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Biologische Arzneimittel

Biosimilars erleichtern Zugang zu innovativen Therapien

Rheumapatienten erhalten schneller Zugang zu einer innovativen Biologika-Therapie, wenn Nachahmer auf den Markt kommen. Das geht aus einer Studie der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) hervor. Demnach sorgen die Nachahmer für einen deutlichen Fortschritt in der Versorgung.
Stephanie Schersch
14.09.2020  15:38 Uhr

KVB-Fachreferentin Franziska Hörbrand hatte eine knappe, aber sehr deutliche Antwort auf die Ausgangsfrage der Studie: Verbessert die Verfügbarkeit von Biosimilars die Versorgung von Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. »Ganz eindeutig ja«, sagte Hörbrand heute im Rahmen eines digitalen Symposiums der Arbeitsgemeinschaft Probiosimilars.

Die AG der Hersteller hatte die Analyse in Auftrag gegeben. Über einen Zeitraum von sechs Jahren (2014-2019) untersuchte die KVB, welche Arzneimittel bayerische Ärzte ihren Rheumapatienten verschrieben. Das Ergebnis: Kommt ein Biosimililar auf den Markt, erhalten Patienten deutlich schneller Zugang zu einer Therapie mit biologischen Arzneimitteln. So mussten Rheumapatienten in Bayern vor Einführung des ersten für ihre Erkrankung zugelassenen Biosimilars im Schnitt 7,4 Jahre auf eine entsprechende Behandlung warten. Ab 2015 kamen mit Infliximab (2015), Etanercept (2016) und Adalimumab (2018) schließlich drei Biosimilars in dieser Indikation auf den Markt. Dabei verkürzte sich die Wartezeit auf den Beginn einer Biologika-Therapie mit jedem Markteintritt deutlich. Heute liegt sie im Schnitt bei nur noch 0,3 Jahren.

Mehr Patienten profitieren 

Insgesamt stieg die Zahl der Rheumapatienten mit Arzneimittetherapie in Bayern zwischen 2014 und 2019 um rund ein Viertel. Zugleich wuchs der Anteil der Betroffenen mit Biologika-Therapie von 14 Prozent auf 19 Prozent. In den allermeisten Fällen wurden die Patienten dabei von einem Rheumatologen auf ein biologisches Arzneimittel eingestellt.

Neben der Auswertung der Verordnungszahlen wurden im Rahmen der Studie auch die betroffenen Patienten befragt. Dabei zeigte sich ein Unterschied in der subjektiven Wahrnehmung der Behandlung mit Original und Nachahmer. So schätzten Patienten und Ärzte das Befinden im Rahmen einer Therapie mit dem Original-Biologikum subjektiv als etwas besser ein. Ein Blick auf die objektiven Gesundheitsparameter konnte das allerdings nicht bestätigen. Hier war die Behandlung mit beiden Therapieformen beinahe gleich effektiv.

Die Frage, inwieweit Original und Biosimilar als gleichwertig gelten können, bestimmt auch die Debatte über die Substitution der Präparate in diesem Bereich. Langfristig sollen Apotheker biologische Arzneimittel nach bestimmten Vorgaben in der Apotheke automatisch gegen ein Nachahmerprodukt austauschen, ähnlich wie es heute bereits bei den Generika üblich ist. Welchen Regeln sie dabei folgen, soll der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bis zum Sommer 2022 festlegen. Doch bereits heute gibt es großen Widerstand gegen diese Pläne.

Zankapfel Substitution 

»Wir brauchen die Substitution schlichtweg nicht«, sagte Walter Röhrer, Vizechef der AG Pro Biosimilars. Festbeträge und Open-House-Verträge böten den Krankenkassen bereits ausreichend Sparpotenzial. Zugleich dämpfte Röhrer die Erwartungen der Kassen, über Rabattverträge ähnliche Einsparungen wie im Generikabereich zu erzielen. »Generika und Biosimilars haben nichts miteinander zu tun.« So sei die Herstellung der biologischen Präparate deutlich komplexer und entsprechend teuer. Preisdruck würde demnach nicht zu einer Produktionsverlagerung in Billiglohnländer, sondern aus betriebswirtschaftlichen Gründen zu einem vollständigen Abbruch der Herstellung führen, so Röhrer. »Zerstören Sie nicht ein funktionierendes System.«

Bei der Techniker Krankenkassen (TK) zeigt man sich kompromissbereit. TK-Fachapothekerin Goentje-Gesine Schoch verwies darauf, dass nicht immer nur der Preis im Zentrum eines Rabattvertrags stehen muss. »Es gibt Spielräume mit Blick auf die Ausschreibungskriterien«, sagte sie. Grundsätzlich kann Schoch sich allerdings gut vorstellen, dass Apotheker den Austausch von Biologika übernehmen. Schließlich hätten sie aufgrund ihrer Ausbildung sogar zum Teil ein besseres Verständnis als Ärzte für die Besonderheiten dieser Arzneimittel. Darüber hinaus sollten Rabattverträge gerade dazu beitragen, über einen längeren Zeitraum Kontinuität in der Versorgung des Patienten mit einem bestimmten Präparat zu gewährleisten, so Schoch.

Dieses Argument wollte Röhrer nicht gelten lassen. Gerade bei Rabattverträgen mit mehr als einem Hersteller habe der Apotheker die Auswahl zwischen verschiedenen Präparaten. Welches davon das für den Patienten gewohnte sei, wisse er dabei nicht. »Das ist im System einfach nicht vorgesehen«, betonte Röhrer.

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