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Grippe-Impfstoffe

BMG rechnet mit ausreichend Dosen Efluelda im Markt 

Der Hochdosis-Impfstoff Efluelda ist nicht Teil der Reserve, die der Bund für die neue Grippesaison beschafft hat. Mit einem Mangel an dieser Vakzine rechnet man im Gesundheitsministerium nicht. Derweil will auch der Freistaat Bayern prüfen, ob er abermals eine eigene Rücklage organisiert.
Stephanie Schersch
04.05.2021  11:10 Uhr

In der Versorgung mit Grippe-Impfstoff haben Apotheker schon so einiges mitgemacht. Für die größeren Probleme hatten zuletzt immer wieder Lieferschwierigkeiten gesorgt. Doch so chaotisch wie im vergangenen Jahr war die Situation selten zuvor. So war die Nachfrage gleich zu Beginn der Saison extrem groß und der Impfstoff zu knapp. Zum Jahreswechsel hatte sich die Situation dann vollständig gedreht.

In diesem Herbst könnte nun eine neue Herausforderung auf die Apotheken zukommen. Erstmals haben Menschen ab 60 Jahren Anspruch auf einen speziellen Hochdosis-Impfstoff, das hat der Gemeinsame Bundesausschuss entschieden und war damit einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission gefolgt. Zwar dürfen Ärzte auf einen regulären tetravalenten Impfstoff ausweichen, wenn das hochdosierte Vakzin etwa nicht verfügbar ist. An der grundsätzlichen Empfehlung für Senioren ändert das aber nichts. In den Apotheken sind die Impfstoffbestände für die neue Saison damit besonders schwer zu kalkulieren. Bis Ende März mussten Ärzte und Offizinen die Vakzine für diesen Herbst verbindlich bestellen. Abzuwarten bleibt nun, ob ausreichend Dosen des bislang einzigen Hochdosis-Impfstoffs Efluelda® in den Markt kommen, um die knapp 10 Millionen Impfwilligen über 60 Jahren zu bedienen.

BMG setzt auf die Bestellungen der Apotheken

Im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat man offenbar keine Zweifel an der Kalkulation von Apothekern und Ärzten. Vor wenigen Tagen hatte das Ministerium erklärt, auch für diesen Herbst wieder eine Impfstoff-Reserve beschafft zu haben. Unter den insgesamt 6,85 Millionen Dosen werden allerdings keine Einheiten Efluelda sein. »Es wird davon ausgegangen, dass der Hochdosis-Impfstoff Efluelda aufgrund des G-BA-Beschlusses im Rahmen der Regelversorgung in ausreichender Menge beschafft und zur Verfügung stehen wird«, erklärte eine Ministeriumssprecherin auf Nachfrage der PZ.

Zuletzt hatte das BMG keine guten Erfahrungen mit hochdosierten Impfstoffen gemacht. So war das Sanofi-Vakzin als Import aus den USA (Fluzone®) Teil der nationalen Reserve im vergangenen Jahr. Die Ärzte allerdings setzten das Mittel nur sehr zurückhaltend ein, offenbar auch aus Angst vor einem Regress. Denn das Präparat ist deutlich teurer als andere Impfstoffe. Am Ende der Saison blieben viele Dosen Fluzone in den Apotheken zurück. Ob der Bund den Offizinen eine Art Ausgleich für liegengebliebene Impfstoffe aus der Reserve zahlt, steht noch nicht fest.

Bayern prüft eigene Reserve

Auch in Bayern denkt man derweil darüber nach, erneut eine eigene Impfstoff-Rücklage für den Freistaat zu organisieren. Das hatte das bayerische Gesundheitsministerium bereits im vergangenen Jahr gemacht und insgesamt 550.000 Dosen beschafft, die über die Apotheken in die Arztpraxen gekommen waren. Gekauft hatte der Freistaat die Impfstoffe kurzfristig auf dem freien Markt, nachdem Ärzte und Apotheker ihre Bestellungen längst aufgegeben hatten. Im Unterschied zur nationalen Reserve des Bundes sind die Impfstoffe dabei als Eigentum des Freistaats geflossen, mit dem die Krankenkassen direkt abrechnen mussten.

Zurzeit läuft im Bayerischen Gesundheitsministerium noch eine Auswertung der abgelaufenen Grippe-Welle. Anhand dieser Erfahrungen werde nun geprüft, »ob für die nächste Saison eine erneute zusätzliche Beschaffung von Influenza-Impfstoffen durch den Freistaat zweckmäßig ist«, erklärte eine Ministeriumssprecherin gegenüber der PZ.

 

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