im privaten Bereich genutzt werden.
dpa
PZ
01.03.2021  17:42 Uhr

Vor zwei Wochen kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) medienwirksam an, dass es ab 1. März kostenlose Schnelltests für alle geben soll. Im Rahmen eines Entwurfs zur Erweiterung der Nationalen Teststrategie erklärte Spahn, dass die kostenlosen Tests damit flächendeckend zur Verfügung stehen sollen. Zudem sagte er, dass auch Selbsttests für alle zugänglich sein sollten. Allerdings hatte sich der Starttermin der kostenlosen Schnelltests verzögert, da zu viele Fragen zur Vergütung und Organisation der kostenlosen Tests  offen sind.

Am Mittwoch sollen diese Fragen im Rahmen der anstehenden Bund-Länder-Konferenz nun geklärt werden. Im Vorfeld der Konferenz liegt der Deutschen-Presse-Agentur ein Diskussionspapier des BMG vor, das konkret zwei kostenlose Schnelltests pro Woche für alle Bürger vorschlägt. Das Papier wurde ebenfalls den Bundesländern zugeleitet. Diese Strategie soll insbesondere mit Blick auf mögliche weitere Öffnungen des Corona-Lockdowns gefahren werden. Die kostenlosen Schnelltests sollen von geschultem Personal abgenommen werden können - etwa in Testzentren oder Praxen, aber auch bei weiteren Dienstleistern.

Diese Möglichkeiten zu sogenannten »Bürgertests« sollen vorerst bis Ende Juni angeboten werden, für Anfang Juni ist eine Evaluation geplant. Der konkrete Starttermin im März ist laut dem Vorschlag noch offen. Damit in kurzer Zeit ausreichend Testkapazitäten entstehen, solle der Kreis der damit zu beauftragenden Stellen um Dienstleister erweitert werden, die etwa schon an Flughäfen, Bahnhöfen und Autobahnen in kurzer Frist Testzentren aufgebaut haben, heißt es im Papier. Das Ergebnis eines solchen Schnelltests soll man schriftlich oder digital ausgehändigt bekommen - auch zur Vorlage bei Behörden nach der Einreise aus bestimmten Risikogebieten oder etwa beim Besuch von Pflegeheimen. Denkbar wäre dies demnach auch als Voraussetzung zum Betreten bestimmter Einrichtungen. Bei einem positiven Testergebnis soll man künftig gleich vor Ort noch eine weitere Probe nehmen lassen können, um das Ergebnis mit einem genaueren PCR-Tests zu überprüfen. Nach Erfahrungswerten wird angenommen, dass etwa 2 bis 2,5 Prozent der Bevölkerung pro Tag ein solches Angebot nutzen.

Als Vergütung kalkuliert das Ministerium mit bis zu 6 Euro pro Schnelltest plus 12 Euro fürs Test-Abnehmen und das Ausstellen eines Testzeugnisses. Diese Vergütung sei nötig, um eine ausreichende Zahl von Anbietern sicherzustellen. Die Abrechnung soll über die Kassenärztlichen Vereinigungen erfolgen, die Kosten selbst soll der Bund tragen. Dafür geschätzt werden 540 Millionen bis 810 Millionen Euro pro Monat. Auf vier Monate gerechnet sind das geschätzte Kosten von 2,16 bis 3,24 Milliarden Euro. In dem vorherigen Entwurf kalkulierte das BMG ebenfalls mit 18 Euro, allerdings waren 9 Euro für die Testkosten und 9 Euro für die Durchführung inklusive Ausstellung eines Zeugnis angesetzt. Die ABDA hatte zuletzt eine höhere Vergütung gefordert.

Selbsttests vor dem Restaurantbesuch?

Daneben sollen Corona-Selbsttests für zu Hause zusehends genutzt werden können. Die ersten vier Tests sind bereits zugelassen, kommende Woche werden sie voraussichtlich auf den Markt kommen. Laut Ministerium könnten sie mehr Sicherheit in einer konkreten Situation geben - im privaten Kontext für den Getesteten selbst, aber etwa auch bei Familientreffen. Im Sinne eines »präventiven Lebenswelten-Ansatzes« sinnvoll sei zudem ein Angebot zu ein oder zwei Tests pro Woche für Schülerinnen und Schüler sowie für Beschäftigte in Unternehmen. Die Tests samt einer Einführung in den richtigen Gebrauch müssten Schulen und Arbeitgeber bereitstellen.

Denkbar wären auch Selbsttests unter »Aufsicht« direkt vor Ort durch einen Veranstalter. Dies könnte - alternativ zu einem bestätigten Schnelltest - auch als Voraussetzung dienen, um Restaurants, Theater oder Kinos zu betreten, heißt es in dem Papier. Mit den finanziellen Rahmenbedingungen solle sich auch noch eine interministerielle Arbeitsgruppe der Bundesregierung beschäftigen. Es solle dabei auch geprüft werden, ob Selbsttests möglicherweise die Bürger nur »eine angemessene Eigenbeteiligung« kosten sollen. Auch bei Selbsttests sollte man nach einem positiven Ergebnis einen PCR-Labortest machen und vorerst in häusliche Quarantäne gehen.

Klares Konzept wird benötigt

CDU-Politiker hatten zuletzt daran erinnert, dass zu günstige Selbsttests die gerade erst aufgebauten Apotheken-Testzentren gefährden würden. Denn: Wenn die Selbsttests mittels einer Eigenbeteiligung nur etwa einen Euro kosten würden, würde vermutlich kaum jemand ins Testzentrum gehen und sich lieber selbst zuhause testen. Bezüglich der Selbsttest-Strategie herrscht in der Großen Koalition bislang Uneinigkeit. Das Diskussionspapier zeigt nun die ersten Züge eines Konzepts für welchen Bereich die Schnelltests von professionellen Anwendern notwendig sein werden und für welchen Bereich künftig die Selbsttests ausreichen können. Vorbild könnte hier auch das Nachbarland Österreich sein. Dort wird etwa für den Besuch beim Friseursalon ein negatives Testergebnis benötigt, allerdings werden hier nur die Schnelltests akzeptiert, die von professionellen Anwendern durchgeführt werden. Selbsttests gibt es dort schon länger. Sie werden seit dem heutigen Montag kostenlos in Apotheken an die Bevölkerung verteilt. Allerdings werden sie eher für den privaten Bereich genutzt, etwa um sich vor einem Verwandtenbesuch abzusichern, sich nicht mit SARS-CoV-2 angesteckt zu haben.

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